09.10.2020 - 15:56 Uhr
VohenstraußDeutschland & Welt

Immer wenn er Briefe schreibt

Heute macht man das eher kurz und bündig über WhatsApp, Instagram oder einfach mit Emojis – die moderne Art, Gefühle für andere auszudrücken. Cyrano de Bergerac vertraute auf Papier und Feder, wie das Landestheater Oberpfalz demonstriert.

Das Schauspiel "Cyrano de Bergerac" feierte gelungene Premiere beim Kulturherbst des Landestheaters Oberpfalz in der Stadthalle Vohenstrauß
von Holger Stiegler (STG)Profil
Das Schauspiel "Cyrano de Bergerac" feierte gelungene Premiere beim Kulturherbst des Landestheaters Oberpfalz in der Stadthalle Vohenstrauß
Das Schauspiel "Cyrano de Bergerac" feierte gelungene Premiere beim Kulturherbst des Landestheaters Oberpfalz in der Stadthalle Vohenstrauß

Kulturgenuss mit Abstand und Hygiene haben die Verantwortlichen vom Landestheater Oberpfalz (LTO) für den von Corona geprägten „Kulturherbst“ in der Stadthalle Vohenstrauß versprochen. Und sie haben Wort gehalten am Donnerstagabend bei der Premiere des Schauspiels „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand, in einer Bearbeitung von Jo Roets und Greet Vissers. Künstlerischer Leiter Till Rickelt hat mit den vier Schauspielern Johannes Lukas, Mona Fischer, Ole Bosse und Claudia Lohmann eine überzeugende Adaption auf die Bühne gebracht, die für amüsante Unterhaltung und große Gefühle sorgt, aber auch den menschlichen Makel und den Schönheitsfetisch beleuchtet.

Man ist schon fast versucht, den „Cyrano“ als klassisches Corona-Stück zu charakterisieren. Auf der Bühne stehen nur wenige Personen und es ist ein sprachmächtiges Schauspiel. Die Akteure kommen sich dabei über Worte nahe, das Agieren miteinander funktioniert 70 Minuten lang auch über Distanz. Der romantisch veranlagte, aber „Dank“ seiner Nase unansehnliche Cyrano (Johannes Lukas) verliebt sich in seine Cousine Roxane (Mona Fischer). Diese wiederum verfällt der Schönheit des unbedarften Christian (Ole Bosse). Um Roxanes Willen leiht Cyrano dem Gegenspieler sein lyrisches Talent und verfasst poetische Liebesbriefe in Christians Namen. Durch eine Ehe mit Christian entgeht Roxane dem Schicksal, die Geliebte des tyrannischen Grafen de Guiche (Claudia Lohmann) zu werden, der aus Rache sein Regiment, in dem auch Christian und Cyrano dienen, an die vorderste Front schickt.

Cyrano sendet Roxane weiterhin Briefe in Christians Namen. Unter großen Gefahren begibt sich Roxane zu ihrem Gatten und gesteht ihm, dass sie ihn nur wegen seines Wesens, das sich in seinen Briefen offenbart, liebt. „Ich habe nur einen Wunsch: Diese Worte aus seinem Mund zu hören!“, offenbart Roxane in einem Gespräch ihrem Cousin Cyrano. Es endet wie es enden muss – nämlich dramatisch: Christian fällt im Kampf, Roxane geht ins Kloster und Cyrano, der sie dort wöchentlich besucht, stirbt, gerade als Roxane der Wahrheit endlich auf die Spur gekommen ist.

Ein Vier-Personen-Stück lebt natürlich von der Authentizität der Schauspieler – und diese überzeugen auf ganzer Linie. Mit viel Witz sowie gekonnter Mimik und Gestik gelingt es ihnen, das sehr verdichtete Schauspiel so zu interpretieren, dass die wesentlichen Linien klar deutlich werden und die „Botschaft“ bei den Zuschauern ankommt. Die Kostüme von Eva Schwab und die Musik von Martin Kubetz runden eine mehr als gefällige Inszenierung ab.

Dies schlägt sich im langanhaltenden Applaus der Zuschauer nieder, die sich angesichts großer Platzabstände, zahlreicher Handdesinfektionsspender und gut durchlüfteter Halle so sicher fühlen können wie es aktuell eben geht. Mehr können Kulturschaffende und -anbieter derzeit nicht leisten: Und sie haben es verdient, dass ihr Angebot angenommen wird.

Info:

Termine

Weitere Vorstellungen des Schauspiels in der Stadthalle Vohenstrauß am 15., 16., 17. und 31. Oktober sowie am 5. November. Karten online unter www.nt-ticket.de

Weitere Informationen zum Spielplan:

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