Vermüllen ist kein Kavaliersdelikt

Grün ist des Lebens goldner Baum. Schon Goethe mochte es natürlich. Freilich litt der Klassiker der Deutschen auch noch nicht unter dem Teufelskreislauf der Plastikherstellung.

Marktplätze als Mülldeponien: Ein Räumungsfahrzeug beseitigt nach einer Veranstaltung Müll auf einer Straße.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Gemacht aus wertvollem Öl, das Kohlendioxid bindet, wird Plaste nur zu einem Bruchteil recycelt. Grün ist auch heute noch die Farbe der Hoffnung, nur die Realität sieht anders aus. Grau ist alle Theorie: So viel auch über die Umwelt gesprochen wird, die Müllberge wachsen weiter. Anstatt Plastikfasten erlebt die Plastikproduktion einen Boom: plus 30 Prozent in den USA. Noch sind die Plastiktüten nicht aus den Supermärkten verbannt, da tüftelt die Industrie schon an neuen Wegwerfartikeln - Glas verschwindet aus den Getränkemärkten, für ein Pfund Kaffee fallen 50 eingeschweißte Pads an.

Der Appell ans grüne Gewissen alleine reicht deshalb nicht. Konsumenten sind im unübersichtlichen Alltag überfordert. Politik muss hier steuernd eingreifen. Deshalb ist es folgerichtig, wenn Umweltministerin Svenja Schulze die Hersteller von Wegwerfartikel stärker in die Verantwortung nimmt. Das nennt man Verursacherprinzip. Nicht die Kommunen sollten dafür die Kosten tragen.

Die grassierende Gleichgültigkeit im Umgang mit Abfall ist aber auch ein Armutszeugnis für Bürger, die sich sonst gerne mündig nennen: Nach Festen sehen Marktplätze Mülldeponien gleich. Wer in Singapur einfach seinen Abfall fallen lässt, muss schon beim ersten Mal bis zu 1300 Euro Strafe zahlen - ein wenig Abschreckung kann sehr motivieren.

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