Der Arzt der sieben Meere

Was für ein Arbeitsplatz! Der gebürtige Vohenstraußer Dr. Winfried Koller ist Arzt auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Artania", bekannt aus der Fernseh-Serie "Verrückt nach Meer".

Wann immer die „Grand Lady“ in Rio anlegt, nutzt das Ehepaar die Gelegenheit: Dr. Winnie Koller und seine Frau Darcylene genießen den Ausblick vom Cafe Alto auf die Copacabana.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das Jahr besteht für Koller aus drei Teilen. Seinen Wohnsitz hat der gebürtige Vohenstraußer mit seiner Frau Darcylene und Tochter Vanessa (21) in Rio de Janeiro. Im deutschen Sommer macht er Praxisvertretungen in München. Und mehrere Monate des Jahres geht er als Schiffsarzt auf Weltreise.

Dabei schaut ihm eine Million deutscher Fernsehzuschauer zu. Dr. "Winnie" Koller ist Schiffsarzt auf der MS Artania, genannt "Grand Lady". Auf diesem Kreuzfahrtschiff wird die Doku-Soap "Verrückt nach Meer" gedreht (montags bis freitags, ARD, 16.10 Uhr). Die Sendung ist eine Mischung aus Reisedokumentation und Blick hinter die Kulissen des Schiffs mit echten Protagonisten.

Der 65-Jährige gehört schon seit 2010 zur Crew und ist einer der Publikumslieblinge, um die sich die Geschichten der Serie ranken. Aktuell zeigt die ARD die achte Staffel, gedreht auf der Weltreise der MS Artania von Januar bis April 2018. 33 000 Seemeilen, 29 Länder, 70 Traumziele: Von den Seychellen nach Hongkong, von Sydney nach Acapulco, von Nicaragua nach Honduras... Und genau dort, in der honduranischen Hafenstadt Puerto Cortés, befindet sich die "Grand Lady" zufällig auch jetzt, beim Interview mit Oberpfalz-Medien am Montagabend.

ONETZ: Bei mir ist es 19 Uhr, bei Ihnen 12 Uhr mittags. Wie sieht Ihr Tag heute aus?

Winfried Koller: Wir hatten heute schon Sprechstunde, danach die wöchentliche Rettungsübung der Crew. Jetzt bin ich gerade in Puerto Cortés zum Bummeln. Wie die Fernsehzuschauer wissen, erkunde ich normalerweise die Umgebung mit dem Fahrrad. Aber das Wetter ist heute nicht so schön.

ONETZ: Wie kam’s dazu, dass Sie Schiffsarzt wurden?

Winfried Koller: Eigentlich aus privaten Gründen. Meine Frau ist Brasilianerin. Als sie schwanger war, wollte ich in ihrer Nähe sein. Ich habe mich in einer brasilianischen Klinik beworben, die hätte aber nur 1000 US-Dollar Monatslohn bezahlt. Dann hat sich das mit den Schiffsreisen ergeben. Seit 1999 fahre ich zur See. Momentan läuft es so, dass ich sechs Monate auf dem Schiff bin. Im deutschen Sommer mache ich in München Praxisvertretungen bei Kollegen. Und vier bis fünf Monate des Jahres verbringe ich in Brasilien. Wir leben in Rio de Janeiro, 150 Meter von der Copacabana entfernt.

ONETZ: Gerade liefen im deutschen Fernsehen die Folgen, in denen die „Grand Lady“ die Südsee durchquert. Tonga, Bora Bora, Papeete... Wo ist es denn am schönsten auf der Welt?

Winfried Koller: Diese Frage bekomme ich oft gestellt. Schwierig zu sagen. Vom Wasser her ist die Südsee natürlich unvergleichlich. Brasilien hat selbst wunderschöne Strände – da bin ich verwöhnt. Ich mag auch Mittelamerika und Indonesien, da ist alles noch ein bisschen ursprünglicher.

ONETZ: Kommen Sie denn noch ab und zu nach Vohenstrauß?

Winfried Koller: Selten. Eher noch nach Weiden zu meinen früheren Leichtathletik-Kollegen des Turnerbundes. Da wären zum Beispiel Norbert Griesbacher, Ernst Hermann und Gernot Köcher. Wir sind nach Weiden gezogen, als ich 14 Jahre alt war. Mein Vater arbeitete bei der Genossenschaftsbank. Ich war am Kepler-Gymnasium, zum Medizinstudium bin ich dann nach München gegangen.

ONETZ: Sechs Monate von der Familie getrennt – kann Ihre Frau da manchmal nachkommen?

Winfried Koller: Wenn’s zeitlich geht, fährt sie mit. Auch meine Töchter – 21 und 27 – sind schon mitgefahren. Nächstes Jahr ist wieder geplant, dass meine Frau mitkommt. Auf der jetzigen Weltreise nicht.

ONETZ: Sie sind auf Weltreise?

Winfried Koller: Im Winter bin ich eigentlich immer auf Weltreise.

ONETZ: Die wievielte Weltreise ist das für Sie?

Winfried Koller: Die neunte.

ONETZ: Irgendwas mache ich falsch.

Winfried Koller: Bewerben Sie sich doch als Lektor und halten länderkundliche Vorträge an Bord.

ONETZ: Das gibt’s?

Winfried Koller: Natürlich. Da geht es dann um Geschichte oder die aktuelle Lage in den Ländern, die wir ansteuern.

ONETZ: Sehen Sie sich eigentlich selbst im Fernsehen?

Winfried Koller: Hier an Bord wird täglich eine Sendung gezeigt, die dann in Endlosschleife läuft. Da will man schon manchmal schauen, wie man so im TV erscheint.

ONETZ: Sie sind 65 Jahre. Andere setzten sich da zur Ruhe und machen eine Kreuzfahrt um die Welt...

Winfried Koller: Ein paar Jahre mache ich noch, solange es mir Spaß macht.

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