Corona-Hilfe für Tschechien von USA, EU und Nato

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Corona-Notstand in der Tschechischen Republik. Nächste Woche treffen 300 Militärärzte aus den USA sowie EU- und Nato-Ländern in Prag ein. Anfragen um Unterstützung an das Amberger und Weidener Klinikum gibt es bisher nicht.

Die Betten stehen für die Aufnahme von Patienten mit einer möglichen Corona-Infektion in einem tschechischen Behelfskrankenhaus bereit.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die Corona-Not in Tschechien ist inzwischen so groß, dass Ministerpräsident Andrej Babiš sogar schon Stephen King um Unterstützung gebeten hat: nicht den Horror-Schriftsteller, sondern den US-Botschafter in Prag. Die Botschaft bestätigte das Gespräch über den Einsatz von US-Spezialisten gegenüber der Tageszeitung Mladá Fronta Dnes (MFD): „Diese Militärmediziner haben Erfahrung im Umgang mit der Coronavirus-Erkrankung in den USA“, sagte King am Mittwoch.

Prag bittet Ärzte im Ausland um Rückkehr

Laut Verteidigungsminister Lubomír Metnar könnten sie nächste Woche ihre Arbeit im zentralen Militärkrankenhaus in Prag antreten. Gesundheitsminister Roman Prymula sagte nach einem Regierungstreffen, ein Team von 28 Ärzten der Nationalgarde aus Nebraska und Texas werde in der Tschechischen Republik erwartet. Außerdem nickte die Regierung am Donnerstag den Aufenthalt von 300 Militärmedizinern aus Ländern der EU und der Nato ab. Das Parlament soll nächste Woche zustimmen.

Wegen der außer Kontrolle geratenen Pandemie hat Tschechien im Ausland arbeitende Ärzte aufgerufen, vorübergehend nach Hause zurückzukehren. Gesundheitsminister Prymula begrüßte einen Aufruf der tschechischen Ärztekammer: „Wir sind dankbar für jede helfende Hand“, sagte Prymula. Das Gesundheitssystem stoße an seine Grenzen, weil sich zunehmend Mitarbeitende krank meldeten. Zuletzt hatten deutsche Krankenhäuser angeboten, tschechische Corona-Patienten aufzunehmen. Intensivbetten im Nachbarland werden knapp.

Verlegungen aus anderen Ländern werden in der Regel über die Ministerien vermittelt.

Dr. Harald Hollnberger

Dr. Harald Hollnberger

Klinikum Amberg beschäftige 31 tschechische Ärzte

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Regensburg

„Verlegungen aus anderen Ländern werden in der Regel über die Ministerien vermittelt und nicht direkt von Klinik zu Klinik“, sagt Dr. Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor des Marien-Klinikums in Amberg auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Dabei stünden primär Universitätskliniken als aufnehmende Kliniken im Vordergrund, erst in zweiter Linie Schwerpunktversorger wie in Amberg. „Das Klinikum St. Marien verfolgt das Pandemiegeschehen in unserer Region und natürlich auch in Tschechien“, sagt Hollnberger. „Über die Führungsgruppe Katastrophenschutz erhalten alle Kliniken der Region auch die Zahlen zum Infektionsgeschehen in Tschechien tagesaktuell.“

Das Amberger Klinikum beschäftige 31 tschechische Ärzte, allerdings keine Pflegekräfte aus dem Nachbarland. „Die tschechischen Ärzte bei uns am Klinikum haben überwiegend ihren Erstwohnsitz hier in unserer Region.“ Pendlerbescheinigungen habe man seit September erst für drei Ärzte ausgestellt. Im Vordergrund hätten dabei Besuche bei der Familie gestanden.

Klinikum Weiden testet pendelnde Mitarbeiter

Auch die Kliniken Nordoberpfalz AG müssen derzeit keine Nachbarschaftshilfe leisten: „Alle tschechischen Kolleginnen und Kollegen haben wie gewohnt ihren Dienst in ihren Abteilungen aufgenommen“, erklärt die Medizinische Direktorin Michaela Hutzler. „Was die Unterstützung tschechischer Krankenhäuser durch bayerische Einrichtungen betrifft, liegen uns keine Information über ein entsprechendes Vorgehen vor.“ Auch seien bisher noch keine Anfragen zur Übernahme tschechischer Patienten gestellt worden.

„Wir sind uns der Entwicklung der steigenden Infektionszahlen in Tschechien natürlich bewusst“, fährt Hutzler fort. „Auch aus diesem Grund haben wir bereits vor einigen Wochen eingeführt, dass Pendler aus Tschechien ein Mitarbeitertagebuch führen, in dem mögliche Symptome einer Erkrankung eingetragen werden.“ Rund 15 Mitarbeiter pendelten aus Tschechien ein. „Diese werden in kurzen Abständen regelmäßig getestet“, sagt die Direktorin. „Dies dient deren Sicherheit ebenso wie der Sicherheit unserer Patientinnen und Patienten.“

Corona-Lage in Tschechien:

15.000 Neuinfektionen am Mittwoch

Die Corona-Lage in Tschechien hat sich in letzter Zeit drastisch verschärft. Allein am Mittwoch meldeten die Behörden rund 15.000 Neuinfektionen. 124.000 Menschen sind mit dem Coronavirus infiziert. Dies geht aus den Zahlen des Gesundheitsministeriums hervor. Das entspricht über einem Prozent der Gesamtbevölkerung. Nach Angaben der EU-Agentur ECDC steckten sich in Tschechien innerhalb von 14 Tagen im Schnitt 770,5 Menschen je 100.000 Einwohner an. Das war der höchste Wert unter allen EU-Mitgliedstaaten. Tschechien hat knapp 10,7 Millionen Einwohner.

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