Monika Frischholz: Suche mit Schaufel und Spitzhacke

Der Presslufthammer rattert im Inneren des Schuppens, der direkt an die Kirche in Waldkirch grenzt. Am Montag reißt die Polizei den kompletten Betonboden heraus, gräbt auf einen Meter hinunter. Die Suche nach Monika Frischholz geht weiter.

von Christine Ascherl Kontakt Profil

Und wieder Waldkirch. Die inzwischen dritte Suchaktion in dem Ortsteil der Gemeinde Georgenberg (Landkreis Neustadt/WN) dauert den ganzen Tag an. Hier, in dieser Kirche, war die zwölfjährige Schülerin am Vormittag ihres Verschwindens zum Beten. Sie nahm mit ihrer Schulklasse an einer Bittprozession aus Flossenbürg teil. Ist sie am Nachmittag – wie auch immer – zurückgekehrt? Am Dienstag, 25. Mai 1976, um 15.30 Uhr verliert sich ihre Spur in Flossenbürg, am Ortsausgang in Richtung des fünf Kilometer entfernten Waldkirch.

Wieder ist die technische Einsatzeinheit der Bereitschaftspolizei aus Nürnberg mit ihren imposanten Baggern vor Ort. Wieder ist die Tatortgruppe des Bundeskriminalamtes Wiesbaden angereist. Insgesamt sind rund 20 Einsatzkräfte vor Ort. Die Suche läuft unter Regie der Ermittlungsgruppe „Froschau“ unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Armin Bock.

„Veränderung“ am Boden

Der Blick ins Innere der kleinen Scheune bleibt den Pressefotografen verwehrt: Stellwände verdecken die Sicht. Bereitschaftspolizisten schieben Schubkarre um Schubkarre vorbei. Erst tragen sie Betonbrocken ab. Die Betonschicht misst laut Beck rund 15 Zentimeter. Dann transportieren sie Erde ab. Zwischen den Einsatzkräften taucht immer mal wieder Karlheinz Grundler auf, Chef der Spurensicherung der Weidener Kriminalpolizei. Er macht Fotos von den Grabungsarbeiten und untersucht das auf Planen gekippte Material. Etwa einen Meter tief wird das komplette Erdreich entfernt, bis man auf harten, gewachsenen Boden stößt.

Laut Beck haben „Hinweise“ zu der Scheune geführt. Der Holzschuppen, etwa von der Größe einer Garage, befindet sich in Privatbesitz und soll dort schon vor dem Zweiten Weltkrieg gestanden haben. Die Besitzer hätten ihr Einverständnis zu den Grabungen gegeben. Der Betonboden in der Scheune weise im hinteren Bereich eine Veränderung auf, die „man sich nicht wirklich erklären kann, auch die jetzigen Besitzer nicht“. Die Oberfläche ist etwas anders beschaffen. Dort setzen die Einsatzkräfte als erstes den Meißel an. Wieder ist es das erklärte Ziel, den Leichnam des Mädchens zu finden.

Ergebnis gegen 16.30 Uhr: wieder nichts. Und obwohl der idyllische Ort wieder in die Schlagzeilen gerät, obwohl wieder Polizeiwagen die Ortsdurchfahrt blockieren: Die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber den Kriminalbeamten ist positiv. „Es wäre gut, wenn das ein für allemal geklärt würde“, sagt ein Anwohner. Die Polizei geht – wie schon bei den Ermittlungen in den 80er Jahren – von einem regionalen Täter aus.

Dank an Zeugen

Am Abend ist der Spuk vorbei. Vogelgezwitscher statt Presslufthammer. Und nun? Noch immer sind nicht alle 80 Hinweise abgearbeitet, die seit Beginn der Ermittlungen eingegangen sind. Ermittlungsleiter Bock: „Wir bedanken uns bei allen Zeugen, die uns bislang unterstützt haben. Wir werden sämtliche Hinweise bis ins kleinste Detail untersuchen.“

Seit Dezember 2018 untersucht die „EG Froschau“ der Kriminalpolizeiinspektion Weiden die Umstände zum Verschwinden und dem möglichen Tod der seit 43 Jahren in Flossenbürg abgängigen 12-jährigen Monika Frischholz. Die Ermittler gehen weiterhin von einem Mordfall aus. Heute überprüfen sie einen weiteren möglichen Ablageort der Leiche in Waldkirch, heißt es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums.

Vor zwei Tagen jährte sich das Verschwinden von Monika Frischholz zum 43. Mal. Seit dem 25. Mai 1976, etwa 15.30 Uhr, gilt die damals 12-jährige Monika Frischholz als vermisst. Sie wurde am Ortsausgang ihres Heimatorts Flossenbürg zum letzten Mal lebend gesehen. Die Ermittlungsgruppe Froschau um den Leiter Kriminalhauptkommissar Armin Bock ist seit Dezember 2018 unaufhörlich auf der Suche nach Hinweisen zum Verbleib des Mädchens. Über 80 wertvolle Hinweise aus der Bevölkerung sind bislang eingegangen. Viele von ihnen sind abgearbeitet, manche bedürfen noch weiterer Ermittlungen.

Aus den gewonnen Erkenntnissen ergaben sich bislang zwei Suchaktionen. Mitte April fanden Grabungen an einem Waldstück nahe der kleinen Ortschaft Waldkirch statt. Außerdem suchten kürzlich Polizeitaucher in einem Weiher in einem ehemaligen Steinbruch nördlich dieses Ortes. Bisher verlief die Suche nach Monika Frischholz jedoch ohne Erfolg. Doch so konnte die Polizei diese Orte als Ablageorte ausschließen. "Nähere Erläuterungen der Erkenntnisse, welche zur Grabung an diesem Ort geführt haben, können mit Blick auf das laufende Verfahren nicht gegeben werden", heißt es in der Polizeimeldung.

Video zur ersten Suchaktion: Grabung bei Waldkirch

Kriminalhauptkommissar Armin Bock, Leiter der Ermittlungsgruppe Froschau: „Das Verschwinden von Monika Frischholz liegt nun 43 Jahre zurück. Wir werden dennoch nichts unversucht lassen, den Fall trotzdem noch aufzuklären. Mord verjährt nie. Wir werden sämtliche Hinweise bis ins kleinste Detail untersuchen. Wir wollen nach dem Abschluss unserer Arbeit keine Fragezeichen mehr hinterlassen. Wir bedanken uns bereits jetzt bei den vielen Zeugen, die unsere Arbeit bislang unterstützt haben und sollte sich jemand noch nicht gemeldet haben: Wir nehmen weiterhin jeden Hinweis entgegen.“

Video zur zweiten Suchaktion in einem ehemaligen Steinbruch
Polizei bittet weiterhin um Hinweise:

Die vom Bayerischen Landeskriminalamt ausgesetzte Belohnung für Mitteilungen, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen, in Höhe von 10.000 Euro soll nach wie vor motivieren, Informationen an die Polizei weiter zu geben. Die Belohnung wird nur unter Ausschluss des Rechtsweges zuerkannt und verteilt. Sie ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Beamte, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört, bestimmt. Zeugen, die sich bis jetzt noch nicht gemeldet haben, werden um sachdienliche Hinweise zur Aufklärung des Mordes unter der Rufnummer 0961/401-291 gebeten. Jeglicher noch so kleine Hinweis kann weiterhin für die Ermittler von großer Bedeutung sein.

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