Mit "Google maps" auf Beutezug

Die Automatenknacker hätten in "Wetten dass...?" auftreten können: "Wetten, dass wir jede noch so kleine Bankfiliale in der Oberpfalz und Oberfranken benennen können - inklusive der Art ihrer Alarmsysteme".

Tatwerkzeug Rettungsspreizer. Der Hauptangeklagte hatte immer zwei Modelle dabei, einen kleinen, einen großen, die er nacheinander ansetzte.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Kriminalhauptkommissar Gilbert Fehlner von der Kriminalpolizei Weiden zeigt am Donnerstag der Strafkammer am Landgericht Handyfotos der Angeklagten. Es könnte sich auch um ein Prospekt der Raiffeisenbank oder Sparkasse handeln: Filialen in Bad Steben, Marktleuthen, Fichtelberg, Warmensteinach, Schneeberg, Hof... Dabei handelt es sich um Standorte, die man zwar begutachtete, aber nicht ansteuerte. Ausschlusskriterium war beispielsweise, dass bereits von außen eine Alarmanlage sichtbar war. Die Täter aus Achim bei Bremen waren in Bayern nicht ortskundig. Ihnen half Google Maps mit der Funktion "Suche in diesem Bereich nach Geldautomaten".Selbst der Kommissar staunt über das "starke Überangebot" auf dem Land. "Viele Banken haben Filialen geschlossen und notfalls kleine Häuser gemacht, wo Automaten drinstehen." Bei ihrem letzten Beutezug im T 6-California-Campingbus wurden die Angeklagten bereits abgehört. Die Gespräche drehen sich um die Auswahl geeigneter Tatorte: "Sie sind viele, viele Ortschaften abgefahren. Irgendwann wussten sie nicht mehr, welche Bank sie am lukrativsten eingeordnet hatten." Am Ende fiel die Wahl auf Immenreuth, Trabitz, Nagel, Gattendorf, Oberkotzau. Die Serie ging von 24. Dezember bis 9. Februar 2019. Eventuell gehen auch zwei frühere Aufbruchversuche in Waldkraiburg und Mühldorf am Inn auf das Konto der Kosovaren.

Kosovaren? Die beiden jüngeren der drei Angeklagten - Brüder (26 und 28) - sind astreine Hanseaten. Geboren in Niedersachsen, Schulabschluss, Lehre. Der Übersetzer konnte am ersten Verhandlungstag wieder gehen. Der Dritte und Kopf der "Bande" ist Arber G. (40), zuletzt gemeldet in Linköping. Er spricht Deutsch mit schwedischem Akzent.

Die Drei sind geständig. Am Landgericht stehen nur noch die Plädoyers aus, dann soll im Januar das Urteil ergehen. Der Jüngste, der für die Bereitstellung der Autos zuständig war, könnte mit 2 Jahren auf Bewährung davon kommen. Für seinen Bruder sind 4,5 bis 5 Jahre, für den 40-jährigen Cousin 6,5 bis 7 Jahre in Aussicht gestellt.

Alles klar? Und trotzdem bleiben viele Fragen offen. Handelt es sich denn nun um eine Form von Clankriminalität? Kommissar Fehlner stand mit den Kollegen in Bad Segeberg in Verbindung. Die wussten, dass sich der Hauptangeklagte im Vorfeld mit einer Tätergruppe getroffen hatten, gegen die damals wegen Automatenaufbruchs ermittelt wurde. Arber G. übernahm den "modus operandi": Hebeleisen, Rettungsspreizer, Salzsäure. "Bei diesem Treffen dürfte gewisses Wissen transportiert worden sein." Arber G. sagte in seinem Geständnis selbst, dass "Ideengeber" unter anderem "Osmani" war. Osmani ist "der" kosovo-albanische Clan in Hamburg.

Von der Kripo Bad Segeberg kam unmittelbar nach der ersten Tat in Immenreuth der Tipp auf die Angeklagten. Diese wechselten geschickt die Fahrzeuge (Fehlner: "ein Wahnsinnsfuhrpark"). Nach dem fünften "Coup" klickten in Döhlau (Oberfranken) die Handschellen.

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