28.02.2020 - 17:30 Uhr
UrsensollenDeutschland & Welt

Der Kosmos und das Schaltjahr

Geht ein Jahr zu Ende, sind auf dem Kalender 365 Tage vergangen. Es gibt aber auch Jahre, die haben einen Tag mehr: Matthias Mändl erklärt, was die Astronomie mit Schaltjahr und dem 29. Februar zu tun hat.

Matthias Mändl, Vorstand des Planetariums und der Volkssternwarte Amberg-Ursensollen.
von Natalie SchwarzProfil

"In einem Planetarium können die astronomischen Ursachen für ein Schaltjahr wunderbar erklärt werden. Hier sieht man, wie sich die Erde um die Sonne bewegt und letztlich ist genau das die Ursache, warum wir Schaltjahre brauchen", so Matthias Mändl, Vorstand des Planetariums Ursensollen. Die Erde dreht sich um die Sonne. Dafür benötigt sie genau 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Theoretisch könnte man das Jahr einfach genau auf 365 Tage beschränken. In der Praxis funktioniert das nicht so einfach, wie Mändl erklärt: "Gleicht man diese viertel Umdrehung, welche die Erde zu viel macht, nicht mit einem Schalttag alle vier Jahre aus, würden die Monate durch die Jahreszeiten wandern." Nach 120 Jahren hätten sich die Jahreszeiten um einen kompletten Monat verschoben. "Irgendwann wäre der Januar ein Sommermonat und der Juli läge im Winter", so der Experte.

Schaltjahre - einfach erklärt.

Tropisches Jahr schafft Abhilfe

Um das zu vermeiden, hat sich die westliche Welt auf ein sogenanntes tropisches Jahr geeinigt. Ein tropisches Jahr ist, wie Mändl weiter erklärt, die Zeit, die vergeht, bis die Erdachse genau die gleiche Neigung gegenüber der Sonne hat wie zum Ausgangszeitpunkt. Ist das nicht jedes Jahr der Fall, wäre in mehreren Jahrhunderten im Juli tiefster Winter.

Allerdings sind es nicht genau sechs Stunden, die das tropische Jahr länger als 365 Tage dauert. Die elf Minuten und vierzehn Sekunden die einfach dazugerechnet werden, müssen ebenfalls ausgeglichen werden. Hierfür wurde eine zusätzliche Schaltjahresformel eingeführt. Demnach sind manche Jahre keine Schaltjahre, obwohl sie es vom üblichen Rhythmus her sein müssten. 1800 war das der Fall, ebenso 1900. Das nächste Mal wird es 2100 so weit sein.

Die Frage, warum der Februar nur 28 und manchmal 29 Tage dauert, hat allerdings nichts mit dem Lauf der Erde zu tun, sondern mit der Geschichte. Im Lexikon der Antike von Johannes Irmscher werden diese Zusammenhänge erläutert. Im alten Rom war der Februar der letzte Monat im Jahr. Die 355 Tage, die das Jahr damals hatte, wurden gleichmäßig auf zwölf Monate aufgeteilt. Die übrigen 28 Tage bekam der letzte Monat. Das ist heute noch so, auch wenn der Februar nicht mehr der letzte Monat ist. Zwischenzeitlich löste man das "Schaltproblem" durch einen doppelten 24. Februar. Im Nachhinein stellte es sich dann aber als einfacher heraus, den 29. Februar einzufügen.

Erde dreht sich immer langsamer

Experten sagen, die Erde dreht sich immer langsamer. Auswirkungen auf ein Schaltjahr hat das aber nicht. "Diese Veränderung ist extrem langsam", erklärt Mändl. Die Verzögerung werde durch Schaltsekunden ausgeglichen. Tatsächlich füge ein Experten-Gremium hin und wieder nach Bedarf einzelne Sekunden an Tage an. "Das hängt damit zusammen, dass sich die Erde auf ihrer Bahn mal langsamer und mal schneller bewegt. Wir bekommen davon gar nichts mit." Schaltjahre wird es also auch weiterhin geben.

Zum Planetarium und der Volkssternwarte Ursensollen

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