Mit 16 individuellen, schwarz-weiß Foto-Installationen gewinnt Albert Braun den Lebenslinien der einstmals Liebenden, aber später nie vereinten Lola Montez und Elias Peißner unkonventionelle Ansichten ab. Luftig und beinahe durchscheinend schweben die Thermodurchdrucke nun also im Bergfried der Burg Dagestein.
Nicht nur die anwesenden Künstlerkollegen wie etwa Jakub Hanzl aus Tschechien, der aus Schnellersdorf stammende, in Kanada lebende Erwin Regler oder Raimund Drexler aus Amberg zollen Respekt, auch die anderen Vernissage-Besucher nehmen klaglos den steilen Anstieg bis zur Aussichtsplattform in Angriff - nicht zuletzt, um jetzt endlich dem Geheimnis des mysteriösen "E" im Ausstellungstitel auf die Spur zu kommen.
"E" wie Elvis
Dieses offenbart sich zuerst dem Ohr und dann dem Blick: Zu "Love me tender" findet man sich Auge in Auge mit dem jungen, durch Vilseck fahrenden GI Elvis Presley wieder. Im realen Hintergrund die malerische Vilsecker Landschaft, in Albert Brauns nimmermüder Fantasie eine mögliche nächste Idee.
Auf eine Fortsetzung dieser kreativen Beziehung Albert Braun - Vilseck setzt Bürgermeister Hans-Martin Schertl mit großer Gewissheit. Bei der Begrüßung erhob er "unseren Vilsecker Künstler" zum "modernen Elias", der vor vielen Jahren dem Ruf der Liebe nach Finnland gefolgt sei, aber nie den Kontakt zur Oberpfalz verloren habe.
Im einführenden Gespräch mit Albert Braun leuchtete Stefan Voit, Ressortleiter Kultur/Oberpfalz-Medien, verschiedene Aspekte der zum Rahmenprogramm der Burgfestspiele Vilseck gehörenden Ausstellung aus, beginnend natürlich mit der Frage nach der Idee zum Projekt.
Lebenslinien nachgespürt
Es war die Strahlkraft des ewigen Gerüchts um Lola Montez, den Vilsecker Türmersohn Elias Peißner und ihren möglichen Kurzaufenthalt im Wünnenberghaus auf der Flucht vor Häschern König Ludwigs I. Daraus reifte schließlich bei einem New York-Besuch mit Abstecher zum Lola-Grab auf dem Greenwood-Cemetery die Inspiration zum konkreten Projekt.
Aber nicht nur Fotos von diesem, bis heute mit Devotionalien dekorierten Andachtsort sind fotografische Eindrücke zu sehen. Braun spürte auch Elias Peißners Schicksal nach und entdeckte dabei eher zufällig bislang Unbekanntes: Der nach der Montez-Affäre aus Bayern geflüchtete Vilsecker kehrte später noch einmal in seine Heimat zurück - belegt von einem in Vilseck ausgestellten Pass-Dokument, das Braun am Union-College in Schenectady/USA in die Hände fiel.
Er sei jedoch kein Historiker und wolle auch gar nicht diesen Eindruck erwecken. Deshalb zieht Albert Braun den künstlerischen Rahmen weiter, von "der falschen Spanierin und dem echten Vilsecker" zu eben jenem King of Rock'n"Roll, der ebenfalls flüchtige Spuren rund um Vilseck hinterlassen hat.
Für den liebenswürdigen und sehr bescheiden auftretenden Deutsch-Finnen ist Kunst eben nie zu Ende. Besonders gefreut hat er sich übrigens auch über das Interesse der vielen einheimischen Vernissage-Besucher, denn "diese Ausstellung ist für Euch, die Vilsecker".
Service
Die Ausstellung „Lola+Elias [+E]“ läuft bis 30. September. Geöffnet ist an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, während der Burgfestspiele am 29., 30. Juni, 1., 12., 13., 14., 15., 20., 21., 22. Juli jeweils von 19 bis 19.45 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 09662/9916.














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