17.06.2019 - 18:21 Uhr
UrsensollenDeutschland & Welt

Kein Interesse an "Unser Dorf hat Zukunft?"

Sind sie alle schon schön? Oder woran liegt es, dass die Zahl der Teilnehmer bei "Unser Dorf hat Zukunft" von Runde zu Runde sinkt? Franz Mädler, Bürgermeister aus Ursensollen, hat eine Vermutung.

Die Gemeinde Ursensollen im Landkreis Amberg-Sulzbach hat mehr zu bieten als nur schöne Blumen.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

(dpa/ehi) Immer weniger bayerische Dörfer nehmen an dem Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teil. Wie aus den von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) veröffentlichten Zahlen hervorgeht, beteiligten sich an der Wettbewerbsrunde 2016 bis 2019 nur 237 Dörfer, 44 davon aus der Oberpfalz. Zur Jahrtausendwende waren noch mehr als 1000 bayerische Dörfer dabei gewesen. Seither sank die Zahl stetig.

"In den Kommunen sind immer weniger Bewohner ehrenamtlich tätig. Aber gerade dieser Einsatz und das Engagement sind für eine erfolgreiche Teilnahme unabdingbar", sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Auch setzten die Bürgermeister andere politische Schwerpunkte. Und andere Wettbewerbe wie das "Gütesiegel Heimatdorf 2019" des Heimatministeriums machten dem Wettbewerb Konkurrenz. "Unser Dorf hat Zukunft" läuft über drei Jahre, wobei Auszeichnungen auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene vergeben werden. Laut Ministerium sind im Haushalt rund 250 000 Euro pro dreijähriger Wettbewerbsrunde eingeplant.

Eine Vermutung, warum der Wettbewerb immer weniger Zuspruch findet, hat Ursensollens Bürgermeister Franz Mädler. Seine Gemeinde hat in der vergangenen Runde im Landeswettbewerb Bronze geholt. Und prinzipiell findet das Gemeindeoberhaupt auch, dass "Unser Dorf hat Zukunft" eine gute Sache ist, weil man dadurch "sein Dorf neutral betrachtet und versucht das Potenzial auszuschöpfen". Kritik äußert er bezüglich der Bewertungsmaßstäbe. "Ein Dorf ist mehr als nur schöne Blumenkästen." Es gehöre mehr dazu als nur der optische Eindruck, betont Mädler. Die Stichworte: "Kultur, Bildung, Arbeitsplätze, Biodiversität." Er habe jedoch den Eindruck gewonnen, dass diese Aspekte für die Jury im Landeswettbewerb keine Rolle gespielt hätten. Ein Jury-Mitglied habe die Tatsache, dass Ursensollen über 1000 Arbeitsplätze biete sowie mit dem Kubus einen eigenen Veranstaltungsort habe mit den Worten "Das ist ja kein Dorf mehr sondern eine Vorstadt" kommentiert.

Er sei von dieser Ansicht der Jury etwas enttäuscht gewesen, fährt der Bürgermeister fort. Er könne deswegen auch verstehen, warum sich immer weniger Dörfer zum Wettbewerb anmelden. Schließlich seien gerade Themen wie Kultur, Bildung oder auch Angebote für Senioren wichtig für eine funktionierende Gemeinde. "Konzepte für Kinder sind ein Kernpunkt, nicht Blumenkästen."

Mädler betont aber auch, dass sich seine Enttäuschung lediglich auf die Themengewichtung der Jury bezieht - nicht auf die Bronze-Auszeichnung für Ursensollen. "Wir sind sehr zufrieden", sagt er. "Wir haben unsere eigenen Besonderheiten, zum Beispiel das Planetarium, das gerade neu gebaut wird."

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