19.06.2020 - 13:39 Uhr
VohenstraußDeutschland & Welt

Schöne Aussichten für den Literaturherbst

Die Ausgangssperre hat das Buch zur heißen Ware gemacht. In einer kleinen Serie fragt die Kulturredaktion bei regionalen Buchhändlern nach, was aus der wiederentdeckten Lesefreude geworden ist. Maria Rupprecht bleibt optimistisch.

Buchhändlerin Maria Rupprecht plant derzeit auf Sicht.
von Anke SchäferProfil

Dass die Verlage den Buchmarkt in diesem Herbst nicht mit Neuerscheinungen überfluten, ist für Buchhändlerin Maria Rupprecht kein Problem. Für die Lesefreunde, die in den 45 Filialen der Buchhandlung Rupprecht stöbern, hat sie in den Vorschauen schon viel Schönes entdeckt. Und um das Buch als solches macht sie sich ohnehin keine Sorgen:

ONETZ: Frau Rupprecht, in den ersten Wochen des Corona-Shutdowns haben sich viele Menschen regelrecht ins Lesen geflüchtet. Hat Ihnen der Ansturm auf Bestell- und Lieferservice Mut gemacht in der Krise?

Maria Rupprecht: Wir wollten mit diesem Service die Versorgung unserer Kunden mit Büchern aufrecht halten, und es hat uns natürlich sehr gefreut, dass das gut angenommen wurde. Die zwei Tage vor der Schließung war viel los. Viele haben sich mit Büchern bevorratet, weil niemand wusste, wie lange die Geschäfte geschlossen sein würden. Und die Leute hatten ja deutlich mehr Zeit: Keine kulturellen Veranstaltungen, keine Verpflichtungen, keine Abendtermine, keine Versammlungen, etc. Im Alltag hören wir von vielen: Wenn ich nur mehr Zeit hätte zum Lesen. Und plötzlich hatten die meisten von uns mehr Zeit, und haben die auch zum Lesen genutzt. Vielleicht hat das Lesen auch geholfen, ein bisschen Abstand zu bekommen zu den alltäglichen Gedanken und Sorgen.

ONETZ: Die Situation für die Branche ist ja zwischenzeitlich nicht einfacher geworden – Neuerscheinungen werden verschoben, Programme eingedampft, Lesungen ungewiss, das Highlight Frankfurter Buchmesse in völlig anders als gewohnt. Was erwarten Sie vom Literatur-Herbst?

Maria Rupprecht: Wenn Neuerscheinungen verschoben und Programme eingedampft werden, ist das kein großes Problem. Wir wissen, dass es insgesamt zu viele Neuerscheinungen gibt. Wichtig ist, dass wir auch in diesem Herbst ein interessantes und vielfältiges Buchangebot haben. Ein erster Blick in die Vorschauen der Verlage zeigt mir, dass viele schöne Bücher erscheinen werden. Dass die Frankfurter Buchmesse nun tatsächlich stattfindet, wenn auch in anderer Form als bisher, hat mich überrascht. Ich hoffe sehr, dass alles gut geht. Die Autoren, vor allem die, die keinen bekannten Namen haben, brauchen die mediale Aufmerksamkeit wenn ihre Bücher erscheinen. Und sie brauchen eine Plattform, um ihre Bücher präsentieren zu können. Da im Frühjahr alle Lesungen abgesagt wurden, war das für viele ein großes Problem. Wann wieder Lesungen in gewohnter Form stattfinden können, das werden wir sehen. Keiner kann momentan sagen, wie die Welt im September sein wird. Wir warten deswegen mal noch ab, planen nichts Neues und hoffen, dass die bereits geplanten Veranstaltungen stattfinden können.

ONETZ: Hat sich die neu entfachte Liebe zu Buch und Buchhändler auch gehalten seit Ihre Läden wieder geöffnet haben?

Maria Rupprecht: Viele brachten in den ersten Wochen ihre Freude zum Ausdruck, dass wir wieder geöffnet haben. Manche wollten ihren Stapel der ungelesenen Bücher wieder auffrischen, der sei schon beängstigend klein geworden, meinten sie. Wir haben nicht erwartet, dass nach der Öffnung so viel los sein würde. Wir haben auch nicht erwartet, dass alles relativ reibungslos funktionieren würde. Wenn ich die Leute sehe, im Regal stöbernd, schmökernd, in Bücher vertieft, das ist schön. Da wird deutlich, dass Stöbern online nicht das gleiche ist. Obwohl wir uns sehr darüber freuen, dass unser online shop seit der Schließung deutlich stärker genutzt wird. Viele bestellen dort und holen die Bücher dann bei uns in der Buchhandlung ab.

ONETZ: Welche Titel belegten bei Ihnen die Top-Plätze der Corona-Bestsellerliste?

Maria Rupprecht: Das waren Bücher, die im Gespräch waren (zum Beispiel Lutz Seiler: Stern 111, Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse, John Ironmonger: Der Wal und das Ende der Welt), spannende Krimis, oder Unterhaltungslektüre wie die Schwestern-Reihe von Lucinda Riley. Stark nachgefragt wurden auch Kinder- und Jugendbücher und Bücher zur Kinderbeschäftigung. Deutlich angestiegen ist auch die Nachfrage nach Koch- und Gartenbüchern. Sehr gefragt sind nach wie vor Wanderführer und -karten für unsere Region.

ONETZ: Wird der Buchmarkt der Nach-Corona-Zeit insgesamt ein anderer sein?

Maria Rupprecht: Es gibt momentan online ein großes Angebot an Buchempfehlungen, Bookfluencern, Online-Lesungen, Buchtrailern, etc. Da findet man durchaus auch Interessantes. Was dabei fehlt, ist die Begegnung. Dass die so wichtig ist, wurde vielen in den letzten Wochen bewusst. Deswegen glaube ich, dass stationäre Buchhandlungen als kulturelle Treffpunkte auch weiterhin wichtig sind. Das Bewusstsein dafür ist gestiegen, auch was den Einzelhandel vor Ort insgesamt betrifft. Um das Buch mache ich mir keine Sorgen. Es ist das einfachste aller Medien, hat schon viele technische Entwicklungen überlebt und hat sich bis heute behauptet.

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