Eines wird am Dienstagabend in Unterlind bei Vohenstrauß (Landkreis Neustadt/WN) deutlich. Viehhalter und Jäger wünschen sich beim Thema Wolf vor allem zwei Dinge: Sie wollen mit ihren Sorgen und Problemen ernst genommen werden, und sie wünschen sich klare und umsetzbare Regeln im Umgang mit dem Wolf. Das haben sie Markus Martini, dem Wolfsbeauftragten für die Oberpfalz, deutlich gesagt. Martini informierte auf Einladung des Bauernverbands auf dem Anwesen von Julia und Josef Braun über den aktuellen Stand zum Wolf in der Oberpfalz. Bei der anschließenden Diskussion stellte er sich den Fragen der Bauern und Jäger.
„Die Diskussion um den Wolf ist so emotional, weil wir Tierhalter uns nicht ernstgenommen fühlen“, sagte zum Beispiel Erika Sauer, Rinderzüchterin aus Moosbach und Landesvorsitzende des Fleischrinderverbands. So werde Tierhaltern gesagt, sie sollen sich Herdenschutzhunde anschaffen – oder noch besser: Esel. Das sei jedoch nicht immer machbar, betonte Sauer.
Die Weiden, auf denen in der Oberpfalz Rinder gehalten werden, seien für Esel nicht geeignet. Herdenschutzhunde erfordern einen hohen Aufwand. Der Halter muss sich täglich mit ihnen beschäftigen. Die Rinderzüchterin hat fünf Weiden, um diese zu schützen bräuchte sie zehn Hunde, denen sie sich täglich fünf Stunden widmen müsste – im landwirtschaftlichen Nebenerwerb, neben allen anderen Arbeiten die anfallen. „Das geht nicht.“ Gleichzeitig würde in der Öffentlichkeit das Bild entstehen, „der Landwirt ist nicht Willens, seine Herde zu schützen“. „Sagt uns, wie hoch ein Zaun sein muss, damit der Wolf ein Problem ist, wenn er darüber kommt, und entnommen werden darf“, forderte Sauer. Und: „Gebt endlich in der Öffentlichkeit zu, dass der Wolf Probleme macht – nicht jeder, aber es gibt welche.“ Für diese Tiere wünsche sie sich frühzeitig klare Regeln.
Martini betonte daraufhin, dass „niemand sagt, dass jemand zu blöd ist, einen Zaun zu bauen“. Er wolle Landwirten bei diesem Problem aber helfen. Er stehe im Austausch mit Wikiwolves, einer Vereinigung von Freiwilligen, die Landwirten zum Beispiel beim Bau von Zäunen helfen.
Ebenfalls ein Problem mit dem Wolf haben die Jäger. Einige wünschten sich am Dienstagabend, dass sie frühzeitig über Sichtungen in ihren Revieren informiert werden und nicht erst aus den Medien erfahren müssen, dass sich in ihrem Gebiet ein Wolf aufhalten könnte. „Ich habe jetzt schon Probleme, einen Hundeführer zu finden, der seine Tiere in den Wald schickt“, berichtete ein Jäger. Der Hundeführer habe Angst, dass „seine Jagdterrier nicht mehr zurückkommen“. Dass es zu Auseinandersetzungen zwischen Hunden und Wölfen kommen könnte, hat Martini an diesem Abend mehrmals erwähnt.
Hans Lehner, Mitglied im ehrenamtlichen Netzwerk Große Beutegreifer, bat in diesem Zusammenhang, Sichtungen möglichst rasch an ihn zu melden. Wer Bilder habe, solle ihm diese auch schicken. Er betonte, er könne diese anonym an die zuständige Stelle weitergeben.
Ein weiterer Sorgenpunkt: Wird es mit dem Wolf in der Region künftig schwieriger, Jagdpächter zu finden? Martini erklärte, dass sich dazu aktuell noch nichts sagen lasse. In anderen Bundesländern – in denen der Wolf schon länger zurück ist – gebe es tatsächlich Orte, in denen eine Verpachtung schwieriger geworden sei, aber auch Reviere, in denen sich nichts geändert habe. Zudem gebe es in Bayern reichlich Wild. Und: „In den meisten Revieren sitzt der Mensch am längeren Hebel.“













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