Britische Variante in Nordostbayern auf dem Vormarsch

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In Nordostbayern steigen die Infektionszahlen, verantwortlich dafür ist vor allem die britische Coronavirus-Mutation. Von Tirschenreuth, Weiden und Schwandorf aus wandert sie aktuell weiter in den Westen.

Alle bayerischen positiven Coronavirus-Proben werden aktuell in den Laboren und Instituten auf Mutationen untersucht.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

In seinem Institut sequenziert und testet Professor Dr. Dr. André Gessner Virusproben aus dem gesamten ostbayerischen Raum. „Den wachsenden Anteil der Mutationen stellen auch wir fest“, sagt er. Gessner ist Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene an der Uniklinik in Regensburg. „Bei uns handelt es sich in den meisten Fällen um die britische Variante“, erklärt er.

Knapp über 50 Prozent der hier untersuchten Proben könnten bereits der britischen Mutation zugeordnet werden. Vereinzelt komme auch die südafrikanische Variante vor, die brasilianische Variante spiele in der Oberpfalz derzeit keine Rolle, sagt Gessner. Alle positiven PCR-Tests werden in Bayern aktuell automatisch in einem zweiten Testverfahren, dem sogenannten VOC-PCR-Test, auf die britische Version des Coronavirus untersucht. Bei B. 1.1.7 reicht das Ergebnis dieses Verfahrens aus, um sie zu bestätigen.

Um die anderen Varianten nachzuweisen, setzt das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege aber zusätzlich auf die Sequenzierung. „Liegt nach der VOC-PCR der Verdacht auf die südafrikanische oder die brasilianische Virusvariante vor, muss in einem anschließenden Schritt noch eine Gesamtgenomsequenzierung zum sicheren Nachweis dieser Varianten durchgeführt werden“, teilt ein Sprecher auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit. Zudem müssen mindestens fünf Prozent aller Proben sequenziert werden, um festzustellen, ob weitere Mutationen im Umlauf sind. „Wir in Regensburg sequenzieren aber freiwillig mehr als diese fünf Prozent,“ erklärt Gessner.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Nordosten Bayerns ist vor allem ein Corona-Hotspot, weil die britische Virusvariante auf dem Vormarsch ist. Das bestätigt auch ein Sprecher des bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege: „In Deutschland und auch in Bayern setzt sich die britische Virusvariante zunehmend durch. Die Entwicklung in Ostbayern, insbesondere in den Grenzlandkreisen ist angesichts der ortsabhängig allgemein hohen Inzidenzwerte weiterhin besorgniserregend und erfordert unsere höchste Aufmerksamkeit.“

Aber die Aufmerksamkeit der Behörden wird sich wohl in den nächsten Wochen auch auf andere Gebiete der Oberpfalz ausweiten müssen. Denn die Mutation B. 1.1.7 wandert aktuell über den Osten des nördlichen Freistaats nach Westen. Aktuell weisen die Stadt Weiden mit einem Wert von 225, der Landkreis Tirschenreuth mit 215 und der Landkreis Schwandorf mit 182 die höchsten Sieben-Tages-Inzidenzen auf. Aber auch in den westlichen Gebieten der Oberpfalz wie Amberg oder Amberg-Sulzbach steigen die Zahlen. Grund dafür sind laut Schaubildern des Robert-Koch-Instituts vor allem die zunehmenden Corona-Varianten.

Gessner geht davon aus, dass die Infektionszahlen auch abseits der derzeitigen Hotspots wie Weiden nach oben gehen werden. „In zwei, drei Wochen werden überall in der Oberpfalz die Zahlen steigen.“ Eine Prognose, welche Ausmaße die dritte Welle insgesamt annehmen wird, könne er aber nicht seriös treffen. Steigende Impfzahlen, die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Teststrategie wären zusätzliche Faktoren, die Einfluss auf das Infektionsgeschehen hätten. „Wir wissen es einfach nicht“, gibt Gessner zu.

Die aktuellen Corona-Zahlen in der Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz
Professor Dr. Dr. André Gessner ist Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene an der Uniklinik in Regensburg.
Kommentar:

Das Virus ist der Chef, nicht Markus Söder

Die Infektionszahlen steigen, die Ungeduld der Menschen auch: Irgendwer müsse jetzt doch mal etwas gegen diesen Stillstand tun. Aber diese Pandemie zeigt deutlich: Das Virus ist der Chef, nicht die Politiker. Sogar Markus Söder muss sich der Macht von Corona-Mutationen unterordnen.

Klar, Söder & Co. müssen sich der Kritik stellen, denn schließlich sind sie diejenigen, die Grundrechte einschränken. Es sind auch viele Fehler gemacht worden, ohne Frage. Dennoch befinden wir uns jetzt in einer Situation, in der selbst angesehene Wissenschaftler auf die warmen Temperaturen im Frühling hoffen und keine seriösen Prognosen abgeben können.

Auch wenn wir Deutschen die Kontrolle so lieben, wir haben sie im Moment nur bedingt. Sich das einzugestehen, schmerzt sicher keinen mehr als Markus Söder selbst.

Von Sebastian Böhm

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