Experten zu Zugausfällen beim "Alex": Beinahe schon planmäßig

Die Länderbahn streicht quer durch die Oberpfalz massiv Verbindungen. Für Insider ist das keine Überraschung. Die Situation in der Bahnbranche sei derzeit einfach extrem.

Der Alex fährt in Weiden ein - allerdings zu selten pünktlich
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Trotz massiver Ausfälle bei "Alex" und Oberpfalzbahn: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hält sich nach der Hiobsbotschaft mit Kritik zurück. "Die Länderbahn ist bemüht, die personalbedingten Fahrplaneinschränkungen beim 'Alex' und der Oberpfalzbahn auf einzelne, schwächer nachgefragte Zeitlagen zu beschränken", heißt es in einer schriftlichen BEG-Erklärung.

Die neue Milde ist bemerkenswert, weil die für Bahnaufsicht zuständige BEG die Länderbahn noch im vergangenen Herbst abgemahnt hat. Es war das erste mal in der Geschichte, dass die BEG zu diesem harten Mittel gegriffen hatte. Selbst der Fahrgastverband "Pro Bahn" hatte damals überrascht über diese Härte reagiert.

Der stellvertretende Pro-Bahn-Vorsitzende Lukas Iffländer liefert eine mögliche Erklärung für die Milde: "Der BEG fliegen gerade alle Regionalnetze um die Ohren." Möglicherweise betrachte die BEG die Ausfälle zwischen München und Hof nicht als größtes Problem. Zudem habe die Länderbahn einen Pluspunkt gesammelt, indem sie eine alte Pro-Bahn-Forderung umgesetzt hat. Das Unternehmen hat zwei zusätzliche Siemens-Lokomotiven angeschafft, so dass sie zumindest die materialbedingten Ausfälle besser im Griff hat, erklärt Iffländer. Zuvor gab es keine Wartungsreserven, wenn eine Lok ausfiel, hatte das Folgen für den Fahrplan. Ohne so konkret zu werden, lobt auch die BEG einzelne Maßnahmen, "die eine Verbesserung bei den Zugausfällen" ergeben habe.

Allerdings helfen Lokomotiven nichts, wenn niemand da ist, der sie fährt. Dass derzeit die gesamte Branche vor gewaltigen Problemen steht, darin sind sich Pro Bahn und BEG einig. Ein Blick auf die Vertragsstrafen der Länderbahn belegt, dass sich die Situation seit dem Krisenjahr 2018 kaum verbessert hat. 2,6 Millionen Euro musste die GmbH 2018 bezahlen, weil sie Leistungen nicht wie vereinbart erbracht hat. Nach dem ersten Halbjahr 2019 sind es 1,5 Millionen Euro, erklärt die BEG. Aufs Jahr hochgerechnet scheint die Länderbahn also mindestens genauso häufig Verträge zu verletzen, indem sie Pünktlichkeitswerte nicht einhält und andere Punkte verletzt.

Ungewöhnlich findet Experte Lukas Iffländer an den neuerlichen Ausfällen lediglich die Dauer. Dass die Länderbahn den Fahrplan für gut acht Wochen im Voraus einschränkt sei schon bemerkenswert. Die BEG merkt zwar an, dass sich durch die Ersatzbusse die Fahrt um bis zu 45 Minuten verlängern könne. "Grundsätzlich wird weiterhin für alle Reisenden das Schienenpersonennahverkehr-Angebot auf allen Linien aufrechterhalten, auch wenn es derzeit zu Reisezeitverlängerungen, zusätzlichen Umstiegen und vereinzelt zur Reduzierung der Taktdichte kommt." Das klingt so, als wäre die BEG schon zufrieden, dass bei der Länderbahn nicht noch mehr Züge ausfallen.

Das zeigt, wie groß das Personalproblem ist, das "mittlerweile alle Regionen in Deutschland sowie alle Verkehrsunternehmen" betreffe. "Für die BEG und den Freistaat Bayern hat die Verbesserung der Personalsituation im Schienenpersonennahverkehr höchste Priorität. Auch deswegen habe der Freistaat mit seinen Verkehrsunternehmen und der Arbeitsagentur die "Fachkräfteoffensive Bahn Bayern" ins Leben gerufen.

Die Länderbahn selbst verweist auf eine Kooperation mit einer Eisenbahnerschule in der serbischen Hauptstadt Belgrad, von der sie sich kurzfristig neue Lokführer verspricht. Für Lukas Iffländer zeigen solche Versuche nur, wie groß die Verzweiflung der Akteure sein müsse. Schon die Sprachbarriere sorge dafür, dass es längere Zeit dauert, bis ein serbischer Lokführer in Deutschland fahren kann. Schließlich müsse der Zugführer sicher mit dem Stellwerk kommunizieren können. Für Iffländer ist ein kurzfristige Lösung kaum vorstellbar. Mittelfristig müssen die Unternehmen bei der Entlohnung ansetzen. Für ihn als Fahrgastvertreter sei dies zwiespältig, weil höhere Löhne für Lokführer auch höhere Ticketpreise bedeuten. "Aber mir ist ein etwas teurerer Zug lieber, als ein Zug der ständig ausfällt."

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