22.07.2019 - 11:48 Uhr
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Ja, das wächst: Wassermelonen vom nordbayerischen Acker

Ursprünglich stammen Wassermelonen aus der Kalahari-Wüste im südlichen Afrika - jetzt wachsen sie in Franken. Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim baut im Versuchsbetrieb Bamberg schon im zweiten Jahr Wassermelonen an.

Gartenbauingenieurin Birgit Rascher erntet auf dem Melonenacker des Gemüsebauversuchsbetriebs Bamberg der LWG Wassermelonen.
von Christine Ascherl Kontakt Profil
Irgendwelche Melonen? Nein. Diese Melonen sind aus Bayern. In Bamberg erprobt die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau den Anbau der Wüstenfrucht auf fränkischem Acker.

Gartenbauingenieurin Birgit Rascher, verantwortlich für die Planung und Auswertung von Feldversuchen im ökologischen Gemüsebau, im Interview.

ONETZ: Ich hielt das zunächst für einen Scherz: Wassermelonen wachsen in Bayern?

Birgit Rascher: Wir ernten schon. Als Versuchsanstalt ist unsere Aufgabe auch die Innovation. Wir erproben Einkommensmöglichkeiten für den Erwerbsgartenbau. Vor 20, 25 Jahren hätte man in unserem Raum wohl keine Wassermelonen im Freiland ausprobiert. Inzwischen machen wir es im zweiten Jahr.

ONETZ: Wie sind Ihre Erfahrungen?

Birgit Rascher: Es ist nicht ganz einfach. Aber es geht. Den ersten Satz haben wir im März gesät und im April gepflanzt. Der zweite folgte vier Wochen später.

ONETZ: Noch vor den Eisheiligen. Mutig!

Birgit Rascher: Der erste Satz hat unter der Vliesabdeckung Minus 1,5 Grad Celsius mitgemacht, weil es im Mai noch einmal gefroren hat. Die meisten Pflanzen haben das gut geschafft. Wir ernten seit einer Woche. Der zweite Satz hat angesetzt, ist aber noch nicht erntereif.

ONETZ: Und schmeckt’s?

Birgit Rascher: Es schmeckt. Die Früchte sind vollreif und saftig-süß.

ONETZ: Ist der Melonenanbau tatsächlich eine Option in Nordbayern?

Birgit Rascher: In der Direktvermarktung auf jeden Fall, wenn man eine gewisse Risikostreuung hat. Ob das im großen Anbau hektarweise kommt, kann ich jetzt noch nicht beantworten. Aber vom Grundsatz her ist heimischer Melonenanbau möglich, wenn der Verbraucher bereit ist, das auch zu bezahlen.

ONETZ: Was ist bei Melonen das Knifflige?

Birgit Rascher: Die Schwierigkeit ist, die Pflanzen gesund zu erhalten, bis die Früchte reif sind. Es gibt Pilzkrankheiten, die die Wurzel angreifen, und der echte Mehltau zerstört die Blätter.

ONETZ: Was haben Sie anders gemacht als im ersten Versuchsjahr?

Birgit Rascher: Statt Stroh haben wir nun doch eine Mulchfolie verwendet. Eigentlich wollten wir kein Plastik auf dem Acker, aber unter dem Stroh war der Boden einfach zu kalt. Und wir haben die Bewässerung von Überkopfbewässerung auf Tröpfchenbewässerung durch Schläuche umgestellt. Dabei hat sich aber jetzt gezeigt, dass der Boden nicht gleichmäßig genug durchfeuchtet. Wir wissen noch nicht, wie wir das nächstes Jahr lösen. Das ist eine Aufgabe für den Winter.

ONETZ: Brauchen Melonen viel Wasser?

Birgit Rascher: Nein, der Wasserverbrauch ist ganz normal. Die Früchte heißen Wassermelone, weil sie soviel Wasser speichern, nicht, weil sie soviel Wasser verbrauchen.

ONETZ: Wie groß wird Ihre Ernte ausfallen?

Birgit Rascher: In diesem Jahr rechnen wir auf unserem 1500 Quadratmeter großem Melonenacker mit 2500 Pflanzen mit einer Ernte von etwa 4000 Früchten.

ONETZ: Wer soll die alle essen?

Birgit Rascher: Wir essen natürlich selber welche, aber wir können nicht den ganzen Acker leer essen. Wir spenden das alles der Bamberger Tafel.

ONETZ: Gibt es noch andere Exoten, mit denen Sie experimentieren?

Birgit Rascher: In den letzten Jahren liefen Versuche mit Süßkartoffeln, die normalerweise auf dem 40. Breitengrad wachsen. Wir sind hier auf dem 49. Wir experimentieren zudem mit Ingwer.

ONETZ: Und Melonen?

Birgit Rascher: Wir werden auf jeden Fall nächstes Jahr noch einmal Wassermelonen anbauen, in der Hoffnung, dass wir dann die bestmögliche Kulturmethode für unseren Raum herausfinden. Wir experimentieren heuer zudem im ersten Jahr mit Zucker- und Honigmelonen, aber im Folientunnel.

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