16.04.2019 - 17:31 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Berührende Passionsmusik mit musikalischen Finessen

Stiftsbasilika Waldsassen: Konzertauftakt mit Sopranistin Julia Arsentjeva und dem Mozart-Quartett Salzburg

Beeindruckten in der Basilika Waldsassen mit intensiver Nachdenklichkeit: Sopranistin Julia Arsentjeva (Mitte) und das Mozart-Quartett.
von Redaktion ONETZProfil

Geschick haben die Organisatoren bei der Programmauswahl des Passionskonzertes am Palmsonntag in der Stiftsbasilika Waldsassen bewiesen: Die kippende Stimmung von Palmsonntagsjubel zur Karfreitagstrauer hin wurde nachhaltig in der Musik abgebildet.

Das exzellent disponierte Salzburger Mozart-Quartett (Daniela Beer und Florian Beer, Violine; Dorothea Galler, Viola, Matthias Michael Beckmann, Violoncello) leitet mit dem harmonischen Präludium von Wolfgang Amadeus Mozart, Adagio und Fuge (KV 456) in c-Moll, ein. Mozart hat in diesem Satzpaar die ursprüngliche Fuge für zwei Klaviere in c-Moll (KV 426) für Streicher bearbeitet und eine Adagio-Einleitung vorangestellt, die an eine französische Ouvertüre erinnert. Die Fuge beginnt mit dem Thema im Bass und wird dann jeweils an die nächst höhere Stimme weitergegeben. Mozart führt hier Pathos, Sehnsucht und Regelwerk so zusammen, dass eine gewisse Dissonanz aufkommt.

Während der Einstieg mit Mozart noch etwas von der euphorischen Begrüßung Jesu beim Einzug in Jerusalem nachklingen lässt, kommt die Schwermut der angebrochenen Karwoche in Joseph Haydns Introduzione aus "Die sieben letzten Worte Jesu Christi" in d-Moll (Opus 51) in dem kurzen Satz "Largo e cantabile" mit all seiner dunklen Kraft deutlicher zum Vorschein. Haydn hat das "instrumentale Oratorium" 1787 für die Karfreitagsandacht in Cádiz geschrieben.

Es liegt in der Natur der ergreifenden, ja erschütternden Ereignisse der Passion, dass sie Künstler zu allen Zeiten beschäftigt hat. Die gregorianische Choralmelodie zu dem mittelalterlichen Gedicht "Stabat Mater", das in jeder Hinsicht als Höhepunkt in der Waldsassener Stiftsbasilika bezeichnet werden darf, wurde von Josquin des Prez und Palestrina schon im 15. beziehungsweise 16. Jahrhundert polyphon vertont.

Unterschiedliche Anlässe führten die Komponisten zu jeweils persönlichen Akzentsetzungen, die vorwiegend von der Thematik "Trost, Leid, Klage" geprägt waren. Ganz anders gestaltet es die nahezu intim zu nennende Musiksprache des italienischen Komponisten und Cellovirtuosen Luigi Boccherini. Das im Text eher aufwühlende Gedicht über die Schmerzen der Mutter Jesu bei der Kreuzigung ihres Sohnes berührt in seiner Komposition als kontemplatives Lied verinnerlichter geistlicher Poesie.

Das Salzburger Mozart-Quartett wählt die erste Fassung Boccherinis von 1781 in f-Moll. Diese elfstrophige Version besteht aus einer Sopranstimme und einem Streichquintett. In Waldsassen glänzt die in Salzburg heimische russische Sopranistin Julia Arsentjeva mit ihrem lyrischen Sopran. Das Quartett wird erweitert durch den stets präsenten Kontrabassisten Hermann Heinrich, Musiklehrer am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth, der sich gut einfügt.

Aus österlich geprägtem Eindruck ist dieses Werk komponiert und aus eben dieser Überzeugung von der Sängerin und den Streichern mit vollem Engagement musiziert, so dass die kammermusikalischen Finessen sowie die unglaubliche Virtuosität und Kreativität der musikalischen Varietät eine sensible Stimmung erzeugt, die als selten zu hörende Alternative zum bekannteren "Stabat Mater" von Pergolesi überzeugt. In einem geglückten Miteinander verbinden sich die vor allem in der Höhe strahlende Stimme und die zarten Streicherklänge durchsichtig und farbig. Das reicht von dunkel im Grave über bewegt im Allegro, erzählend im Recitativo bis zu piano beim Allegretto. Es wird lebhaft heftig im Allegro vivo und getragen nachdenklich im Larghetto oder Allegro commodo. Wenn im sechsten Teil "Eja mater, fons amoris" ("Mutter, Quell der Liebe") Cello und Bass eine warme einschmeichelnde Sequenz spielen, verschmilzt der Klang mit der Sopranstimme.

Jedes Streichersolo ordnet sich mit gutem Gespür für organische Tempi in den weichen Gesamtklang ein. Auf diese Weise bringen die Künstler die intendierte subtile Innigkeit Boccherinis nahezu vollkommend zur Geltung und beeindrucken die Zuhörer mit intensiver Nachdenklichkeit beim "Quando corpus morietur" ("Deckt des Grabes düstre Höhle") vor dem Amen für die Karwoche.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.