Fortnite: Das sollten Eltern beachten

Das Computerspiel Fortnite kann zu einem Problem in der Familie werden. Medienexperten aus der Oberpfalz sehen vor allem die Eltern in der Pflicht. Sie empfehlen klare Regeln - und fordern eine neue Einstellung zur Medien-Welt der Kinder.

Das Computerspiel Fortnite zieht Kinder und Jugendliche in den Bann. Experten sehen vor allem die Eltern gefordert, Aufklärung zu schaffen.
von Julian Trager Kontakt Profil

Was tun, wenn der zehnjährige Sohn stundenlang Fortnite zockt? In vielen Familien ist das beliebte Computerspiel mittlerweile ein Problem geworden - weil der Nachwuchs dadurch andere Hobbys vernachlässigt oder viel Geld ins Spiel steckt. Medienexperten sehen da vor allem die Eltern in der Pflicht: Die müssten nicht nur klare Regeln einführen, sondern sich auch selbst hinterfragen. Und sie müssten mehr Interesse für die Lebenswelt ihrer Kindern zeigen.

Sind Regeln sinnvoll?

Ja. Philipp Reich, Leiter des Jugendmedienzentrums T1 in Falkenberg, sagt: "Eltern müssen die Spielzeiten regulieren, am besten mit den Jugendlichen zusammen Regeln aufstellen, einen Mediennutzungsvertrag aushandeln." Daran müssten sich die Kinder halten - was ihnen dann oft leichter falle. Die Regeln gälten auch für die Erwachsenen.

Ab wann ist Fortnite geeignet?

Gerade der beliebte Battle-Royal-Modus wurde nicht von der USK geprüft, weil er nur online spielbar ist. Der NRW-Spieleratgeber empfiehlt eine Freigabe ab 14 Jahren. "Da schließe ich mich an", sagt Reich, "für Kinder unter 14 Jahren ist das Spiel nicht geeignet." Problem: Fortnite ist gerade bei Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahren beliebt, auch bei Grundschülern.

Wie lange sollte man spielen?

Kann man laut Reich und Romina Nölp, Medienpädagogin bei der Medeienfachberatung für den Bezirk Oberpfalz, pauschal nicht sagen. Jedes Kind sei unterschiedlich, entwickle sich anders. Reich nennt eine Faustregel zur Orientierung: "Zehn Minuten Bildschirmzeit am Tag pro Lebensjahr." Für einen Zehnjährigen wären das dann 100 Minuten am Tag - vor dem Bildschirm. Dazu zählten auch die Zeiten am Smartphone. "Wenn ein Zwölfjähriger vier Stunden am Tag spielt, ist das viel zu viel."

Eine Mutter und ein Lehrer warnen vor zu viel Fortnite-Konsum

Weiden in der Oberpfalz

Was, wenn überzogen wird?

Nie den Stecker während des Spiels ziehen, sagt Medienexperte Reich. Nicht emotional, ungeduldig werden. Besser: Dem Nachwuchs erklären, dass nach dem Spiel Schluss ist für heute, dass die ausgemachte Bildschirmzeit überzogen wurde. "Eltern müssen die Autorität haben, zu sagen: 'Jetzt ist die Zeit um. Schau, dass du fertig wirst.'"

Diese Regulierung ist aber schwierig, gibt Reich zu. "Das fällt ja schon Erwachsenen schwer. Die hocken mit dem Smartphone am Klo oder am Frühstückstisch." Kinder täten sich noch schwerer. Erwachsene müssten sie begleiten, denn die Kinder müssten erst einen gesunden Umgang mit Medien lernen. "Gerade bei einem so mächtigen Spiel wie Fortnite muss man den Kindern helfen." Denn einerseits sei das Spiel mit seiner Comic-Optik relativ harmlos im Vergleich zu Spielen ab 18 - andererseits sei der Entwickler von Fortnite sehr erfolgreich damit, Spieler zu binden.

Aufpassen beim Geld!

Eltern sollten wissen, über welche Wege sich die Kinder in dem Spiel etwas kaufen können, sagt Reich. Zum Beispiel im Supermarkt, wo es Guthaben-Karten gibt. "Ich bezweifle, dass alle Eltern das kapieren." Aufklärung sei notwendig, Gespräche mit den Kindern auch. Reich vergleicht das Phänomen mit einem Panini-Sammelalbum. "Da geben Jugendliche auch bis zu 300 Euro aus, und ich denke mir oft, dass da der Sinn auch nicht immer klar ist."

Vertrauen aufbauen!

Eltern sollen Interesse am Spiel zeigen, finden die Experten Reich und Nölp. Viel mit den Kindern darüber reden. Warum spielt das Kind? Was findet es gut daran? Wie funktioniert's? "Es muss ein Vertrauen da sein zu den Eltern. Dass die Kinder zu den Eltern gehen können, wenn etwas nicht stimmt", sagt Jugendzentrum-Leiter Reich. Wenn Eltern das Spiel verteufeln, bringe das keinen weiter.

Mitspielen!

Spielen Eltern sogar mit, ist das super, findet die Regensburger Medienpädagogin Nölp. "Die Kinder freuen sich, fühlen sich wertgeschätzt." Die Eltern würden mitbekommen, was der Nachwuchs so macht."Aber viele Eltern haben Angst davor, das Heft der Allwissenheit aus der Hand zu geben."

Einstellung ändern!

"Ohne das Interesse der Eltern an der Welt ihrer Kinder kommt es zwangsläufig zum Konflikt. Das Spiel ist dabei aber nur Auslöser, nicht Ursache", sagt Nölp. Philipp Reich zieht einen Vergleich mit dem Hobby seiner Tochter, sie spielt Blockflöte. "Da höre ich mir auch die Konzerte an und übe mit ihr - obwohl das nicht meine Sache ist." Aber das sei halt die Lebenswelt seiner Tochter. "Das macht man dann halt, genauso wie mit zum Fußball zu gehen, oder zum Ballett."

Bei Medien ist das anders, findet Reich. Da frage keiner, ob es dem Kind Spaß gemacht, mit wem es gespielt habe. Aber: "Medien gehören zur Lebenswelt dazu. Das ist auch eine Pflichtveranstaltung für die Eltern, da Interesse zu zeigen." Bei Online-Spielen wie Fortnite sollte man junge Kinder ohnehin nicht alleine spielen lassen.

Studie: 450.000 Jugendliche haben Probleme:

Mehr als 450 000 Jugendlichen haben einer Studie der Krankenkasse DAK zufolge wegen Computerspielen emotionale Probleme und zeigen Suchtverhalten. Das liege daran, dass das Computerspiel derzeit für viele auch zum Glückspiel werde, sagte der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, in Berlin. So führten sogenannte In-Game-Käufe dazu, dass Spieler ihr Taschengeld in vermeintlich kostenlose Spiele steckten, weil sie mit einigen Extras ihre Chancen steigern wollten. Anlass der Studie war laut DAK die zunehmende Beliebtheit von Spielen wie Fortnite, Fifa oder Minecraft bei Millionen von Kindern und Jugendlichen. (epd)

Philipp Reich, Leiter des Medienzentrums T1 in Falkenberg, fordert von den Eltern mehr Interesse an der Lebenswelt ihrer Kinder. Und dazu gehöre eben auch Fortnite.

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