Wenn beim Jazz die Chemie stimmt

Seit 20 Jahren arbeiten Vincent Herring und Joris Dudli erfolgreich zusammen. Das funktioniert beim Jazz wie in der Ehe. Warum das so ist erklären sie mit „Soul Chemistry“ beim Jazz-Zirkel-Weiden.

Sie tauschen die großen Bühnen der Welt gegen das intime Ambiente eines kleinen Jazz-Clubs in der Provinz: „Soul Chemistry“ - das sind (von links) Joris Dudli (Schlagzeug), Vincent Herring (Altsaxofon), Urs Hager (Klavier) und Essiet Essiet (Kontrabass).
von Louis ReitzProfil
Am Samstag, 8. Februar, gastiert Vincent Herring mit seinem Quartett „Soul Chemistry“ im Bistrot Paris in Weiden, Sebastianstr.2.

Vincent Herring ist ein Saxofon-Virtuose mit einer einzigartigen und intensiven musikalischen Stimme. Er spielte mit den ganz großen Namen im Jazz: Nat Adderley, Art Blakey, Horace Silver, Dizzy Gillespie. Er ist auf den großen Festival-Bühnen der Welt zu Hause, aber immer wieder kommt er auch in die atmosphärischen Jazz-Clubs nach Europa. Am Samstag, 8. Februar gastiert er mit seinem aktuellen Quartett „Soul Chemistry“ beim Jazz-Zirkel-Weiden. Im Interview erzählt der Schlagzeuger Joris Dudli, wie es zu diesem Projekt kam.

ONETZ: Sie gastierten bereits mit fünf unterschiedlichen Formationen in Weiden: mit Vincent Herring, Chico Freeman, Curtis Fuller, dem „Blue Train Sextet“ und der „Soul Jazz Alliance“. Wie finden Sie immer wieder die großen Namen für ihre Projekte?

Joris Dudli: Ich lebte zehn Jahre in New York. Dort habe ich Vincent Herring kennengelernt und viele andere. In den letzten zwanzig Jahren bin ich schon fast eine eigene Agentur geworden. Ich frage bei den Musikern an, stelle die Gruppen zusammen und biete diese dann europaweit an. Man muss interessante Projekte anbieten, aber das macht wahnsinnig viel Arbeit.

ONETZ: Sie lebten einige Jahre in New York. Warum sind Sie zurück nach Österreich?

Joris Dudli: Aus familiären Gründen. Meine Frau und ich mussten entscheiden, wo wir leben wollen. Das hin- und her pendeln war nicht optimal. New York ist für Musiker wahnsinnig schwer. Wenn du nicht in der ersten Liga spielst, hast du vor allem finanzielle Schwierigkeiten. Hier ist es einfacher.

ONETZ: Wie sind Sie zum Jazz gekommen?

Joris Dudli: Ich habe Jazz gehört und sofort gemocht. Ich brauchte niemand, der mir das erklärte. Meine erste Jazzplatte habe ich von Helmut Qualtingers Sohn bekommen. Es war eine Platte mit Fritz Pauer!

ONETZ: Was lieben Sie am Jazz?

Joris Dudli: Es ist das Feeling und der Sound! Dann kommen der Rhythmus und natürlich auch die Melodien. Früher habe ich auch Pop gespielt, zum Beispiel mit Wolfgang Ambros oder Georg Danzer, aber der Rhythmus im Jazz ist ganz anders. Es dauert Jahre, bis du als Schlagzeuger richtig swingst. Der Swing ist ein besonderes Feeling und hat wenig mit den anderen Sachen zu tun.

ONETZ: Was schätzen Sie besonders an Vincent Herring? Wie würden sie seinen Stil oder seine musikalischen Wurzeln beschreiben?

Joris Dudli: Das ist ein Wort mit vier Buchstaben: Soul – Das heißt bluesig, vom Herzen und nicht vom Kopf. Das lieben wir und es wird ja auch gerne mit dem Begriff Soul-Jazz tituliert. Vinzent kann einfach spielen und so die Zuhörer erreichen. Es wird dann eh kompliziert, wenn man ein Solo aufbaut. Vincent ist seit Jahren einer der besten Altsaxofonisten. Sein aktuelles Album ist die Nummer 1 in den USA-Charts.

ONETZ: Was können Sie zu den anderen Musikern sagen?

Der Pianist Urs Hager kommt aus Deutschland und lebt seit einem Jahr in Wien. Er ist 24 und hat in Graz studiert. Er spielt genauso, wie wir das lieben. Er kennt unzählige Songs, spielt aber modern und mit „großen Ohren“. Essiet Essiet kenne ich seit 1986 in New York. Er ist mein Lieblings-Bassist. Er kann einfach spielen, wenn es nötig ist, ist aber auch sehr virtuos bei seinen Solos. Seine afrikanischen Wurzeln sind deutlich spürbar.

ONETZ: Was dürfen wir in Weiden erwarten?

Unsere Grundlage ist die Tradition: Duke Ellington, Miles Davis, John Coltrane, Art Blakey. Es werden einige Standards dabei sein, aber in erster Linie Soul-Jazz im Stil von Cedar Walton oder Freddie Hubbard, aber auch ein paar eigene Stücke. Und es passiert sehr viel spontan!

Info:

Service

Am Samstag, 8. Februar (20 Uhr), gastiert Vincent Herring mit seinem Quartett „Soul Chemistry“ beim Weidener Jazz-Zirkel im Bistrot Paris (Sebastianstraße2).

Karten gibt es auf www.nt-ticket.de und an der Abendkasse.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.