10.12.2018 - 16:50 Uhr
WaldsassenDeutschland & Welt

Weihnachtsmusik überlegen gestaltet

Weihnachten mit Gesang und instrumentaler Musik gehören zusammen. In zwei festlichen Konzerten erstrahlt in der Basilika Waldsassen Händels Hauptwerk "The Messiah" unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter.

Weihnachtsgeschichte in barocker Musik erzählen eindrucksvoll ein Gesangsensemble erlesener Berufssänger und das brillant musizierenden Kammerorchester der Basilika Waldsassen unter Andreas Sagstetter.
von Redaktion ONETZProfil

Ein Schlaganfall zwang Georg F. Händel zu einem längeren Kuraufenthalt, von dem er nahezu vollständig wiederhergestellt zurückkehrte. Er hatte nun die Kraft, sein bedeutendstes Werk, das Oratorium "Messiah" in nur 23 Tagen zu komponieren. Die Uraufführung der Großkomposition fand 1742 in Dublin statt. Mit einem vorzüglichen 13 köpfigen Ensemble ausgewählter Sänger, die auch die Soloparts übernehmen, wird dieses Werk aufgeführt - feinsinnig begleitet vom Kammerorchester der Basilikakonzerte. Das vorzügliche Orchester offenbart gleich zu Beginn seine Kompetenz in Sachen feinsinniger Gestaltung der barocken Literatur.

Gleich einem alttestamentarischen Propheten kündigt der Tenorsolist Klaus Steppberger das Kommen des Gottessohnes mit dem Rezitativ "Tröste Dich mein Volk" und der Arie "Alle Tale" an. Der erste Chor mit der mit voller runder Altstimme vorsingenden Anna Mabremina zeigt die schlichte Eindringlichkeit Händelschen Chorstiles. Danach singt Bernhard Springler als überzeugender Baßsolist mit sonorer Stimme vom bevorstehenden welterschütternden Ereignis mit bewegender Orchesterbegleitung.

In strahlendes Licht

Wunderbar gestalten Altsolistin Martina Koppelstetter und der Chor die Verkündigungsszene und Bassist Martin Burgmair zeigt auf, dass sich die Finsternis der Erde in strahlendes Licht verwandeln wird, von Händel mit lautmalerischem Instrumentalsatz, oft in berührendem Piano, unterlegt. "Denn es ist uns ein Kind geboren" singt der Chor in einer Fuge verdichtend, überaus locker.

Genauso bewegt malt das Orchester Flügel der Engel in Sechzehntelfigürchen in den Sopran-Rezitativen bis sich "Ehre sei Gott" in den Oberstimmen und "Friede auf Erden" in den Männerstimmen des Chores prächtig entfalten. Dem Sopranausruf "Freue dich sehr, Tochter Zion" folgt eine anmutige Pastorale im Sizilianerstil. Dem gleichen Rhythmus eines mütterlichen Wiegenliedes schließt sich der solistische Wechselgesang von Sopran und Alt ("Er weidet seine Herde") an. Dieser Teil findet Abschluss in einer prächtigen Fuge des Chores "Sein Joch ist sanft".

Voller Fantasie gesellt sich der Sizilianertakt abermals zur Sopranarie "Wie lieblich ist der Boten Schritt". Im klaren Kontrast hierzu wird in einer nachfolgenden Bassarie - in einer Anspielung auf die ersten Christenverfolgungen - gefragt "Warum rasen und toben die Heiden".

Der Tenor antwortet mit Rezitativ "Der Herr wird sie verlachen, verspotten" und Arie "Du sollst sie zerschlagen". Alles gipfelt in dem Jubelchor des bekannten "Halleluja" Ein erhebendes Erlebnis, das von den Ausführenden nicht äußerlich "aufgepompt" wurde, sondern durch natürliche Strahlkraft und Wahrhaftigkeit begeistert.

"Ich weiß, dass mein Erlöser lebet", ein Juwel unter Händels Sologesängen, in der der Komponist mit erstaunlich geringen Mitteln den Auferstehungsgedanken verklärt. Die Wiedergabe dieser Arie gelingt mit klarer, heller und doch warmer Tongebung des Solosoprans.

Mystik von Tod mit der Zuversicht der Auferstehung vermittelt im weiteren Chorsatz und Rezitativ "Siehe ich sage Euch ein Geheimnis", mündend in einem wundervollen Dialog von Baßsolisten und Trompete "The Trumpet shall sound". Die Trompeterin Regina Scherer und Felix Krampf wechseln sich bei dem anspruchsvollen Solopart ab. Ihnen und dem Bassisten Bernhard Springler gelingen eine sehr überzeugende Wiedergabe. Das Largo "Würdig ist das Lamm" erwächst zu einem würdigen Schlusschor der mit der bewegenden Chorfuge "Amen" unterstrichen wird.

Die abwechselnd singenden Solisten bringen sehr viele Farben in die Kirche. Sie und das gesamte Gesangsensemble überzeugen mit Klarheit, Intonationssicherheit, Geschlossenheit, guter englischer Aussprache, engagierter Gestaltung und hervorragendem Teamgeist.

Mit sicherer Intonation

Das Kammerorchester der Basilika mit gut qualifizierten einheimischen Musikern, verstärkt durch einige Berufsmusiker, musiziert durchsichtig mit sicherer Intonation, in den schnellen Passagen sehr diszipliniert und kongruent mit und Klangschönheit. Auch ohne historische Instrumente gingt eine stilsichere Wiedergabe. Die sauberen Holz- und Trompetenbläser integrieren sich bestens. Besonders hervorzuheben ist die sehr sicher agierende Continuo-gruppe mit Axel von Huene (Cello) und Hermann Heinrich (Kontrabass), zu denen sich bei einigen Stellen das fein gespielte Fagott gesellt. Silvia Gmeiner begleitet stets schnell reagierend und überaus sicher an der Truhenorgel.

Kirchenmusikdirektor Sagstetter führte souverän durch Händels Gipfelwerk. Er gibt Einsätze sicher, sorgt für sehr ansprechende Tempi, ausgewogenen Chor- und Orchesterklang. Die Zuhörer in der voll besetzten Basilika spenden langanhaltenden Beifall. Die große Leistung, gipfelnd in das grandiose "Amen", verbietet jegliche Zugaben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.