"Free Mandela": Der lange Weg zur Freiheit

Englischsprachiges Theaterstück begeistert in der Weidener Max-Reger-Halle: Eine hervorragende Ensembleleistung unter Regie von Paul Stebbings.

Hochklassiges Theater in englischer Sprache wurde am Mittwochabend in der Max-Reger-Halle mit "Free Mandela" geboten.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Mit der Freiheit ist es so eine Sache: Wer wird eigentlich befreit? Und wer hat etwas davon? Profitieren davon jene, die zuvor in Unfreiheit waren, und was passiert mit denen, die vorher dafür gesorgt haben, dass es die gleiche Freiheit für alle nicht gab? Am Mittwochabend war es keine leichte Kost, die in der Max-Reger-Halle zu sehen ist: Die Kulturbühne Weiden hat eingeladen zur englischsprachigen Aufführung des Stückes "Free Mandela" von Paul Stebbings, dargeboten von der American Drama Group Europe in Kooperation mit dem "TNT Theatre Britain".

Hochklassiges Theater in englischer Sprache wurde am Mittwochabend in der Max-Reger-Halle mit "Free Mandela" geboten.

Es geht natürlich um das Leben von Nelson Mandela, beginnend in dessen Kindheit und endend am 11. Februar 1990 mit dessen Freilassung nach insgesamt 27-jähriger Haft. Vieles daraus wird dokumentarisch in Szenen nacherzählt. Doch es geht auch um Winnie Mandela, die so etwas wie die Erzählerin des Stückes ist. Der Theaterbesucher bekommt einen tiefen Einblick in die Seele der Frau und kann sich daraus erklären, warum und wieso Winnie auch dunkle Wege beschritten hat.

Hochklassiges Theater in englischer Sprache wurde am Mittwochabend in der Max-Reger-Halle mit "Free Mandela" geboten.

So wird deutlich, dass es sich im Kampf der Mandelas eben um keine reine "Schwarz-Weiß-Geschichte" handelt, sondern auch der Schatten seinen Platz hat. Politische Rahmenbedingungen der Apartheid in Südafrika werden während der zweistündigen Inszenierung genauso thematisiert wie Wege zu Radikalisierung und Rachsucht (Winnie) sowie Deradikalisierung (Nelson). Was das Theaterpublikum in der Halle erlebt, kann sich hören und sehen lassen: Unter der Regie von Paul Stebbings gelingt dem fünfköpfigen Schauspielerensemble eine spannende Umsetzung des Stoffes. Sowohl akustisch wie auch inhaltlich bemühen sich die Akteure um eine verständliche Darbietung, die auch weniger englischaffine Zuschauer in den Bann zieht. Nicht fehlen darf dabei der Auszug aus dem Lieblingsgedicht Mandelas, das diesem über die lange Haftzeit geholfen habe: "It matters not how strait the gate, how charged with punishments the scroll. I am the master of my fate, I am the captain of my soul."

Die Darbietung fußt auf außerordentlich guten Schauspielern: Da ist zum einen natürlich Nelson-Darsteller Sobowale Bamgbose, zum anderen aber vor allem Chipo Kureya und Anne Marie Anang, die als die "jüngere" und die "ältere" Winnie agieren. Die hervorragende Ensembleleistung wird ergänzt durch Alpha Karbo und Edward Muruako.

Das reduziert gehaltene multifunktionale Bühnenbild lässt die volle Konzentration auf den Text zu, perfekt eingebettet ins Geschehen ist die eingespielte Musik aus der Feder von John Kenny. Mit viel Applaus wird die eindrucksvolle und auch inspirierende Darbietung gewürdigt. Der Abend macht deutlich, wie wahr die berühmte Einschätzung Mandelas ist, er in seiner Autobiografie formuliert hat: "Denn um frei zu sein genügt es nicht, einfach nur die Ketten abzuwerfen, sondern man muss so leben, dass man die Freiheit des anderen respektiert und fördert."

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