Chancen für entlassene BHS-Tabletop-Mitarbeiter

Die BHS Tabletop will sich von 100 Mitarbeitern trennen. Für sie haben der Porzellanhersteller und der Betriebsrat eine Transfergesellschaft organisiert - und dafür einen echten Spezialisten engagiert.

Bauscher gehört zu BHS Tabletop und ist ein weltweit agierender Hersteller von Hotelporzellan aus Weiden
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Vom Springer-Verlag bis zu Airbus, von Continental bis zu Daimler: Die von der BHS Tabletop verpflichtete Transfergesellschaft Von Rundstedt zählt viele große deutsche Unternehmen zu ihren Kunden. Ab 1. Dezember treten nun etwa 100 der rund 190 entlassenen Mitarbeiter des kriselnden Porzellanherstellers mit Sitz in der Oberpfalz und Oberfranken in diese Transfergesellschaft ein. Andere Entlassene haben sich für eine angebotene Prämie ihres Arbeitgebers entschieden. Von Rundstedt gilt in Nordbayern als bestens vernetzt. Der für Franken und die Oberpfalz Gesamtverantwortliche Georg Scheiber präsentierte beim Wirtschaftsclub Nordoberpfalz seine Unternehmung.

Chancen stehen nicht schlecht

In zahlreichen Wirtschaftsbranchen der Region ist der Bedarf an qualifizierten (und motivierten) Arbeitskräften nach wie vor akut, auch in Corona-Zeiten. Beim virtuellen Meeting des Clubs unter der Regie von Präsident Anton Braun hörten deshalb mehrere potenzieller neuer Arbeitgeber aufmerksam zu, was die Vermittlungsspezialisten zu berichten hatten.

Demnach stehen die Chancen für die ehemaligen BHS-Tabletop-Beschäftigten nicht so schlecht, wie es die derzeitige Stimmungen glauben machen könnte. Für die Transfergesellschaft für die ehemaligen Porzelliner sieht der Sozialplan folgende Konditionen vor: Der bisherige Arbeitgeber BHS Tabletop stockt das Transferkurzarbeitergeld der Arbeitsagentur von 60 oder 67 Prozent auf 80 Prozent des letzten Nettolohns auf, inklusive der Sozialleistungen. Der Vertrag mit der Transfergesellschaft läuft dabei für die doppelte Zeit der jeweiligen Kündigungsfrist mit dem ursprünglichen Arbeitgeber.

Die Beschäftigten stehen künftig in einem Arbeitsverhältnis mit der Transfergesellschaft, sie sind deshalb finanziell deutlich besser gestellt als beim Gang in die Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig bleiben ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld I in vollem Umfang bestehen. Georg Scheiber betonte die hohe Rechtssicherheit für beide Seiten, die längere Planbarkeit, die professionelle und persönliche Beratung mit dem Ziel, die Klienten am ersten Arbeitsmarkt zu platzieren: "Was bringt den Mitarbeiter weiter? Welche Qualifizierungsmaßnahmen erhöhen seine Vermittlungschancen?"

Wenn das Profil passt, erfolge als nächster Schritt die Platzierung bei einem regionalen Unternehmen. "Nichts ist besser als regionale Netzwerke", erklärte Scheiber. Die Beschäftigten der BHS Tabletop kommen sowohl aus dem gewerblich-technischen als auch aus dem kaufmännischen Bereich. Die Altersstruktur der Porzelliner reicht von 30 Jahren bis Ende 50.

Lösung für die Rente

Bei drei von vier Arbeitnehmern gelinge es, die Arbeitslosigkeit zu verhindern, auch durch den Übergang in die Rente, in eine langfristige Weiterbildung oder Umschulung. Die Perspektive für die ehemaligen Beschäftigten weckt also Hoffnung.

Hintergründe zum Stellenabbau

Weiden in der Oberpfalz

190 BHS-Tabletop-Mitarbeiter müssen gehen

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Hintergrund:

Corona zwingt BHS Tabletop zur Vollbremsung

Auch ohne die Pandemie war die Situation des oberpfälzisch-oberfränkischen Porzellanherstellers BHS Tabletop nicht einfach. Corona und der Lockdown in der Gastronomie im Frühjahr zwang den Spezialisten für Hotelgeschirr zur Vollbremsung.

Im ersten Halbjahr 2020 sankt der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr von 57,1 auf 34 Millionen Euro. Das entspricht einem Einbruch um annähernd 40 Prozent. Im August reagierte die Aktiengesellschaft mit der Ankündigung, rund 250 Stellen zu streichen – ein Viertel der 1000 Mitarbeiter an den Standorten Selb, Schönwald und Weiden.

Bis Oktober einigte sich Vorstand und Arbeitnehmerseite: Entlassen wurden nun rund 190 Mitarbeiter. Die im Betrieb verbliebenen akzeptieren Einschnitte bei der Entlohnung. Im Gegenzug sicherte der Arbeitgeber zu, alle drei Standorte zu erhalten. (wüw)

 

 

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