Weiden in der Oberpfalz
18.07.2019 - 20:12 Uhr

Die Bahnkrise und die Rolle der BEG

Die beiden großen Eisenbahngewerkschaften GDL und EVG sind sich nicht immer grün. Bei der Bewertung des grassierenden Personalmangels in der Branche sind sie sich einig: Das Staatsunternehmen BEG trage eine Mitschuld.

Schlechter Ausblick: Weil es zu wenige Lokführer gibt, dürfte sich die Situation im regionalen Bahnverkehr wohl nicht so bald verbessern Bild: Jan Woitas/zb/dpa
Schlechter Ausblick: Weil es zu wenige Lokführer gibt, dürfte sich die Situation im regionalen Bahnverkehr wohl nicht so bald verbessern

Die Schuld an der Personalmisere in der Bahnbranche liegt auch bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sind sich hier einig. Die BEG ist für die Vergabe der Netze an die Bahnunternehmen zuständig und setze falsche Prioritäten. Schuldlos seien die Unternehmen aber auch nicht.

Beide Gewerkschaften sehen dabei das Lohnniveau nicht als Hauptproblem. Für Bayerns GDL-Landesvorsitzenden Uwe Böhm sind Personalmangel und Zugausfälle Ergebnis eines Prozesses, der mit den Privatisierungsplänen bei der Deutschen Bahn seinen Anfang nahm. "Es begann damit, dass man den Lokführern ihren Beamtenstatus nahm." Seither habe sich die Situation immer weiter verschärft, für Beschäftigte wie für Unternehmen. Der Ruf habe unter dem ewigen Sparzwang gelitten. "Wer will schon in einer Branche arbeiten, die nur für negative Schlagzeilen sorgt."

Böhm sieht einen guten Teil der Schuld bei der BEG. Diese sei "absolut wirtschaftsliberal" ausgerichtet. "Und das rächt sich jetzt." So direkt sagt Harald Hammer das nicht, aber die Schilderung des Regensburger EVG-Geschäftsführers passt ins Bild. "Die BEG schließt Verträge, die nur am grünen Tisch funktionieren." Die Bahnunternehmen bräuchten Spielräume, um für die Zukunft zu planen. Die alleine auf niedrige Preise ausgelegten Ausschreibungen würden diese Spielräume nicht bieten.

Das Lohnniveau sei zuletzt gestiegen. Um noch Personal für den Führerstand zu kommen, greifen die Unternehmen beinahe freiwillig tiefer in die Tasche. Auch der "Alex"-Betreiber Länderbahn bezahle inzwischen auf DB-Niveau, sagt Hammer. Dennoch bleibe die Konkurrenz ums Personal ein Problem für das Unternehmen. "Es geht um bessere Arbeitszeitmodelle", sagt Hammer. Der Tarifvertrag läuft bis November 2020, spätestens dann wird dieser Punkt eine Rolle spielen. Am grundsätzlichen Problem für die Branche ändere dies nichts, sagt Böhm. Es gibt zu wenig Lokführer, Konkurrenz ums Personal mit teils vierstelligen Vermittlungsprämien könnten dies nicht lösen.

Mittelfristig müssten die Unternehmen mehr ausbilden. Auch hier könnte die BEG über die Ausschreibungen verpflichtende Vorgaben machen. Uwe Böhm sieht aber auch die Unternehmen in der Pflicht. Mit Ausnahme der Deutschen Bahn engagieren sich diese zu wenig. Länderbahn, Agilis und andere würden sich oft als kleine Betriebe präsentieren, die sich Ausbildung nicht leisten könnten. "In Wirklichkeit stehen hinter den Unternehmen große Konzerne", sagt Böhm.

 
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