Außergewöhnliches Projekt in Weiden: Ich zieh' mir ein Kunstwerk

Zigaretten oder Fahrradschläuche aus dem Automaten kennt man in Weiden. Aber Kunst? Das gibt es jetzt in der Regionalbibliothek. Gymnasiasten haben dieses außergewöhnliche Projekt verwirklicht.

Bibliotheksleiterin Sabine Guhl probierte als eine der ersten den "Kunstautomaten" aus
von Holger Stiegler (STG)Profil

Ein ungewöhnliche Kunsterlebnis gibt es derzeit im Eingangsbereich der Regionalbibliothek Weiden zu erleben. Zu verdanken ist es dem P-Seminar Kunst des Kepler-Gymnasiums und ihrem Lehrer Studiendirektor Axel T Schmidt. Zu finden ist ein „Kunstautomat“, das ganze Projekt läuft unter dem Slogan „Kunstzumziehn“.

„Prinzipiell sind Kunstautomaten ja nicht neu. Ursprünglich stammt die Idee aus den USA“, so Schmidt. In Deutschland habe alles vor etwa 40 Jahren begonnen, als zwei Künstler in Aachen eine limitierte Anzahl bemalter Holztäfelchen in kleine Schächtelchen verpackt hatten und für damals eine D-Mark in einem einschächtigen Automaten zum Ziehen angeboten hatten. „Und kurz darauf standen sie mit ihrer Blechkiste auf der documenta in Kassel“, erzählt Schmidt.

Exklusiv angefertigte Werke

Grundidee der zwölf Schülerinnen und Schüler des P-Seminars sei es gewesen, einen solchen Kunstautomaten auch in der Region zu etablieren. Im Herbst 2018 habe man mit dem Projekt begonnen. „So etwas gab es bisher noch nicht“, betont Schmidt. Ein alter Zigarettenautomat wurde besorgt und so umgestaltet und hergerichtet, dass er gleichzeitig als Ausstellungsort wie auch als Verkaufseinrichtung dienen kann.

Auch das Design der Schächtelchen übernahmen die Schüler. Nach einer ersten Station am Kepler-Gymnasium hängt er nun seit kurzer Zeit in der Weidener Regionalbibliothek. Im regelmäßigen Wechsel werden darin in zehn Schächten Werke von regionalen und überregionalen Künstlern angeboten – dabei handelt es sich um exklusiv für den Automaten angefertigte Kunstwerke in verschiedenen Techniken in einer limitierten Auflage von jeweils 50 Stück. „Jede Schachtel enthält ein Kunstwerk und ist mit dem Namen des Künstlers, dem Titel der Arbeit und der Nummer der Edition versehen“, so Schmidt. Der Verkaufspreis pro Schachtel liegt bei fünf Euro. Beteiligte Künstler sind unter anderem Ursula Maren Fitz, Marion Mack, Stefan Schadeck und Stefanie Stangl.

Auch außerhalb Weiden geplant

Kunsterzieher Schmidt macht deutlich, dass es den Schülerinnen und Schülern gelungen sei, qualitätsvolle Kunst in schachtelgroßem Kleinstformat als Sammlerstück, Liebhaberei oder Mitbringsel zum erschwinglichen Preis anzubieten. „Ich bin ziemlich sicher, dass das bei den Leuten auch ankommt“, so Schmidt. In den nächsten Monaten wird der „Kunstautomat“ erst einmal in der Regionalbibliothek bleiben. „Geplant ist aber, dass das Teil auch außerhalb von Weiden in regelmäßigen Abständen eine Heimat findet“, so Schmidt. Der Aufwand für die Montage sei überschaubar.

Begeistert von dem Projekt ist auch Regionalbibliotheks-Leiterin Sabine Guhl, die den Automaten gleich am ersten Tag ausprobiert hat. „Das ist etwas Einmaliges und passt perfekt in unsere Bibliothek“, betont sie.

Mehr zum Kunstautomaten

Weiden in der Oberpfalz
Werke wie "looking4future" von Stefanie Stangl können "gezogen" werden.

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