Auf Fußballfeld knacken Knochen

Bei einem Freundschaftsspiel der A-Jugend des FC Amberg gegen die SpVgg Weiden knackten die Knochen. Ein Spieler aus Weiden brach einem Amberger Stürmer das Bein. Dieser fordert nun 30 000 Euro Schmerzensgeld.

Ein energischer Zweikampf, fotografiert auf einem Fußballplatz im Landkreis Neustadt/WN in der letzten Saison (Symbolbild). Aktuell werden an den Landgerichten Weiden und Amberg zwei Fälle verhandelt, bei denen es bei Fußballspielen zu ernsthaften Verletzungen gekommen war.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Am Landgericht Weiden ist nun die Entscheidung gefallen. Richter Matthias Bauer (1. Zivilkammer) versagte dem damals 17-jährigen Sportgymnasiasten eine Entschädigung. Begründung: Fußball sei ein Wettkampfsport. "Wenn ich Fallschirm springe, weiß ich, dass ich an einem Baum hängen kann. Wenn ich Fußball spiele, weiß ich, dass ich in einen Zweikampf gehe." Gerichte entschieden oft bewusst nicht kleinlich, um den Sport nicht zu zerstören. Würde jeder Regelverstoß eine Haftung begründen, wäre jede Teilnahme an einem Fußballwettkampf mit einem Haftungsrisiko verbunden. Schmerzensgeld käme nur in Betracht, wenn das Foul vorsätzlich oder grob fahrlässig gewesen wäre.

Das war es aus Sicht des Gerichts nicht. Es gibt nicht nur einen Videobeweis: Es gibt gleich mehrere. Ein Betreuer des FC Amberg hat das Spiel in Weiden am 29. August 2015 mit seinem Handy gefilmt, ebenso der Vater des verletzten Spielers. Auf Großbildschirm werden die Sequenzen vor Gericht vorgeführt. Zu sehen ist ein flottes Spiel zwischen den Ambergern in blauen Trikots und den Weidenern in Grün. 18.15 Uhr, 15. Minute, Amberg liegt 0:3 vorne.

Der Amberger Stürmer läuft etwa auf Höhe der Mittellinie hinter dem Ball her und will ihn spielen. Zeitgleich läuft ein Weidener Angreifer auf den Ball zu und holt aus, um ihn wegzuschlagen. Laut und vernehmlich ist ein Knall zu hören, als die Spieler aufeinander prallen. Den Zuschauern ist innerhalb von Sekunden klar: Hier ist ernstlich etwas passiert. Das lebhafte Stimmengewirr verstummt. Man sieht Betreuer aufs Feld stürzen. Spieler schreien.

Das Bulletin nach der Partie: Beide erlitten Knochenbrüche. Der Amberger brach sich den Unterschenkel, der Angreifer den Mittelfuß. Für den Amberger änderte sich an diesem Augustabend die Lebensplanung. Vor dem Unfall trieb er nahezu täglich Sport. Der Gymnasiast stand kurz vor dem Abitur, Sport war sein Vertiefungsfach. Er musste auf Kunst umdisponieren. Er ging zwei Monate auf Krücken, wurde mehrfach operiert. Das Bein musste genagelt werden, es kam zu Problemen beim Zusammenwachsen der Knochen. Heute spielt der Student B-Klasse statt Landesliga.

Das hätte es nicht gebraucht, meint der heute 21-Jährige. Der Kontrahent habe ihn mit einem Vollspannschuss getroffen: "Das war unangemessen von der Härte." Er erinnere sich noch lebhaft: "Diese 30 Sekunden sind gut da." Sein Anwalt Jörg Jendricke sieht die Grenze zur Unfairness überschritten. Es sei für den Gegner erkennbar gewesen, dass dieser Ball nicht mehr gespielt werden kann. "Das war nicht so", hält der Weidener Spieler dagegen. Der Ball sei für ihn durchaus erreichbar gewesen: "Ich habe zur Schussbewegung ausgeholt und wollte den Ball im letzten Moment wegschlagen."

Letztlich sieht es das Gericht genauso: Das Videomaterial zeige, dass sich beide Parteien mit hohem körperlichen Einsatz auf den Ball zu bewegen und sich beide realistische Chancen ausrechneten, den Ball zu spielen. Die Schnelligkeit des Spiels verlange von Fußballern, "im Bruchteil einer Sekunde Chancen abzuwägen und Risiken einzugehen".

Es steht bereits die nächste Klage dieser Art bevor: Am Landgericht Amberg fordert ein Spieler des SV Hahnbach Schadenersatz vom Spielertrainer des SF Ursulapoppenricht. Dieser hatte ihn bei einem Spiel im Oktober 2018 gefoult und dabei Waden- und Schienbein gebrochen.

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