Autofahrer dürfen Radlern nicht zu dicht auf die Pelle rücken

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1,5 Meter innerorts, 2 Meter außerorts: Autofahrer müssen künftig beim Überholen von Radfahrern reichlich Abstand halten. „Das werden viele nicht befolgen“, befürchtet ein Fahrlehrer.

Fahrschullehrer Matthias Ponader zeigt’s mit dem Meterstab an: 1,5 Meter muss ab sofort der Abstand betragen, wenn ein Autofahrer einen Radler innerorts überholen will.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Jetzt heißt es: Meterstab im Auto mitführen. Denn mit der jüngsten Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) gelten seit Dienstag eindeutig definierte Mindestabstände beim Überholvorgang. Wer einen Radfahrer, E-Tretroller oder Fußgänger überholt, muss künftig innerorts einen Abstand von 1,5 Meter einhalten. Außerhalb geschlossener Ortschaften sind sogar 2 Meter vorgeschrieben. Viele Autofahrer fragen sich: Ist die neue Vorschrift im Verkehrsalltag überhaupt praktikabel?

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„Ein Mindestabstand ist im Prinzip nicht schlecht“, sagt Matthias Ponader. Das Radfahren auf den Straßen gewinne dadurch ja an Sicherheit. Zumindest theoretisch, denn der 52-Jährige weiß aus langjähriger Erfahrung als Fahrlehrer, wie Autofahrer ticken. Er befürchtet: „Da muss die Polizei schon kontrollieren und es muss Strafen hageln, sonst wird das Ganze nicht befolgt.“

Fußgänger überqueren bei Rot die Ampel, Radler halten sich an keine Vorfahrtsregel und mittendrin Wagenlenker, die auf das Recht des Stärkeren pochen. „Die Verkehrsmoral lässt immer mehr zu wünschen übrig“, urteilt Ponader. Und er nennt ein Beispiel: „An Haltestellen darf man Busse nur mit Schrittgeschwindigkeiten überholen. Vielleicht 10 Prozent halten sich daran. Wieso soll dann die neue Abstandsregel klappen?“

Allerdings nimmt Ponader sein Klientel auch in Schutz. Der Fahrschullehrer kennt in Weiden jeden Straßenzug. Er weiß, wie eng es im städtischen Verkehr mittlerweile zugeht. Ein Grund für die Verdichtung sei auch der eigentlich lobenswerte Ausbau des Radwegenetzes. „Die Fahrbahnen sind werden dadurch schmäler. Das ist für Autofahrer schon manchmal schwierig.“

Vor allem in Hauptverkehrszeiten könnten sich künftig die Chancen auf einen regelkonformen Überholvorgang drastisch verringern. „Wenn ein Radler hier in Weiden im Kreuzungsbereich Josefshaus vor einem fährt, hast du künftig kaum eine Möglichkeit mehr, vorbeizufahren und die 1,5 Meter Abstand einzuhalten.“ Was bleibt einem pflichtbewussten Wagenlenker als Alternative? „Er muss dem Radler langsam folgen“, antwortet Ponader. „Was anderes bleibt ihm nicht übrig.“

Mögliches Verkehrshindernis hin oder her: Der Schutz der Biker macht Sinn. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben in 2018 445 Fahrradfahrer bei Unfällen. Ein Jahr vorher waren es erst 382. Wieso Mofas/Mopeds vom Mindestabstand nicht betroffen sind, findet Ponader jedoch „seltsam“. Gleiches gelte für die Erlaubnis, dass Radfahrer nebeneinander fahren dürfen. „Das ist Käse. Auch Radler müssen auf den übrigen Verkehr Rücksicht nehmen.“

Für ihn als Fahrlehrer erwartet Ponader keine Umstellung. Bislang hatte der Gesetzgeber schwammig formuliert, lediglich einen „ausreichenden Seitenabstand“ gefordert. „Empfohlen waren aber schon immer 1,5 Meter. So haben wir auch geschult. Jetzt ist es halt Vorschrift“ Gefruchtet hat die Schulung nicht in jedem Fall. „Einer ist mal durchgefallen“, berichtet Ponader. „Der ist zu knapp an einem Radler vorbei.“

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