Arbeitslos in den Sommerferien

Es sind Sommerferien. Für tausende Schüler in der Oberpfalz ist das ein Grund zur Freude. Für viele Lehrer sieht das anders aus, sie sind in dieser Zeit arbeitslos. Zwei Betroffene erzählen.

Viele Lehrer haben nur befristete Verträge - und müssen sich in den Ferien arbeitslos melden.
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Ein halbes Jahr hat er in seinem Traumberuf - Lehrer an einem Oberpfälzer Gymnasium - gearbeitet. Dann war er arbeitslos. Pünktlich zum Sommerferienbeginn Ende Juli 2018 lief der Vertrag eines jungen Lehrers, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, aus. "Mir wurde von der Schule erst ein Vertrag zugesagt, der bis August geht. Dann hatte aber die Regierung der Oberpfalz etwas gegen diese Vereinbarung", erklärt er. Der 31-Jährige ist vergangenen Februar mit dem Referendariat fertig geworden. Hat sich dann an verschiedenen Schulen beworben und hatte Glück - aber eben nur bis Ende Juli.

Wie es weitergeht weiß der Lehrer noch nicht. Die Hoffnung, auch im kommenden Schuljahr in seinem Beruf arbeiten zu können, hat er aufgegeben. "In meiner Fächerkombination hat der erste auf der Warteliste einen Notenschnitt von 1,31 und hat trotzdem bisher keine Stelle bekommen." Hinzu kommt: Er hatte auch im vergangenen Halbjahr keine volle Lehrerstelle. Die freie Zeit nutzte er zur Weiterbildung - hat sich für ein weiteres Fach an der Uni eingeschrieben. "Durch meinen Studentenstatus bekomme ich nun kein Hartz IV." Arbeitslosengeld gibt es ebenfalls nicht. "Dafür habe ich nicht lange genug eingezahlt."

Um nicht ohne Job dazustehen, hat sich der derzeit Arbeitslose für eine Stelle an einer Universität beworben. Wenn das was wird, verdient er ab Oktober wieder Geld. "Das ist für das Selbstbewusstsein nicht gerade gut", sagt er. "Ich stelle mich darauf ein, dass ich spätestens Ende September bei meinen Eltern betteln muss." Für einen 31-Jährigen sei das frustrierend. Das sei schließlich ein Alter, in dem man sich langsam Gedanken über Familie und Sesshaftwerden mache. Aber ohne Job und festes Einkommen sei das schwierig. Seinen Traum, als Lehrer an einem Gymnasium zu arbeiten, möchte er trotzdem nicht aufgeben. "Das bleibt mein Ziel."

"Lehrermangel ohne Ende"

Als "absolut unsozial" bezeichnet Ursula Schroll, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) in der Oberpfalz, die Praxis, dass befristete Verträge vor den Sommerferien enden. "Wir haben Lehrermangel ohne Ende und sind froh über jeden, der Dienst tut", betont sie. Deswegen könne man mit Menschen, die sich für den Lehrerberuf entscheiden, nicht so umgehen. Am liebsten wäre es Schroll deswegen, wenn befristete Verträge abgeschafft werden. Ihr ist aber auch klar, dass das nicht so einfach ist. Deswegen sollten "Arbeitsverhältnisse so gestrickt sein, dass sie nahtlos ineinander übergehen" - oder zumindest sollte der August noch bezahlt werden. "Das sind Erwachsene Menschen, die oft nicht nur für sich, sondern auch für eine Familie sorgen müssen", betont Schroll.

Sandro Fleischmann, Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Lehrer an der FOSBOS Weiden, sieht das ähnlich: "Das ist eine Frechheit, was da seit Jahren praktiziert wird." Dabei sei das Problem nicht nur, dass die Betroffenen nicht nur über die Sommerferien kein Geld bekommen. "Viele wissen auch nicht, wie es danach weitergeht", fährt Fleischmann fort. In manchen Fällen, würden Lehrer erst nach Beginn des Schuljahres erfahren, dass eine Stelle für sie frei sei. "Planen kann man da nicht."

Vor allem sei es auch möglich, dass diese Stelle an einem völlig anderen Ort sei. Dann muss auch noch ein Umzug organisiert werden. "Die Befristungen gehören abgeschafft", fordert er. Nicht nur wegen des Vertragsendes vor den Sommerferien. "Angestellte Lehrer verdienen auch noch 800 bis 900 Euro weniger, als Kollegen mit Beamtenstatus."

Anderes Bundesland

Fleischmann wundert es deswegen nicht, dass es junge Kollegen gibt, die sich entschließen, einen anderen Berufsweg einzuschlagen. Oder in ein anderes Bundesland gehen. Wie ein junger Lehrer aus dem Landkreis Neustadt/WN, der ebenfalls anonym bleiben möchte. "Ich bin im Februar 2017 mit dem Referendariat fertig geworden und habe dann einen Vertrag bis Juli bekommen."

Ende des Schuljahrs habe er dann zwar die mündliche Zusage für eine weitere Anstellung ab September bekommen. "Aber wie das mit mündlichen Absprachen so ist, sie sind nicht bindend." Die Zusage sei kurzfristig zurückgezogen worden. "Da war ich schon verunsichert. Aber zu keinem Moment panisch. Ich dachte mir, das wird schon irgendwie." Und es wurde. Der Junge Lehrer hat eine Anstellung an einer anderen Schule bekommen - wieder für ein Jahr. Musste dafür aber umziehen. "Ich bin zum Glück örtlich relativ flexibel."

Diesen Vertrag hätte er wohl auch verlängern können - für ein weiteres Jahr. Trotzdem hat sich der Oberpfälzer entschieden, in ein anderes Bundesland zu gehen. "Ich wollte eine Festanstellung." Dort wird er an einem anderen Schultyp unterrichten. "Das Niveau wird schon anders sein." Aber er muss sich zumindest keine Sorgen mehr um sein Einkommen machen.

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