02.12.2018 - 16:23 Uhr
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Weihnachtlicher Blechbläserglanz in der Basilika Waldsassen

Advent und Weihnachten, das Singen und Musizieren gehören zusammen. Es sind nicht allein die weihnachtlichen Kantaten und Oratorien, sondern auch die Instrumentalmusiken alter Meister, die uns in dieser Zeit auf Weihnachten einstimmen.

Das virtuos glänzende Blechbläserensemble unter Leitung von Ludwig Güttler begeisterte bei zwei ausverkauften Konzerten in der strahlenden Basilika Waldsassen.
von Redaktion ONETZProfil

Einige Instrumentalwerke boten in der Basilika Waldsassen in ihrer festlichen Besetzungsvielfalt meisterhaft Ludwig Güttler und sein Blechbläserensemble dar. Güttler hatte für seine „Dresdner Bläserweihnacht“ führende Solisten von Dresdner und Leipziger Orchestern gewonnen, um lebhaften Bläserglanz in die renovierte Basilika zu bringen.

Fünf Musiker spielten auf Trompeten, strahlenden Piccolotrompeten, hornartig sanft klingenden Corni da Caccia. Die gesamte Posaunenfamilie mit Alt-, Tenor- und Bassposaune erklang majestätisch, unterstützt vom flexiblen Klang des Waldhornes, auf der Basis der sonoren Tuba mit singender Höhe. Zum fürstlichen Stand der Trompeter gehörten im Mittelalter die Paukisten. Zwei Barockpauken wurden in einigen Werken verwendet, die den festlichen Eindruck in der strahlenden großen Kirche vertieften.

Adventliche Themen

Nach dem fulminanten Beginn, der Suite in C-Dur für zwei Blechbläserchöre und Pauken von Johann H. Schmelzer, präsentierten die Bläser die zu einer Partita zusammengestellte Kompositionen für den Advent mit dem Thema „Wie soll ich dich empfangen“ . Der Intrada von Otto Valerius folgten fünf ergreifende Variationen über „Tochter Zion“, eine „Allemanda“ von Antonio Vivaldi und der Choral „Wie soll ich dich empfangen“ von Johann Crüger. In der zweiten Strophe jubilierten zusätzlich zwei hohe Trompeten und Pauken.

Einen Höhepunkt setzten die Bläser mit dem überaus abwechslungsreich gestalteten Konzert in D-Dur in unterschiedlichster Besetzung. Hier blitzte die Virtuosität der Solobläser auf. Für den „Canzon Nr. 30“ von Orindio Bartolini wurde die Aufstellung des Ensembles verändert. Zwei gegenüberstehend positionierte Blechbläserchöre bliesen sich die Motive abwechselnd zu und vereinigten sich im Schlussteil, so wie es in der Renaissance im Markusdom in Venedig erstmals praktiziert wurde.

Weihnachtliches

Für weihnachtliche Einstimmung sorgte die Partita über „Es ist ein Ros entsprungen" mit einer Sinfonia für Solotrompete und vier Posaunen und dem allseits bekannten Choral „Es ist ein Ros entsprungen“ des die Bläsermusilk entscheidend beeinflussenden Komponisten Michael Praetorius. Etwa zur gleichen Zeit entstand der Kanon über dieses Thema von Melchior Vulpius, den vier Posaunen würdevoll zelebrierten. Vier samtig gespielte Corni da Caccia, das sich klanglich hervorragend einpassende Waldhorn, vier heller klingende Posaunen und das sorgfältige Bassfundament der Tuba sorgten für interessante klangliche Variationen in der Paduane des Briten William Brade.

Weihnachtsfreude

In venezianischer Mehrchörigkeit mit Aufstellung in getrennten Bläserchören erklang Giovanni Gabrielis „Canzona IX“ im stolzen Blechbläsersound und stellte wiederum einen Höhepunkt des Konzertes dar. Klangliche Vielfalt bewies danach das Ensemble in der neunstimmigen Motette von Michael Praetorius. Die kurze Sonata für zwei Pauken eines unbekannten Komponisten erfüllte den Kirchenraum mit einem Teil in aufrüttelndem Rhythmus und einem tänzerisch pulsierendem Part. Christian Langer spielte die historischen Pauken stilgerecht mit Holzschlägeln. Das Paukensolo führte in die Freude des Chorals „Fröhlich soll mein Herze springen“ von Johann Crüger über. In der zweiten Strophe komplettierte der Paukist das Ensemble, und zwei hohe Trompeten überspielten den Choral.

Weihnachtliche Hirtenweisen

Die Partita über „Kommet ihr Hirten“ umfasste Hirtenweisen. Dem Quempas für vier Blechbläserchöre „Dem die Hirten lobeten sehre“ von Michael Praetorius folgte „Kommet ihr Hirten“ für vier Blechbläserchöre, diesmal mit Pauken. Dass viele Hirten auch viele Geräusche erzeugen, bewies in diesem Konzertteil die in venezianischer Aufstellung dargebotene Canzona Nr. 31 von Bastian Chilese mit zwei Blechbläserchören „in Echo“.

In diesem Konzertteil wurden laufend die Aufstellungen der Musiker verändert. Einmal bliesen sie sich gegenüber zu, bei einer weiteren Veränderung wanderten zwei Posaunisten und zwei Trompeter vom Raum des Hochaltars vor zum Volksaltar. Auch diese räumliche Entfernung meisterten die erfahrenen Bläser mit großer Präzision und verbreiterten geschickt die Klangebenen.

Der Choral wurde interpretiert in Fassungen von Johann S. Bach und Johannes Eccard. Mit einer vorangestellten Canzona für Blechbläser und Pauken wurde eingeführt in die Thematik. Es folgte eine erhebend interpretierte Choralbearbeitung für Trompete, Waldhorn und Posaune, gipfelnd in einer krönenden Choralcanzona für zwei Blechbläserensembles und Pauken von Michael Praetorius.

Bewundernswert bewältigt

Trompeten konnten – mangels der noch nicht erfundenen Ventile – in der Renaissance- und Barockzeit noch nicht alle Töne erzeugen. In vielen seiner Werke verwendete Praetorius deshalb die wendigen Zinken aus Holz, die mit Mundstücken geblasen wurden, die an heutige Trompetenmundstücke erinnern. Dadurch konnte das virtuose Tempo in den Sechzehntelläufen verwirklicht werden, die Güttler mit seinen vorzüglichen Bläsern mit der heutigen Blastechnik und den entsprechenden modernen Instrumenten bewundernswert bewältigte.

Güttler ist in der sächsisch-erzgebirgischen Bläsertradition aufgewachsen, die auch den Klang des gesamten Ensembles prägt. Es ging ihm im Konzert um eine geradezu orgelmäßige Disposition und um präzise Intonation. Die Oberstimmen hatten keine vordergründige Penetranz, die Bässe eine tragende Substanz, ohne überbetont zu sein. Eine Besonderheit der variablen Großbesetzung stellte der ständige Wechsel auf Instrumente unterschiedlicher Mensuren dar. Ferner trug die Verwendung des selten zu hörenden Corno da Caccia, einer Art Diskanthorn, zur besonderen Farbigkeit des Ensembles bei. Güttler hat in den letzten Jahrzehnten Grundlagen für die Wiederbelebung dieses nahezu in Vergessenheit geratenen Instruments gelegt.

Bei der Zugabe des bekannten „Trumpet voluntary“ von Jermiah Clarke (ursprünglich Henry Purcell zugeschrieben) gipfelte die Virtuosität in strahlendem Glanz, vermittelten vertraute gesungene – nicht geblasene – Weihnachtslieder wärmende Stimmung. Eines der Lieder wurde von den Bläsern nur mit Horn und Tuba begleitet gesungen, eines erklang ganz a cappella. Bei dem erhebenden Klang des Männerchores überzeugte der Ensembleleiter mit seiner sonoren – trotz seines nicht mehr ganz jugendlichen Alters – sicheren, hohen Tenorstimme.

In der vollbesetzten Basilika entsendeten die Zuhörer das Ensemble und seinen Leiter – jetzt auch Vorsitzender des neu gegründeten Förderkreises für Kirchenmusik der Basilika Waldsassen – mit intensivem und lang anhaltendem Applaus auf weitere Weihnachtskonzerte im In- und Ausland.

Das virtuos glänzende Blechbläserensemble unter Leitung von Ludwig Güttler begeisterte bei zwei ausverkauften Konzerten in der strahlenden Basilika Waldsassen.

Das virtuos glänzende Blechbläserensemble unter Leitung von Ludwig Güttler begeisterte bei zwei ausverkauften Konzerten in der strahlenden Basilika Waldsassen.

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