22.07.2020 - 18:11 Uhr
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Kommentar zum Paneuropa-Eklat in Cheb: Dünnes deutsch-tschechisches Eis

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Es ist ein tschechisches Trauma: Die Hakenkreuzfahne über tschechischen Marktplätzen. Jürgen Herda kommentiert den Shitstorm, den eine Fahne der Paneuropa-Union in Cheb auslöste.

Vor 75 Jahren wurden die Deutschen aus der Tschchoslowakei vertrieben: In Prag internierte Sudetendeutsche - darunter ein Mann, dessen Mantel mit einem weißen Hakenkreuz beschmiert wurde - warten auf ihre Deportation.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Kein Zweifel: Die Paneuropa-Union meint es gut mit Europa. Und in diesem Sinne auch mit Tschechien. Die Fahnengänger Bernd Posselts sind alles andere als sudetendeutsche Revanchisten. Deren Präsident hält es da ganz mit Otto von Habsburg, der Nationalismus als „schwere politische Geisteskrankheit“ geißelt.

Dennoch sollte die Organisation, die der japanisch-österreichische Schriftsteller, Philosoph und Politiker Graf Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi 1925 gründete, nicht vergessen: Der einfache Bürger differenziert nirgendwo in Europa so fein wie die akademische Elite. Und wenn deutsche Fahnen auf tschechischen Markplätzen wehen, weckt das nun mal keine allzu guten Erinnerungen, auch wenn diese für noch so hehre Ziele geschwenkt werden.

Dazu kommt, dass die Rechtspopulisten aller Länder sich entzückt die Hände reiben, wenn man ihnen Steilvorlagen liefert, die alte Klischees bedienen. Und da sind sich Politiker wie Orban, Kaczyński oder Zeman nicht zu fein, die Hakenkreuz-Karte auszuspielen, seien sie selbst noch so rassistische Antieuropäer.

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