Clemens Fütterer prägte vier Jahrzehnte die Oberpfalz-Medien

"Ich sag' nicht, des braucht's ned", scherzt Clemens Fütterer über die Flasche Burgunder Jahrgang 1962, die Verleger German Vogelsang tief aus seinem Fundus fischte.

Abschiedsfeier für Clemens Fütterer (Zweiter von links) mit (von links) Geschäftsführer Thomas Maul, Gattin Claudia Biller-Fütterer und den Verlegern Viola und German Vogelsang.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Ein Abschiedsgeschenk, das zur prägenden Figur des Weidener Lokaljournalismus der letzten Jahrzehnte passt: reif, süffig und mit einer Brise schwarzen Humors. "Der Applaus sagt alles", drückt Frank Werner, Leiter der Zentralredaktion, die Wertschätzung der vielen Kollegen aus, mit denen der regionale Wirtschaftsjournalist in verschiedenen Funktionen in Berührung kam: "Als Lokaljournalist, wie er im Buche steht, bestens vernetzt, immer auch wirtschaftliche Aspekte im Blick hat Clemens Fütterer die Lokalredaktion Weiden zehn Jahre mit großem Engagement geleitet", nennt Verlegerin Viola Vogelsang-Reichl eine. Die andere: "Neun Jahre hat er als Redaktionsleiter und Chefredakteur die Geschicke des Verlags geprägt."

Mit der ihm eigenen leisen Selbstironie dankt Fütterer Verlag, Geschäftsführung und Kollegen für die bewegende Stehparty nach finalem Dienstschluss: "Ich möchte Abbitte leisten für meine Ungeduld und meine vielen Ideen, mit denen ich euch traktiert habe."

Investigativ und seriös

Das Kürzel "cf", rühmt Verleger German Vogelsang "einen unserer profiliertesten Mitarbeiter seit Jahrzehnten", stehe für Qualität und Seriosität: "Dass bei ihm investigativ und seriös zusammen gehörten, ist das höchste Lob, das man einem Journalisten aussprechen kann."

Das gelte auch und besonders für die heikelste Phase in Fütterers Karriere, als er mit dazu beitrug, den Weidener Bauskandal um den verdienten, aber gefallenen Hans Schröpf aufzudecken: "Der Oberbürgermeister hat alles versucht, damit ich als Lokalchef abgelöst werde", erzählt er und erinnert an das lange, vergebliche Warten auf Staatsminister Gustl Lang in einem unbeheizten Bürotrakt. "Ich bin ihm heute noch dankbar, dass er sich nicht in diese Intrige einspannen ließ." Genauso dankbar wie dem Verlag, der hinter ihm gestanden sei.

Wächterfunktion der Heimatzeitung

Die Wächterfunktion der Heimatzeitung habe sich nicht nur in dieser Affäre bewährt: "Ohne eine wache Regionalzeitung wäre die WTW-Rutsche auch nach über 100 Verletzten lange nicht geschlossen, der Flugplatz Latsch wohl ausgebaut, die EDV-Schule in Wiesau nicht durch Verstaatlichung gerettet und wahrscheinlich auch der dritte Bauabschnitt der OTH in Weiden nicht so rasch verwirklicht worden." Fütterer betonte das vertrauensvolle "Spiel über Bande" mit den Abgeordneten jenseits aller Parteipolitik: "Eine Regionalzeitung hat die Aufgabe, der Region eine Stimme zu geben."

Die zwei Seiten eines Abschieds auf Raten: Nach gesundheitlichen Problemen sei es eine Befreiung gewesen, sich ab 2015 als leitender Redakteur wieder auf seine Kernkompetenz konzentrieren zu dürfen: recherchieren und kommentieren. "Als Türöffner zu Entscheidern der Region ist er unersetzlich", hofft Frank Werner auf moderate Unterstützung vom Homeoffice des 62-Jährigen.

Geruch nach Josef

In Maßen dürfte dieser Wunsch in Erfüllung gehen, wenngleich Fütterer auch bei seiner Frau Claudia, der großen Stütze seines Lebens, einiges gut zu machen hat: "Du riechst schon wieder nach Josef", tadelte sie augenzwinkernd, wenn er zu lange Stunden mit dem Pfeife schmauchenden Josef Wieder das Büro teilte. Die Abende und Wochenenden sollte der passionierte Gourmet, Weinkenner und Opa künftig besser zu nutzen wissen, empfiehlt Viola Vogelsang.

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