Dudenhöffer fordert Atomstrom für E-Mobilität

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Der Auto-Papst referiert in der Weidener A.T.U.-Academy: Professor Ferdinand Dudenhöffer, Ordinarius für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, hält das Elektroauto für alternativlos.

Professor Ferdinand Dudenhöffer macht es sich in der A.T.U.-Academy bequem.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

ONETZ: Herr Dudenhöffer, wie wird man eigentlich Auto-Papst und schafft es, dass jedes Medium Sie befragt, sobald mehr als ein Rad ins Spiel kommt?

Ferdinand Dudenhöffer: Wenn jemand Auto-Papst zu mir sagt, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Experte klingt sympathischer. Man beschäftigt sich intensiv mit einem Thema, wenn die Ergebnisse interessant sind, kommen die Medien auf einen zu

ONETZ: Sind Sie denn heute zu Ihrem Vortrag „Elektroauto alternativlos?“ in der Weidener ATU-Academy mit einem Elektro-Auto angereist?

Ferdinand Dudenhöffer: Nein, das ist mir zu weit, mit dem Flieger aus Düsseldorf, von Nürnberg mit dem Zug. Wenn ich viel fahre, sind das 10 000 Kilometer im Jahr. Trotzdem haben wir in unserem Zweifamilienhaushalt zwei Autos.

ONETZ: Was sagt das Aus der IAA in Frankfurt über die Branche?

Ferdinand Dudenhöffer: Das sagt etwas über die Messe aus. Klassische Automessen müssen sich neu erfinden oder sie werden sterben. Von jedem neuen Wagen gibt es vorher schon tausende Videos, sie stehen bereits beim Händler. Niemand fährt mehr nach Frankfurt, um sich 500 aufgereihte Fahrzeuge anzugucken. Leipzig ist gestorben, Genf hat seine Probleme, Detroit ist tot, Tokyo führt einen verzweifelten Überlebenskampf. Nur China kann sich keiner entziehen, das ist der Mittelpunkt der Autowelt, wo auch Tesla zu sehen ist.

Ferdinand Dudenhöffer im Interview.

ONETZ: Sie prognostizieren, dass 2020 die Talsohle erreicht ist: Woher wissen Sie, dass Trumps Zollfeldzüge beendet sind?

Ferdinand Dudenhöffer: Trump will, dass seine Wirtschaft nach der Wahl weiterläuft. Er hat mit seiner Politik ja auch den Amerikanern geschadet, nicht nur den Chinesen. Allerdings tut der Coronavirus dem Markt enorm weh, Produktionen stehen still, Lieferketten sind unterbrochen. Das wirft die Branche zurück. Aber sie wird sich erholen.

ONETZ: Die Bundesregierung und besonders Verkehrsminister Scheuer verteidigen den Diesel wie ein nationales Heiligtum. Sie sagen, er ist 2025 tot?

Ferdinand Dudenhöffer: Diesel ist tot. Scheuer hat auch die Maut bis zum Tod verteidigt. Die von der EU vorgeschriebenen CO2 Werte bekommen Sie mit keinem Diesel hin. Daimler oder Volvo versuchen es mit einer Plug-in-Lösung als Übergang. Aber ob das wirklich komfortabel ist, alle 60 Kilometer an die Steckdose zu müssen? Langfristig führt kein Weg am E-Auto vorbei.

Ferdinand Dudenhöffer unter Strom.

ONETZ: An welchen Herstellern bleibt der Diesel-Skandal kleben?

Ferdinand Dudenhöffer: Wenn alle juristischen Auseinandersetzungen beendet sind, wird sich in drei Jahren keiner mehr daran erinnern. Man muss sich neues Vertrauen erarbeiten, aber die Zeit heilt manchmal Wunden, wenn die Produkte von morgen vernünftig sind.

ONETZ: Beim ZDF-Themenabend zur Elektromobilität kamen unsere Hersteller schlecht weg: Wer hat die besseren Chancen, BMW und VW oder Tesla und die chinesische Marke Byton?

Ferdinand Dudenhöffer: Alteingesessene Konzerne müssen ihre Geschäftsprozesse neu ausrichten, weil man keine komplizierten Verbrennungsmotoren und Abgasanlagen mehr braucht und einfachere Getriebe. Das geht ins Geld und braucht viele Mitarbeitergespräche.

ONETZ: Dafür hat Tesla Schwierigkeiten mit der Massenproduktion?

Ferdinand Dudenhöffer: Tesla hat in 10 Monaten eine neue Fabrik in China hingestellt. Bei Elon Musks Dynamik bin ich mir sicher, dass die in zehn Jahren mehr als zwei Millionen Autos bauen. Das sehen die Börsenleute ähnlich. Tesla ist in der E-Mobilität State of the Art. Wegen der Effizienz ihres Motors kommen sie mit einer Batterieladung weiter. Kundenvorteile gibt es bei der Rückgewinnung von Energie, bei der Steuerung der Batterie im richtigen Temperaturbereich.

ONETZ: Wie dramatisch wird der Einbruch bei der Zulieferindustrie?

Ferdinand Dudenhöffer: Der Verbrennungsmotor mit seinen Nebenaggregaten macht 30 Prozent von den Kosten des Autos aus. Nach unserer Einschätzung wird dieser Umbau gut 250 000 Arbeitsplätze bei Autobauern und Zulieferern kosten. Es werden aber auch neue Jobs entstehen, da bieten sich innovativen Zulieferern alle Chancen.

Ferdinand Dudenhöffer bei seinem Vortrag.

ONETZ: Was muss für den Umstieg auf die E-Mobilität noch passieren?

Ferdinand Dudenhöffer: Die Politik ist zehn Jahre zu spät dran. Wirtschaftsminister Altmaier kommt in Talkrunden sympathisch rüber, weil er ein gemütlicher Typ ist. Das Grundproblem ist, dass die Regierung keinem wehtun will. Anstatt das Richtige zu tun, gibt sie allen Subventionen, auch wenn es unsinnig ist wie beim Diesel. Dazu kommt: In Berlin bekommt man Geld, wenn man eine Ladesäule irgendwo hinstellt. Besser wäre es, erst eine flächendeckende Planung und Vorgaben zu machen, um die Preisstruktur in den Griff zu bekommen. Der Verbraucher fragt sich, wieso er bis zu 70 Cent für die kWh zahlen soll, wenn der Haushaltsstrom nicht mal die Hälfte kostet.

ONETZ: Viele haben Zweifel, dass die Energiewende schnell genug vorangeht, um flächendeckend E-Autos versorgen zu können. Glauben Sie daran?

Ferdinand Dudenhöffer: Wenn wir wollen ja. Vielleicht müssen wir die Diskussion um den Atom-Ausstieg noch einmal führen, wenn ohnehin rund um uns noch Atomkraftwerke laufen. Wir müssen gucken, wie wir mit der Strom-Infrastruktur umgehen. Erdleitungen kosten viel Geld, das zahlt der Steuerzahler. Wir stehen uns zu oft selbst im Weg, auch bei der Windenergie. Das liegt an der Schwäche der Bundesregierung.

ONETZ: VW verärgert derzeit die Hamburger Taxifahrer mit dem Uberesken Moia-Projekt – verdienen Autokonzerne künftig mehr mit Fahrdienstleistung als mit Verkauf?

Ferdinand Dudenhöffer: Da herrscht viel Ernüchterung, da werden schon wieder Kapazitäten abgebaut. Daimler und BMW legen ihre Mobilitätsservices zusammen, bei Car Sharing gibt es nur Einbußen, selbst Uber arbeitet nur mit Verlusten.

ONETZ: Was fällt Ihnen zu Weiden ein?

Ferdinand Dudenhöffer: Die Werbung von Witt Weiden kannte ich schon als Bub. Porzellan Seltmann und A.T.U. Beeindruckende Unternehmerpersönlichkeiten mit Vorbildfunktion kommen aus Weiden. Die Landschaft ist paradiesisch.

ONETZ: Sehen Sie das Geschäftsmodell von A.T.U. gerüstet für die E-Mobilität?

Ferdinand Dudenhöffer: Sie haben ein großes Werkstättengeschäft, Auspuff und Co fallen weg, es gibt weniger, aber anspruchsvollere Ersatzteile – das kann bei E-Autos genauso funktionieren wie bei herkömmlichen. Früher hat der TÜV mit dem Hämmerchen geklopft, ob etwas durchgerostet ist, heute sagt das Auto über seine Software, wenn es etwas braucht.

Ferdinand Dudenhöffer und A.T.U.-Führungskräfte bei einer kurzen Fragerunde.
Unter Strom: A.T.U. baut Lade-Infrastruktur auf:

Autopapst Ferdinand Dudenhöffer ist sich sicher: An der E-Mobilität führt kein Weg vorbei – und A.T.U. baut kräftig mit an einer Zukunft ohne Verbrennungsmotor. Geschäftskundenleiter Thomas Tietje skizziert in der Weidener A.T.U.-Academy eine turbulente Welt im Umbruch: Die Feuerkatastrophe Australiens mit bisher unbekannter Intensität, Trumps America-First-Steuerdrohungen, der Brexit mit oder ohne Abkommen, der Bürgerkrieg in Libyen um Rohstoffe, der Coronavirus in China, der Lieferketten unterbricht, und die verständlichen Forderungen der Jugendlichen bei den „Fridays for Future“-Demos.

„Nachhaltigkeit war für uns immer ein wichtiges Thema, auch wenn es schwierig ist, wirtschaftliche Interessen und Klimaschutz auf einen Nenner zu bringen.“ Mit der Neuausrichtung auf E-Mobilität und der umweltfreundlichen Reststoffentsorgung und -wiederaufbereitung von Flüssigkeiten und Reifen will A.T.U. als Mitglied der Mobivia Gruppe eine der führenden Ketten mit über 2000 Werkstätten in Europa einen beträchtlichen Beitrag dazu leisten. „Aktuell haben wir an 45 Standorten eine Lade-Infrastruktur“, sagt Vertriebsleiter Tobias Hillwig. „Den Ausbau werden wir weiter forcieren.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.