Bernhard Setzwein: Autor hat Corona eine lange Nase gedreht

Den ersten Anlauf, seinen neuesten Erinnerungsband vorzustellen, hat die Zwangspause ausgebremst. Aus dieser Misere hat Bernhard Setzwein eine „Corona-Kasperliade“ gemacht. Jetzt aber ist er wieder mit "Das gelbe Tagwerk" unterwegs.

Schriftsteller Bernhard Setzwein.
von Anke SchäferProfil

Es war so schön geplant: Rechtzeitig vor dem 60. Geburtstag im April hatten Bernhard Setzweins literarische Erinnerungen der Jahre 2009 bis 2019 die Druckerei verlassen, die Präsentationstermine reihten sich im Kalender des Schriftstellers. Aber es kam bekanntermaßen anders. Vor den Lesungen in Vohenstrauß und Sulzbach-Rosenberg berichtet Bernhard Setzwein im Interview, wie er die schwierigen letzten Monate erlebt hat und warum er es vielleicht doch mit den fahrenden Sängern des Mittelalters halten sollte.

ONETZ: Herr Setzwein, bei unserem letzten Interview im März hatte Ihnen der Corona-Lockdown gerade einen dicken Strich durch Lesungs- und Geburtstagspläne gemacht. Hat sich zwischenzeitlich alles wieder ein bisschen zum Besseren gewendet?

Bernhard Setzwein: Ein wenig. Es gab jetzt im Sommer die ein oder andere Lesung unter freiem Himmel. Die waren auch sehr gut besucht, was natürlich beweist, wie sehr die Leute nach etwas Kulturellem lechzen. Einige haben mir das auch ganz explizit so gesagt. Aber auch von meiner Seite her war es natürlich toll, wieder Publikum vor mir zu haben. Nichtsdestotrotz: Wir sehen ja, wie sich die Lage nun, mit Beginn des Herbstes, wieder massiv verschlechtert und ich sehe mit großer Sorge, muss ich sagen, auf die weitere Entwicklung. Ich bekomme ja mit, wie die Veranstalter jetzt schon ächzen. Das, was sie jetzt den Sommer über gemacht haben, diente doch, wenn wir ehrlich sind, vor allem dazu, auf der Bildfläche zu bleiben. Gerechnet hat sich das wahrscheinlich in den seltensten Fällen. Man wollte halt den Kopf über der Wasserlinie behalten. Ich befürchte, manchem wird er jetzt noch mal unter Wasser gedrückt werden.

ONETZ: Seit Beginn der Pandemie hat die Politik immer wieder den Stellenwert der Kultur betont. Haben Sie die Taten, die den schönen Worten folgten, als ausreichend empfunden?

Bernhard Setzwein: Leider nein. Vor allem was uns freiberufliche Autoren angeht, habe ich den Eindruck, dass man in den Ministerien nicht die allergeringste Ahnung hat, wie eine solche Existenz ausschaut. Da wurden „Hilfen“ gewährt, die ausschließlich zur Deckung reiner Betriebsausgaben verwendet werden dürfen und ausdrücklich nicht zur Kompensation ausgefallener Honorare. Ich beschäftige aber weder einen Privat-Chauffeur, der mich zu den Lesungen bringt, noch habe ich ein ausgelagertes Penthouse-Schreibbüro, das ich mit einer entsprechenden Miete ausweisen könnte. Nicht einmal meine Beiträge für die Künstlersozialkasse hätte ich von diesen Mitteln bestreiten dürfen. Was soll das also? Statt Hilfe gab es eine große Verunsicherung. Als ob wir von letzterer nicht schon genug hätten.

ONETZ: Momentan schießen die Infektionszahlen in alarmierende Höhen – haben Sie Sorge, dass es mit Kulturveranstaltungen im allgemeinen und Lesungen im Besonderen bald wieder vorbei ist?

Bernhard Setzwein: Die Veranstalter sind kreativ, lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen. Ich hatte zwei Lesungen in großen, schönen Kirchenräumen. Ich habe ja lange schon die Vorstellung, dass ich wieder wie ein fahrender Sänger des Mittelalters werden muss. Die sind ja auch auf eisig-kalten Burgen aufgetreten.

ONETZ: Wenn alles gut geht, stellen Sie Ihr „Gelbes Tagwerk“ am 29. Oktober auf Einladung des Literaturhauses Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg vor. Ist es für Sie ein besonderer Moment, dorthin zurückzukehren, wo bereits der Teilvorlass Ihres Gesamtwerkes zu Hause ist?

Bernhard Setzwein: Ja, auf alle Fälle. Vom Literaturarchiv und den Mitarbeiterinnen dort habe ich mich immer sehr unterstützt gefühlt, jetzt schon über viele Jahre hinweg. Ich habe mich außerordentlich über die Einladung gefreut.

ONETZ: Im März wollten Sie aus Verzweiflung ein Kasperltheater zum „Corona-Viruserl“ schreiben. Jetzt vielleicht doch lieber eine „Tagwerk“-Fortsetzung oder etwas ganz anderes?

Bernhard Setzwein: Ich verrate Ihnen etwas: Das Puppentheaterstück, die Corona-Kasperliade, ist fast fertig. Eine Marionettenbühne, eine sehr traditionsreiche, in München haben wir auch schon gefunden, die das Ganze aufführen möchte. Wir müssen einfach weiter machen. Das „Tagwerk“ schreibe ich sowieso weiter. Es gilt der alte Spruch vom Herbert Achternbusch: Du hast keine Chance, aber nutze sie.

Info:

Buch und Lesungen

Das Buch "Das gelbe Tagwerk - Alltagsflusen und Sternenstaub", 304 Seiten, Klappenbroschur, ist in der edition lichtung erschienen und kostet 21,90 Euro.

Am Sonntag, 25. Oktober liest Bernhard Setzwein auf Einladung des Landestheaters Oberpfalz um 18 Uhr in der Stadthalle Vohenstrauß. Tickets unter Telefon 09659/93100 oder www.nt-ticket.de.

Am Donnerstag, 29. Oktober um 19.30 Uhr ist Bernhard Setzwein auf Einladung des Literaturhauses Oberpfalz im Capitol in Sulzbach-Rosenberg zu Gast. Tickets unter Telefon 09661/8159590 oder info[at]literaturarchiv[dot]de.

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