824 Millionen Euro an unverzinste private Einlagen in Commerzbank Weiden

Seit Jahren warnen Kreditinstitute und Kapitalmarktexperten vor Wertverlusten bei der Geldanlage auf Sparkonten. Eine Untersuchung im Auftrag der Commerzbank zeigt jetzt, warum nur wenige die Warnung ernst nehmen. Auch in der Region.

Die Commerzbank gab eine repräsentative Studie in Auftrag.
von Siegfried BühnerProfil

Laut Sebastian Hackl, Niederlassungsleiter der Commerzbank in Weiden, liegen alleine in seinem Hause derzeit 824 Millionen Euro an "komplett unverzinsten privaten Einlagen". Hackl verweist dazu auf Berechnungen der Commerzbank-Tochter Comdirect, wonach jeder Bürger in Deutschland seit zehn Jahren jährlich 1638 Euro durch "falsches Sparen" verliert. Warum sich die Menschen bei der Geldanlage so schwer tun, fragte man sich deshalb nicht nur bei der Commerzbank in Weiden und gab eine repräsentative Studie in Auftrag.

Die Ergebnisse der Studie für Bayern wurden jetzt vorgelegt. Ihre wichtigste Aussage liefert auch gleich die Erklärung für das Anlageverhalten vieler Menschen. Nur 35 Prozent aller Befragten äußern sich über die Niedrigzinsphase in besonderem Maße besorgt und erwarten negative Auswirkungen auf die eigene Person. Alle anderen fühlen sich entweder nur zum Teil betroffen, sehr wenig betroffen oder überhaupt nicht betroffen. Mit dieser Beschreibung lassen sich die Antworten auf die Frage nach negativen Auswirkungen der Niedrigzinsphase zusammenfassen.

Viele scheuen sich vor dem Thema

"Auch wenn den Menschen seit Jahren bewusst ist, dass sie etwas tun müssen, möchten sie sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen" kommentiert Hackl dieses Befragungsergebnis. Bestätigt wird diese Aussage auch durch Antworten auf die Frage nach der Beschäftigung mit alternativen Geldanlagen. Nur 36 Prozent der Befragten haben sich innerhalb der letzten zehn Jahre darüber informiert. Hauptinformationsquellen waren das Internet sowie Banken und Sparkassen.

Die Untersuchung der Commerzbank zeigt aber auch, dass sich in der Niedrigzinsphase sehr wohl Verhaltensänderungen der Menschen ergeben haben. So bejahen 57 Prozent die Frage nach Verhaltensänderungen im Umgang mit frei verfügbarem Geld. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, mehr als früher für "Genuss und Lebensfreude" und "Investition in Konsumgüter" ausgegeben zu haben. 19 Prozent sagen sogar "ich spare jetzt mehr, zum Beispiel mit einem Sparbuch", nur 18 Prozent haben ein "Depot und Wertpapiere" und 14 Prozent sagen "Ich bewahre mein Geld nun vermehrt als Bargeld zu Hause oder im Schließfach meiner Bank auf".

In Anbetracht der Befragungsergebnisse empfiehlt Hackl "das eigene Vermögen vor der schleichenden Enteignung durch Inflation zu schützen".

Nur ein Betrag von zwei bis drei monatlichen Nettoeinkommen sollte idealerweise auf einem Girokonto oder Tagesgeldkonto als eiserne Reserve gespart werden. Für das übrige Geld sollte in unterschiedlichsten Anlageklassen ein Anlagehorizont von mindesten drei bis fünf Jahren gelten.

"Illusion der Sicherheit"

Zur Psychologie des Sparverhaltens erklärt Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer und Wirtschaftspsychologe der Commerzbank: "Seit vielen Jahrzehnten konnten Sie mit Sparbuch und Tagesgeldkonto wenig falsch machen." Die Verzinsung hätte ausgereicht, um zumindest die Inflation zu erwirtschaften und so die eigene Kaufkraft zu erhalten. Das habe sich bei vielen tief eingebrannt, ein Umdenken falle schwer.

"Wir Menschen haben eine immense Verlustaversion. Ein finanzieller Schaden von 100 Euro wiegt emotional viel stärker negativ als ein Gewinn in gleicher Höhe." Daher agieren Menschen eher sicherheitsorientiert. "Und das Tagesgeldkonto bietet immer noch die Illusion von Sicherheit".

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