10.01.2020 - 14:41 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

„Orient-Jazz“ mit viel Melancholie

2015 gründete Harry Alt das „Harrycane Orchestra“ mit dem Ziel, orientalische Musik und Jazz durch eigene Kompositionen zu vereinen. Dabei versucht er westliche Improvisation mit östlicher Melodik zu verbinden. Ein gewagter Schritt.

Die „Harrycane Orchestra“-Musiker um den Augsburger Schlagzeuger Harry Alt (zweiter von links) überzeugen mit ihrem Mix aus arabischer Melodik und westlichem Modern Jazz.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Orientalisch, arabisch, jazzig – es wird auf eine vielfältige Weise musikalisch im Kunsthaus Waldsassen und in Gemeindestadl Etzlwang. Zu Gast ist das „Harrycane Orchestra“ mit einer ganz außergewöhnlichen Performance. Die Kulturredaktion hat sich im Vorfeld mit Bandleader und Komponist Harry Alt unterhalten.

ONETZ: „Harrycane Orchestra“ – wie kam es eigentlich zu dem Namen?

Harry Alt: Das ist eine Mischung aus einem Spitznamen und einem ganz alten Wunsch von mir. Ein Freund hat mich früher immer Harrycane genannt. Ich habe schon immer von einem kleinen Orchester geträumt, in welchem man seine eigene Musik verwirklichen kann. Als es dann immer konkreter mit der Formation losging, musste das Ding einfach „Harrycane Orchestra“ heißen. Und ein Bisschen musikalischer Wirbelsturm ist auch mit dabei.

ONETZ: Stimmt es, dass in gewisser Weise Facebook „Geburtshelfer“ für Eure Gruppe war?

Harry Alt: Ich will es mal neutral halten und gebe zu, dass die sozialen Medien schon sehr wichtig waren beim Zusammenbringen der Musiker. Mit Tarkan (Yesil, Sänger der Gruppe) hatte ich viel Austausch im Netz bevor es mit Proben losging.

ONETZ: Ich würde Euren Musik-Stil als „Orient-Jazz“ mit viel Melancholie bezeichnen. Aber gibt es diesen Jazz überhaupt? Oder wie charakterisiert Ihr selbst Eure Musik?

Harry Alt: Diese Bezeichnung klingt doch sehr treffend. Die erste Tour war unter dem Motto „ArabicJazzAffair“. Das beschreibt in etwa dasselbe: Weltmusik mit türkischem Gesang und Raum für Improvisation. Wir haben sicherlich nicht das Rad ganz neu erfunden, aber in der Tat ist es etwas, dass ich selten antreffe. Es ist schon sehr außergewöhnlich.

ONETZ: Musik kann zwischen verschiedenen Kulturen vermitteln. Seht Ihr Euch in diesem Kontext als „Brückenbauer“?

Harry Alt: Brücken muss man ja erst bauen, wenn schon tiefe Gräben da sind. Beim Musikmachen zählt nur der Mensch und Musiker. Da muss man keine Brücken bauen, sondern einfach das Ding zum Grooven kriegen. Man muss da auch nicht vermitteln, sondern sich einfach an der Entstehung neuer Musik freuen. Viele Menschen fürchten sich vor zu starkem Einfluss anderer Kulturen. Das ist mir unbegreiflich. Ich sehe da in erster Linie die Bereicherung und die Chance zu wachsen.

ONETZ: Mit Tarkan Yesil habt Ihr einen Sänger an Bord, der aus der nördlichen Oberpfalz stammt. Euer Auftritt in Waldsassen ist also auch ein „kleines“ Heimspiel…

Harry Alt: Für Tarkan definitiv. Er freut sich riesig, am Ort seiner Kindheit mit dieser Gruppe aufzutreten. Da braucht der Rest der Band dann Kulturvermittlung. Aber im Ernst: Wir freuen uns alle auf unser Konzert in Waldsassen

Hintergrund:

Die Liebe zur orientalischen Melodieführung, die Faszination für arabische Rhythmik sowie die Leidenschaft für Improvisation bilden die Basis der Kompositionen, die Schlagzeuger/Komponist Harry Alt speziell für dieses Ensemble geschrieben hat. Das klingt oftmals fast volksliedhaft, im nächsten Moment eher weltmusikalisch nach Arabic-Jazz. Mal bestimmt der türkische Gesang von Tarkan Yesil, mal die pure Imrovisationsfreude aller beteiligten Musiker das Geschehen. Strenge Kompositionen stehen freier Gestaltung gegenüber,ergänzen sich oder lösen sich ineinander auf. Die verwendeten musikalischen Stilistiken verfolgen meist das Ziel einer hypnotisch-anmutenden Klangstruktur.

Für das Mini-Orchester konnte er Tarkan Yesil (Gesang/Riq), Joe T. Aykut (Cümbüc), Giuseppe Puzzo (Bass), David Kremer (Klavier) sowie Kay Fischer (Saxophon/Klarinette/Flöte) gewinnen.

Service:

- Donnerstag, 16. Januar (19.30 Uhr): Gemeindestadel, Hauptstraße 24, 92268 Etzelwang

- Samstag, 18. Januar (19.30 Uhr): Kunsthaus, Kunstgasse 1, 95652 Waldsassen

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0, wwwnt-ticket.de und Abendkasse

Der Sänger Tarkan Yesil stammt aus der Oberpfalz: Er wurde 1979 in Tirschenreuth geboren, ging dort auf die Grundschule und besuchte später die Knabenrealschule in Waldsassen.
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