Drohnenpioniere aus der Oberpfalz testen über der Burgruine Waldeck

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Die Oberpfälzer Firma Globe-Flight ist spezialisiert auf Industrie-Drohnen. Einen Prototypen ließen sie nun die Burgruine in Waldeck überfliegen. Die gewonnenen Daten sollen in vielerlei Hinsicht weiterhelfen.

Tom Gradl und Anselm Dötterl beobachten die Flugbahnen der DJI.
von Roland WellenhöferProfil

Alexander von Humboldt gilt als einer der Pioniere der Landvermessung. 1792 kam er als junger Bergassessor ins Fichtelgebirge. Die einst mächtige Burg Waldeck war zu dieser Zeit bereits zerstört. Und zwei Jahre später vernichtete eine verheerende Feuersbrunst die Reste der riesigen Verteidigungsanlagen und den „alten“ Markt Waldeck, der damals noch am Südhang des Berges lag.

Ob der große Naturforscher von diesem Inferno etwas mitbekommen hat, ist nicht belegt. Zu seiner Zeit wurde die Landvermessung von Geodäten mithilfe von aufwändigen Winkelmessungen erstellt. Die neueste Technik war damals ein optisch-mechanischer Theodolit. Gute 230 Jahre später erfolgt die Vermessung digital und aus der Luft.

Anselm Dötterl und Tom Gradl arbeiten bei der Firma Globe-Flight in Regensburg, nach eigenen Angaben der größte Vertreiber für Industrie-Drohnen des Weltmarktführers DJI in Europa. Die Vermessung der Welt ist ihr Thema. Für ihre Kunden testen sie die neueste Technik. Bei Globe-Flight hat man früh das Potenzial von Drohnen in der Vermessungstechnik erkannt. Mit hochauflösenden Kamerasystemen werden heute ganze Landstriche aus der Luft digitalisiert. Dazu werden regelmäßig Testflüge mit Prototypen durchgeführt.

Der Erbendorfer Anselm Dötterl kam nun auf die Idee, eine neuentwickelte Kamera am Waldecker Schlossberg auszuprobieren. "Mit dem Schlossberg und der Ruine haben wir ideale Gegebenheiten, um die hohen Ansprüche an Drohne und Kamera zu testen", sagt er. Außerdem sei die Location wesentlich interessanter als irgendein Industriegebiet. Vom Heimat- und Kulturverein, von der Stadt Kemnath als Grundstückseigentümer und von der Denkmalschutzbehörde bekam er dafür schnell grünes Licht.

In exakter Flugbahn über dem Schloßberg

Vor einigen Tagen fand der Flug statt. Eingesetzt wurde dabei das neueste Kameramodell „P1“ mit einer Auflösung von 45 Megapixel, das speziell für solche Photogrammetrie-Flugeinsätze entwickelt wurde. Die Drohne vom Typ „M300“, an dem die Kamera adaptiert wird, könne eine Nutzlast von 2,7 Kilogramm tragen, erzählt Gradl. Er ist einer der Piloten dieses hochmodernen Multikopters. Neben der manuellen Steuerung vom Boden aus kann das Gerät auch definierte Flugrouten mit festgelegten Wegpunkten abfliegen. Und so schwebt das Fluggerät in rund 100 Metern Höhe über Grund in exakten Flugbahnen langsam über den Schlossberg.

Insgesamt sind fünf einzelnen Missionen notwendig. Als Referenzstation am Boden für das globale Satellitennavigationssystem dient eine mobile RKT-Station (Real Time Kinematic), womit noch präzisere Positionsdaten erreicht werden können. Während der 20 Minuten Flugzeit wurden 519 Einzelfotos angefertigt, aus denen später eine sogenannte Punktewolke und schließlich ein 3D-Modell errechnet wird. Die Rechenzeit kann dabei mehrere Stunden betragen.

Aus den gewonnenen Daten entwickeln die Spezialisten am Firmensitz in Barbing wertvolle Informationen für unterschiedliche geografische Fragestellungen. An der einstigen Festungsanlage in Waldeck könne man durch regelmäßige Wiederholungsflüge beispielsweise den Zustand des Mauerwerks festhalten und dabei eventuelle Veränderungen dokumentieren. Auch für zukünftige Restaurierungs- und Freilegungsarbeiten können die Daten eine wertvolle Grundlage sein.

Drohnen werden in vielen Bereichen eingesetzt

Die Möglichkeiten der Drohnentechnik sind sehr vielfältig und reichen von der klassischen Landvermessung bis hin zu Anwendungen in der Land- und Forstwirtschaft. Auch bei der Inspektion von Windrädern, Schornsteinen und anderen schwer zugängigen Gebilde werden heutzutage Drohnen eingesetzt. Bei Film- und Fernsehproduktionen sind die spektakulären Bilder der fliegenden Kameras nicht mehr wegzudenken und auch bei Behörden mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie Polizei und Feuerwehr sind Drohnen im tagtäglichen Einsatz. Doch die Drohnen-Experten sind bei der Erschließung neuer Einsatzgebiete längst nicht am Ende.

Kemnaths Bürgermeister Roman Schäffler ließ es sich nicht nehmen, bei der Befliegung und der Vorstellung des 3D-Modells dabei zu sein. Er zeigte sich, ebenso wie HUK-Vorsitzender Georg Wagner, begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten dieser neuen Technik. "Wir konnten alle Testflüge mit der neuen Technik erfolgreich abschließen. Die eingesetzte Drohne und die neue Kameratechnik haben sich dabei sehr bewährt", zog Dötterl ein positives Fazit. Alle gewonnenen Daten stelle man dem Heimat- und Kulturverein Waldeck, der Stadt Kemnath und der Denkmalschutzbehörde zur Verfügung. "Vielleicht kann unsere Vermessungstechnik einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Welt unserer Vorfahren besser zu verstehen und die Ruinen auf dem Schlossberg für die Nachwelt zu erhalten", meint Dötterl.

Hintergrund:

Globe-Flight

  • Globe-Flight entstand vor über 10 Jahren als Start-Up in Barbing bei Regensburg und hat sich bis heute zum größten Vertreiber für professionelle Drohnen des chinesischen Elektronik- und Technologieunternehmens DJI in Europa entwickelt.
  • Die Firma ist regelmäßig in Test-Flüge und Aufnahmen von Kamera-Prototypen eingebunden.
  • Mittlerweile 23 Mitarbeiter, ein eigenes deutschlandweites Vertriebsnetz, eine hauseigene Reparaturabteilung sowie ein zertifiziertes Schulungszentrum.

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