26.03.2020 - 10:42 Uhr
WaldthurnDeutschland & Welt

Die hohe Kunst der hohen Töne

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Aus Waldthurn in die Welt – so könnte man die Karriere des Sängers Franz Vitzthum auf den Punkt bringen. Eben hat er eine neue CD mit Arien von Händel vorgelegt. Folgen wird im Juli das 1. Printz-Festival in Waldthurn.

Franz Vitzthum aus Waldthurn singt in der Oberliga der Countertenöre.
von Peter K. DonhauserProfil

Franz Vitzthum, aufgewachsen in Lennesrieth bei Waldthurn (Kreis Neustadt/WN) war Domspatz in Regensburg. Nach der Schule studierte er Gesang in Köln und wurde Countertenor. Wie er dazu kam und was er im Sommer in Waldthurn plant, erläutert Vitzthum im Interview.

ONETZ: Herr Vitzthum, Sie singen im eher seltenen Gesangsfach „Countertenor“. Wie haben Sie diesen Weg gefunden?

Franz Vitzthum: In meiner Schulzeit bei den Regensburger Domspatzen habe ich zuerst Sopran, nach dem Stimmwechsel "eine Art Tenor", gesungen und darin auch mein praktisches Musikabitur abgelegt. Nach der Schule habe ich in vielen Ensembles für Alte Musik mitgewirkt, und da waren wir zu einem Kurs in Cambridge (GB) beim berühmten Hilliard Ensemble. Der Counter dort hat mein Stimmpotenzial entdeckt, ich habe Unterricht genommen und dann ein Studium in Köln absolviert.

ONETZ: In welchen Bereichen sind Sie derzeit sängerisch aktiv?

Franz Vitzthum: Ich singe viele Oratorien und Kantaten von Händel, Bach, aber auch von unbekannten Komponisten. Kammermusikalisch besetzte Gruppen (mit Laute, Zither oder kleinem Streichorchester) sind mir am allerliebsten. Dazu kommen Formationen wie „Weser Renaissance Bremen“ bei denen ich mich als Ensemblesänger einbringen kann. Diese Kombination ist wunderbar anregend und abwechslungsreich.

ONETZ: In diesen Tagen ist Ihre neue CD „The Life. The Light. The Way.“ erschienen. Wie kam die Auswahl der Musik zustande?

Franz Vitzthum: Die Arien von G. F. Händel gehören zum Stammrepertoire eines jeden Countertenors, ich durfte sie in den letzten Jahren in vielen Konzerten singen. Wir haben darauf geachtet, dass es eine bunte Mischung an Affekten wird, dass wir unterschiedlichste Besetzungen im Orchester haben, von der klein besetzten Streicherarie bis hin zum großen Tuttisound mit Trompeten und Oboen.

Franz Vitzthum hat Wolfgang C. Printz und G. F: Händel im Gepäck

ONETZ: Was macht für Sie den Reiz dieser Musik aus?

Franz Vitzthum: Händels Musik ist von großer Leichtigkeit durchdrungen, dabei aber nie oberflächlich. Er kann einfach alles: Feierlich, melancholisch, triumphal, verrückt. Auch diese Arien strotzen nur so von Gefühlen aller Art, genau wie die Opernarien der Epoche. Wenn diese Bandbreite dann auch noch in einen geistlichen Kontext gestellt wird, dann ist das für mich lebensnahe Religion, die, frei von Fanatismus, den Menschen als Ganzes widerspiegelt.

ONETZ: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Tölle und dem L´Orfeo Barockorchester?

Franz Vitzthum: Dirigent Julian Tölle hat mich in den letzten Jahren immer wieder für Händeloratorien engagiert und zu seinem Festival „Fränkischer Sommer“ eingeladen. Daher kennen wir uns schon lange Jahre und wissen, dass wir sehr gut miteinander arbeiten können. Für mich persönlich war die Produktion ein Glücksfall!

ONETZ: Kann man Sie oder das Programm auch live hören?

Franz Vitzthum: Ja, im Sommer beim 1. Printz-Festival „Grousse Kunst va uns daham“, da wird auch Musik des einheimischen Komponisten Wolfgang C. Printz (1647-1717) gesungen und gespielt, in Waldthurn, Lennesrieth, auf dem Fahrenberg. Dann beim Festival „Fränkischer Sommer“, das am 18. Oktober seinen 20. Geburtstag im Nürnberger Rathaussaal feiert. Da spielen wir das Programm zweimal, einmal beim Staatsakt mit Minister, allem Pipapo und einem öffentlichen Konzert.

Info:

Countertenor

Als Countertenor (auch Kontertenor oder Kontratenor genannt) wird ein männlicher Sänger bezeichnet, der besonders hoch in Alt- oder sogar Sopranlage singen kann. In dieser Stimmlage singen sonst Frauen. (esa)

Eine CD-Kritik

Waldthurn

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