01.12.2019 - 00:01 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Im kostbarsten Raum des Stifts

Äbtissin Laetitia Fech nennt die Stiftsbibliothek den "kostbarsten Raum, seit Waldsassen ein Frauenkloster ist". Für uns öffnet sie die Tür zu diesem Kleinod im äußersten Norden der Oberpfalz.

Äbtissin Laetitia öffnet die Türen zur Stiftsbibliothek in Waldsassen.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

25 Jahre lebt Laetitia Fech im Kloster Waldsassen, 24 Jahre ist sie Äbtissin. Doch die berühmte Stiftsbibliothek erlebt auch sie immer wieder neu: "Das ändert sich mit dem Lichteinfall, mit der Jahreszeit. Wenn es neblig und kalt ist, wirken die Figuren fast gespenstisch, im Frühling und Sommer im Abendlicht wirkt dagegen alles ganz warm."

Was stets gleich bleibt, sei ihre Wertschätzung für die Kunstfertigkeit der Erbauer: "Ich habe großen Respekt vor dem, was unsere Vorfahren da geschaffen haben, ganz ohne Computer und moderne Technik."

Besonders faszinierend findet die Äbtissin die lebensgroßen Skulpturen des Waldsassener Holzbildhauers Karl Stilp. "Die Figur des Stolzes hat sogar eine besondere dreidimensionale Wirkung." Die Bibliothek hat, wie auch das Kloster, eine durchaus bewegte Geschichte. Im Zuge der Säkularisierung verließen Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur die Mönche Waldsassen.

Auch die gut 19 000 Bücher der Stiftsbibliothek wurden fortgeschafft. 1864 kehrten die Zisterzienser als Frauenorden zurück. Seit wenigstens 150 Jahren sei das Kloster Waldsassen nun wieder ein Ort der Kontinuität, betont die Äbtissin. "Die Leute wissen: Das Kloster ist da."

Seit 1965 füllen 2000 Bücher aus verschiedenen bayerischen Klöstern, eine Dauerleihgabe der Staatsbibliothek Amberg, die kunstvoll gestalteten Regale. Äbtissin Laetitia Fech zeigt eines ihrer Lieblingsbücher aus dem 17. Jahrhundert. "Es trägt noch den Original-Stempel aus dem Barock."

Besucher sollten von einer Führung durch die Stiftsbibliothek vor allem auch "die Wertschätzung gegenüber dem Buch mitnehmen", wünscht sich Laetitia Fech. "All unser Wissen stammt ja ursprünglich aus Büchern. Ein Buch war etwas sehr Wertvolles."

Den wenigsten Menschen sei außerdem heute noch bewusst, dass Mönche und Schwestern einst die Kultur ins Land gebracht hätten.

Im Advent gönnen sich die Schwestern nun allerdings etwas Ruhe. "Die Bibliothek geht sozusagen mit uns in die staade Zeit." Vom 8. bis zum 24. Dezember gibt es keine Führungen. "Der Advent ist für uns eine Zeit der Erwartung. Auch die Menschen, die zu uns kommen, sollen spüren, dass es mehr gibt als nur Konsum und Profit."

Besonders die ältesten Bücher aus der Barockzeit haben es der Äbtissin angetan. Dieses stammt aus Waldsassen selbst.
Info:

Macht hoch die Tür ...

24 Tage, 24 Türchen: Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend öffnen wir täglich nicht nur ein Türchen, sondern gleich eine komplette Tür. Menschen aus der Region gewähren dann Einblick in ein "Reich", das ansonsten verschlossen ist. Hinter den Türen verbergen sich Bilder und Geschichten aus der gesamte Oberpfalz.

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