01.10.2018 - 11:06 Uhr
VohenstraußDeutschland & Welt

Oktett im Doppel

Am Sonntag wird doppelt gemoppelt: Das "Arte Ensemble" besteht 25 Jahre, die Rathauskonzerte gar 30. Gründe genug für ein exquisites Programm mit Haydn und Schubert. Doppelt auch die Andreas-Grüße zu Beginn.

Es bereitet immer wieder Vergnügen, das „Arte-Ensemble (von links Annette Schäfer, Ivo Dudler, Kathrin Rabus, Guido Schäfer, Anna Lewis, Malte Refardt, Ute und Albert Sommer) in Vohenstrauß spielen zu hören.
von Peter K. DonhauserProfil

Sowohl Vohenstrauß' Bürgermeister Andreas Wutzlhofer wie Schirmherr und Landrat Andreas Meier wissen das kulturelle Engagement zu schätzen und zu würdigen, auch finanziell. Die acht Spieler des "Arte Ensembles" sind ein hervorragend aufeinander eingestimmtes Team: Ihr Klang ist abgerundet und homogen, ohne schneidende Schärfen, nur selten dominieren die drei Bläser. Intonation, Tempoübergänge, Phrasengestaltung gelingen wie aus einem Guss. Großen Anteil daran hat die hervorragende Primaria Kathrin Rabus mit ihrer geschmeidigen und feinfühligen Bogenführung. Annette Schäfers 2. Violine hat erfreuliche Präsenz und Fülle in tiefen Lagen. Begeisternd das kristallklare Bratschenspiel von Anna Lewis, sie kann sowohl erdige Wärme wie tenoralen Glanz vermitteln. Luftig und lebendig spielt Ute Sommer das Violoncello, Albert Sommer steuert sein elegantes Bass-Spiel bei. Ivo Dudler wechselt mit seinem Horn geschickt zwischen dezenten Harmonietönen und runden Solopartien. Malte Refardt gibt der Bassline profilierte Fagott-Zeichnung. Guido Schäfers weich-glänzender Klarinettenton korrespondiert trefflich mit der 1. Violine.

Haydns Urlaubs-Erinnerung

Durchaus mit Ironie steht gleich am Beginn der Abschied: Joseph Haydns apartes Opus Nr. 45 in fis-Moll, die „Abschiedssymphonie“, bei der zum Ende ein Exodus der Spieler Urlaub für die Musiker einforderte. Die hervorragende Oktett-Version des Klarinettisten lässt die Orchesterbesetzung kaum vermissen. Mit energetischem Impetus geht es in das Allegro assai. Feingefühl und Gespür für die vielen Seufzermotive dominieren das Adagio, Witz und perfekte Dialoge das Menuetto, Farbenreichtum das Presto vor dem erwähnten Auszug aus der Aula.

Schuberts Psychogramm

Ein bedeutendes Kammermusikwerk ist das Oktett F-Dur D 803 von Franz Schubert (1824), das manchmal durchaus den im Jahr seines Entstehens geborenen Anton Bruckner vorausahnen lässt. Das Ensemble musiziert mit langem Atem, hält die Spannung bis zum letzten Ton und vermag es, einen bemerkenswert vielschichtigen, niemals auf platte Gefälligkeit reduzierten Schubertfranzl darzustellen. Triumph im Scherzo, aber nicht daher marschierend, sondern tänzerisch, von urplötzlichen Zweifeln durchmarmoriert. Das Menuetto dagegen mild und weihevoll, sein Trio treuherzig und musikantisch. Fiebrig flirrende Tremoli vor dem jubelnden Finale runden ein authentisches Schubert-Bild, das dessen Handwerk, Intellekt und fragile Psyche erleben lässt. Ovationen und ein Wunsch: Haltet der luftigen hervorragend klingenden Realschul-Aula die Treue!

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