Große Zweifel an Versorgung

Die Umstrukturierung der Bereitschaftspraxen in Bayern ist fast abgeschlossen. In Kürze gehen auch Oberpfälzer Standorte an den Start. Mit Synergien für Patienten und Entlastung für Ärzte und Notaufnahmen. Doch es gibt kritische Stimmen.

Die Versorgung der Patienten außerhalb der Sprechzeiten ist ein Dauer-Diskussionsthema. Die laufende Umstrukturierung der Bereitschaftsdienste hat nicht nur Befürworter. Bild: Uwe Anspach/dpa
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Eine davon ist die von Dr. Karl Schellenberger. Der stellvertretende Dienstgruppen-Obmann aus Sulzbach-Rosenberg erwartet durch die Neuorganisation der Bereitschaftsdienste durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) "katastrophale Zustände". Seine Kritik: Weite Wege für Patienten und Ärzte, die ein riesiges Gebiet abdecken müssen. "Bei dem System werden wir schnell an Grenzen stoßen", so der Mediziner. Seine Befürchtung einer schlechteren Versorgung, würden auch Kreispolitiker sowie Teile der Ärzteschaft teilen.

Anstelle der Hausarztpraxen treten bis zum Jahresende bayernweit und angegliedert an Notaufnahmen größerer Kliniken zentrale Bereitschaftspraxen. Diese übernehmen die Versorgung der Patienten, die außerhalb der Sprechstunden akute, nicht lebensbedrohliche gesundheitliche Probleme haben. Dazu bringt ein Fahrdienst mit medizinisch geschulten Fahrern Ärzte zu Hausbesuchen.

Kommenden Dienstag kommt mit den Standorten am Klinikum Weiden und dem Krankenhaus Tirschenreuth eine weitere Region dazu. Der Bereich Amberg/Neumarkt, in dem Schellenberger tätig ist, schließt am 28. November die Umstrukturierung im Freistaat ab. "In unserer bisherigen Einteilung gab es keinen Einsatz mit mehr als 14 Kilometern Anfahrt, im neuen System sind es bis zu 35 Kilometer." Auch gebe es durch die KVB-Fahrdienste bis zu 20 Minuten Verzögerung, bis sich der Arzt auf den Weg machen könne. Schellenberger nennt ein Beispiel aus dem Bereich Schwandorf-Oberviechtach, eine der Pilotregionen, in der das System seit 2016 getestet wurde. Dort habe ein Kollege in einer Nacht wegen langer Anfahrten nur drei Fälle übernehmen können, drei weitere nicht. "Die Leute denken sich, es kommt eh keiner und dann wird doch der überlastete Notdienst gerufen", sagt Schellenberger.

Diesen Zeitverlust sieht Birgit Grain nicht. "Für die Patienten ändert sich nichts", berichtet die KVB-Sprecherin von Erfahrungen aus umgestellten Bezirken. "Denn die Ärzte müssen nicht mehr den Kombi-Dienst Praxis/Hausbesuch machen, werden dadurch und durch verkürzte Einsatzzeiten entlastet und sind flexibler." Damit durch den Mehrbedarf an Medizinern in der Abdeckung keine Lücken entstehen, unterstützen laut Grain "mehr als 1000 Pool-Ärzte" die niedergelassenen Ärzte.

"Die Patienten schätzen besonders, dass sie eine feste Anlaufstelle mit festen Öffnungszeiten haben und sich nicht fragen müssen, welcher Arzt gerade Bereitschaft hat", betont die Sprecherin. "Die Praxen sind so eingerichtet, dass niemand länger als eine halbe Stunde unterwegs ist." Auch gäbe es keine "starren Grenzen"- ein Kirchenthumbacher etwa könne auch nach Pegnitz fahren. Schellenberger hingegen glaubt langfristig nicht an eine Entlastung der Bereitschaftsärzte: "Die Einsatzzeiten werden sich letztlich nicht verringern, sondern erhöhen."

Dr. Karl Schellenberger.

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