15.09.2020 - 20:52 Uhr
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Oberpfälzer Ehepaar erzählt von Corona-Testung am Flughafen: Testen hopp, Ergebnis Flop

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Auf seine Corona-Teststrategie ist der Freistaat Bayern stolz. Doch in der Praxis jagt eine Panne die andere. Diese Erfahrung machte auch ein Ehepaar aus Waidhaus.

Eine Frau hat sich mit ihrem Smartphone für einen Coronatest am Flughafen in München angemeldet.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Wolfgang Müllner und seine Frau kehrten am 30. August, einem Sonntag, aus dem Urlaub zurück. Obwohl die Waidhauser ihre Ferien nicht in einem Risikogebiet verbracht hatten, wollten sie auf Nummer Sicher gehen und ließen sich am Flughafen Nürnberg freiwillig auf eine Corona-Infektion testen. Binnen 48 Stunden, hieß es, sei das Ergebnis da. Wolfgang Müllner wartet bis heute auf seinen Befund.

Leserbrief verfasst

Am Wochenende fasste der Oberpfälzer, der beruflich in der Qualitätssicherung tätig ist, den Entschluss, seine Negativerfahrung öffentlich zu machen, und schrieb einen Leserbrief. Vorangegangen waren umfangreiche persönliche Recherchen zum Unternehmen, das den Test am Airport Nürnberg vornahm. Dabei stieß Müllner auf "viele negative Berichte, die die Verantwortlichen hellhörig machen sollten".

Tatsächlich war erst am vergangenen Freitag die für die Tests verantwortliche Firma Ecolog aus München in die Schlagzeilen geraten, nachdem sieben der an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen eingesetzten Corona-Tester sich selbst mit dem Virus infiziert hatten. Das hatte das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitgeteilt. Weil die Corona-Tester während ihrer Arbeit ausreichend Schutzkleidung getragen hätten, habe jedoch laut LGL keine Gefahr für die Getesteten bestanden. Der Bayerische Rundfunk (BR) hatte zuvor berichtet, dass ein Mitarbeiter des Testzentrums am Flughafen Nürnberg positiv getestet worden sei und dessen Kollegen nach Bekanntwerden des Problems dennoch weitergearbeitet hätten.

Wie es auf br.de heißt, sprach Ecolog außerdem im Fall eines Ende August falsch zugestellten Coronatests vom Flughafen München auf Anfrage von einem "Einzelfall" und entschuldigte sich. Die Erfahrungen von Wolfgang Müllner und seiner Frau scheinen die These vom einmaligen Versehen indes zu widerlegen. Müllner schreibt: "Dienstag früh, es lag kein Testergebnis vor und wir nehmen telefonischen Kontakt mit der angegebenen Hotline auf. Nach dem x-ten Versuch nahm eine Frau das Telefongespräch entgegen, die in sehr gebrochenem Deutsch und mit mehrmaligem Buchstabieren der Daten ein Protokoll aufnahm. Diese arme Person fungiert als Prellbock für eingehende Anrufe, die bestimmt nicht immer freundlich sind.

Am Mittwoch früh sind immer noch keine Ergebnisse vorhanden, ein wiederholter Anruf, der nach x-tem Male entgegengenommen wurde. Man bat, die Unterlagen einzuscannen und an die angegebene Mailadresse zu senden. Die Mail wurde gesendet und trotz Übermittlungsbestätigung bekamen wir keine Antwort.

Nur Frau erhält Ergebnis

Donnerstag 00.00 Uhr: Der negative Bescheid für meine Frau trifft endlich ein, aber der meinige fehlt. Wiederholter Anruf bei der Hotline, wieder nach dem x-ten Mal nimmt die gleiche Stimme den Anruf entgegen. Ein drittes Protokoll wird aufgenommen und die Daten werden nochmals per E-Mail versendet. Keine Antwort. Am Freitag ist immer noch kein Ergebnis vorhanden, die Stimme der Hotline bittet erneut um eine Mail, wieder keine Antwort. Die Medien berichten, dass bei circa 10000 Personen eine Datenpanne vorlag, die Ergebnisse würden verspätet kommen. Samstag: endlich Eingang des Zugriffcodes für mein Ergebnis. Welch eine Überraschung: Es war das Testergebnis meiner Frau. Also eine weitere Datenpanne."

Wolfgang Müllner betont, dass er zum Glück einen verständnisvollen Arbeitgeber hat, der sich mit ihm in Geduld übte. "Leute, die arbeiten, haben ein Riesenproblem, bei solchen Tests", glaubt der Waidhauser und empfiehlt Reiserückkehrern daher: "Lasst euch bei eurem Hausarzt testen und nicht bei diesem Unternehmen, das die Testzentren in Bayern betreut." Das Ehepaar Müllner hatte sich bereits am Mittwoch für einen zweiten Coronatest zum Hausarzt begeben und hier tatsächlich binnen zwei Tagen das - negative - Ergebnis erhalten.

Söder hält Corona-Teststrategie für großen Erfolg

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält die umstrittene bayerische Corona-Teststrategie laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa) indes für einen großen Erfolg. "Das hat ja voll funktioniert", sagte er demnach gegenüber dem Nachrichtenportal "The Pioneer" über die Massentests für Reiserückkehrer an Flughäfen, Autobahnen und Bahnhöfen. 6000 positive Fälle seien so identifiziert worden. Zwar habe es immer wieder einmal Verzögerungen bei der Mitteilung der Testergebnisse gegeben, "aber insgesamt habe ich den Eindruck, dass gerade die bayerische Bevölkerung da schon sehr dankbar war, dass es diese Möglichkeiten gibt." Auch Wolfgang Müllner will nicht der Staatsregierung den "schwarzen Peter" zuschieben: "Es sollten hier nicht die zuständigen Minister oder der Ministerpräsident in Bayern verantwortlich gemacht werden, sondern die durchführenden Beamten, die solche Unternehmen beauftragen", findet er.

Vergeben hat den Auftrag für die Testreihen an den Flughäfen das LGL, das laut einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem BR in ständigem und engem Kontakt mit den Dienstleistern stehe und darüber hinaus auch unabhängig davon potenziellen Fehlerquellen nachgehe. Während das in Dubai ansässige Unternehmen die Abnahme der Tests sowie die Organisation der Testzentren übernimmt und dafür vor Ort mit Subunternehmern zusammenarbeitet, obliegt die Laboranalyse der Proben von den bayerischen Flughäfen dem weltweit tätigen Bioanalytik-Unternehmen Eurofins mit Sitz in Luxemburg.

Ursprünglich Militärdienstleister

Erst am Montag gab Ecolog, das seine Wurzeln in Militärdienstleistungen hat, die Inbetriebnahme eines Testzentrums in der belgischen Hauptstadt Brüssel bekannt. Wie es in der Pressemitteilung heißt, biete die Teststation "Reisenden einen einfachen Zugang, um direkt am Flughafen einen COVID-19 PCR-Test durchzuführen und die Ergebnisse innerhalb kürzester Zeit digital zu erhalten". Auch in Brüssel arbeitet Ecolog mit Eurofins zusammen.

Lasst euch bei eurem Hausarzt testen und nicht bei diesem Unternehmen, das die Testzentren in Bayern betreut.

Wolfgang Müllner aus Waidhaus

Wolfgang Müllner aus Waidhaus

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) findet, dass bei der Kritik an der Corona-Teststrategie in Bayern ein besonders hoher Maßstab angelegt wird

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