Finanzforum macht Altersvorsorge sexy

Ein komplexes Thema und das Publikum hat trotzdem Spaß: Das dreistündige Finanzforum vergeht wie im Flug. Das liegt vor allem an den drei Experten - die sich für zwei Anlageformen stark machen, die in Deutschland nicht den besten Ruf haben.

von Julian Trager Kontakt Profil

Gertrud Diermeier ist begeistert, aber auch überrascht. "Es war nie langweilig, immer unterhaltsam", sagt die NT-Leserin nach dem Finanzforum im Verlagshaus von Oberpfalz-Medien. "Trotz der komplexen Inhalte war es verständlich." Und witzig. Der beste Tipp, um auch im Alter Geld zu haben? "Erben oder reich heiraten", sagt Franz-Josef Leven, dann lacht der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts. Mit ihm das Publikum.

Unterhalten sollte das von Oberpfalz-Medien, der Volksbank Raiffeisenbank (VR) Nordoberpfalz und der Fondsgesellschaft Union Investment veranstaltete Finanzforum - aber auch helfen, Themen rund um Geld und Finanzen besser zu verstehen. Wie sorge ich am besten fürs Alter vor? Was ist zu tun in Zeiten der Niedrigzinsen? Sind Aktien eine gute Geldanlage? Rund 200 Leser kamen zu der Veranstaltung, viele reichten Fragen ein. Die drei Experten - Leven, Rudolf Winter (Vorstandssprecher der VR Nordoberpfalz) und Klaus Riester (Geschäftsführer der Union Investmet Privatfonds) - antworteten.

Finanzbildung

"Die Finanzbildung in Deutschland ist im Durchschnitt miserabel", sagt Leven. Jeder zweite Deutsche hat laut einer Studie keinerlei Finanzbildung, sagt Rudolf Winter, obwohl jeder neunte daran interessiert ist. Das liege vor allem am deutschen Rentensystem - das Jahrzehnte lang hervorragend funktionierte, sagt Klaus Riester und blickt auf andere Länder: "Da sind die Bürger selber verantwortlich, ob sie mit 67 noch Geld haben." Aber auch in Deutschland ändere sich die Situation, Stichwort demografischer Wandel. "Das System geht nicht mehr auf", sagt Riester. Die Leute, vor allem die jungen, müssen selbst aktiv werden. Dabei könne der Opa oder Vater oft nur selten helfen, im Gegenteil: "Das ist brandgefährlich. Wie Opa sein Geld angelegt hat, funktioniert heute nicht mehr."

Altersvorsorge

Man solle alle Möglichkeiten des Altersvorsorgesystems nutzen, sagt Winter und nennt die Säulen: Gesetzliche Rentenversicherung, private und betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente, fondsgebundene Rentenversicherung, Lebensversicherung - und das eigene Haus. "Wenn das abgezahlt ist, ist es eine der besten Altersvorsorgeformen."

Mit dem Eintritt ins Berufsleben sollte man sich um die private Altersvorsorge kümmern, meint Riester. "Unsere Kinder sollten das als Basis verstehen. Man kann erahnen, dass ein heute 30-Jähriger deutlich weniger Rente bekommt als ein Rentner heute." Das Problem: "Altersvorsorge ist nicht sexy." Sie ist wie ein Zahnarztbesuch, sagt Riester: Es macht keinen Spaß, wenn man es aber nicht tut, bereut man es später.

Viel besser als ihr Ruf ist die Riester-Rente, findet Klaus Riester - "und das sage ich nicht nur, weil ich so heiße". Riester wird er emotional. "Das ist das beste Angebot, das ein Staat seinen Bürgen weltweit gemacht hat". Alles, was die Leute einzahlen, sei garantiert - plus Zulagen und eventueller Rendite. "Jeder, der sagt, das lohnt sich nicht, hat's nicht verstanden."

Niedrigzinsumfeld

Die EZB wird die Zinsen in den nächsten Jahren nicht groß anheben, prognostizieren Leven und Riester. In diesem Umfeld bringe das klassische Sparen nicht mehr viel. "Ein Sparbuch hat früher bei sechs Prozent Zinsen funktionert. Heute nicht mehr", sagt Riester. Und auch in den nächsten Jahren bringe das keine Rendite. Im Gegenteil: "Am Ende hat man wegen der Inflation weniger am Konto", sagt Winter. Um im Alter mehr Geld zu haben, müsse man neue Wege gehen. "Nach zehn Jahren Niedrigzinsen sollte jeder sagen: Wir müssen uns anpassen", meint Riester. In Aktien investieren sei das neue konservative Sparen.

Aktien

Da gibt's aber noch Zweifel. "Die Deutschen fragen mich: Wie viel Verlust haben Sie schon mit Aktien gemacht? In den USA würde man sagen: Wie viel haben Sie schon gewonnen?", erzählt Leven. Man sollte mehr riskieren - es lohne sich. Ein paar Regeln: Nicht zu viel Geld auf ein Pferd setzen, ohnehin niemals alles auf ein Unternehmen setzen; die Aktien breit streuen - also in mehrere Firmen, verschiedene Branchen auf unterschiedlichen Kontinenten stecken. Auch wichtig: "Diziplin und Mut", sagt Riester. "Nicht nervös machen lassen, nie emotional werden." Und: Auch wenn's an der Börse mal turbulenter zugeht, sollte man die Aktien liegen lassen, nicht verkaufen. "Langfristig denken", lautet die Devise, die Winter ausgibt. "Dann ist das eine der sichersten Anlageformen", sagt Leven.

Digitalisierung

Die Sorge vieler Menschen, dass durch die Digitalisierung der Bankberater vor Ort ersetzt wird, können die Experten entkräften. "Das wird nicht der Fall sein. Vertrauen ist uns wichtig", sagt Winter. Die Maschinen seien trotzdem nützlich. "Alles, was bequem ist, wird sich durchsetzen", sagt Riester. Wie der digitale Anlageberater der VR.

Apropos digital: Wie schaut's mit Kryptowährungen wie Bitcoins aus? "Das ist rein spekulativ", sagt Riester. "Da soll man lieber ins Casino gehen." Mit einem Rohstoff wie Gold sei das nicht vergleichbar. "Schenken Sie Ihrer Frau eine Bitcoin-Kette zu Weihnachten", sagt Riester. Das Publikum lacht. Womöglich auch Leserin Gertrud Diermeier. Wie sie die Veranstaltung fand? "Meine Erwartungen sind voll erfüllt worden." Was sie mitnimmt? "Ich habe eine Bestätigung bekommen, dass ich in der Vergangenheit ein Stück weit richtig gehandelt habe." Und: "Ich fühle mich animiert, neue Wege zu gehen."

Info:

Rudolf Winter: Für ihn ist das Finanzforum in Weiden ein Heimspiel, Winter ist seit 21 Jahren im Vorstand der VR Nordoberpfalz. Die Bank hatte im vergangenen Jahr eine Bilanz von 2,9 Milliarden Euro und 720 Mitarbeiter, davon – und das ist besonders – 60 in fünf Filialen in Tschechien.

Franz-Josef Leven: Der Rheinländer lebt und arbeitet in Frankfurt, er ist stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts, bei dem er seit 29 Jahren tätig ist. Leven habe die Hoffnung nicht aufgegeben, die Deutschen zu Aktien bewegen. Er wolle die Aktienkultur in Deutschland fördern.

Klaus Riester: Der Geschäftsführer der Union Investment Privatfonds kommt auch aus Frankfurt. Er sagt: „Bei uns arbeiten 3000 Menschen daran, dass wir das Optimale aus dem Finanzmarkt bekommen.“ Mit Walter Riester, dem Erfinder der Riester-Rente, ist er nicht verwandt – aber gut bekannt.

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