Weiden in der Oberpfalz
16.12.2020 - 22:20 Uhr

Herdenimmunität im Sommer? Impfkapazität der Oberpfalz reicht derzeit bei weitem nicht

Jens Spahn macht Hoffnung, dass die Corona-Pandemie schon im Sommer ihren größten Schrecken verloren haben könnte. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, dazu gibt es aus Bayern noch keinen genauen Plan. Aber zumindest einen Hinweis.

Eine Impfung gegen das Coronavirus. Bild: Carlos Giusti
Eine Impfung gegen das Coronavirus.

Das bayerische Gesundheitsministerium lässt aktuell offen, wann in der Oberpfalz die gewünschte Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreicht sein könnte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt die Hoffnung geweckt, dass schon im Sommer die für wirksamen Pandemieschutz benötigten 60 Prozent der Menschen geimpft sein könnten. Aus dem Münchener Ministerium gibt es dazu keinen Kommentar.

Fest steht, dass Spahns Ziel mit der bestehenden Kapazität der Corona-Impfzentren in Bayern nicht zu erreichen ist. Das Gesundheitsministerium gibt für die Oberpfalz aktuell eine Kapazität von 2700 Impfungen pro Tag an. 60 Prozent der 1,1 Millionen Oberpfälzer zu impfen, würde damit weit mehr als ein Jahr dauern. Für einen wirksamen Impfschutz sind pro Person zwei Injektionen nötig.

Ob und wie in Bayern die nötige Verdreifachung der Impfkapazität erreicht werden kann, um die Spahn-Vorgabe einzuhalten, bleibt offen. "Wir haben hierzu interne Szenarien erarbeitet, diese sind aber nicht für die Veröffentlichung gedacht", erklärte ein Sprecher. Allerdings weist er darauf hin, dass in absehbarer Zeit auch Impfstoffe anderer Hersteller verfügbar sein dürften. Der Biontech-Impfstoff muss bei -70 Grad gelagert werden, bei anderen Stoffen soll die Lagerung weniger aufwendig sein. Dann können auch Hausärzte einen Teil der Impfungen übernehmen.

Auch hierzu gibt es aus München aber keine nähren Auskünfte, ebenso wenig zu einem Zeitplan für bestimmte Altersgruppen. Noch sei nicht klar, wann und wie viel Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Seriöse Angaben seien deshalb nicht möglich. Außerdem solle verhindert werden, dass sich die Menschen in Bayern und der Oberpfalz unter Druck gesetzt fühlen. Jeder solle Zeit haben, sich zu informieren, bevor er sich für oder gegen die Impfung entscheidet.

Hintergrund:

So läuft die Entwicklung eines Impfstoffs

Bei der Impfstoffentwicklung muss zunächst das Virus genau untersucht werden. In der sogenannten präklinischen Phase wird festgelegt, welche Bestandteile des Virus und welche Zusatzstoffe im Impfstoff berücksichtigt werden. Der Impfstoff wird zunächst an Tieren erprobt. Anschließend wird er in einem dreistufigen Verfahren an Freiwilligen getestet.

  • Phase I: Die Verträglichkeit eines Impfstoffs und seine Fähigkeit, eine Immunabwehrreaktion hervorzurufen, wird erstmals am Menschen getestet. Jedoch nur an maximal 100 gesunden Freiwilligen.
  • Phase II: Die richtige Dosis, die Verträglichkeit und die Immunabwehrreaktion werden an einer größeren Anzahl von Freiwilligen (mehrere Hundert) erprobt.
  • Phase III: In dieser Phase erhalten mehrere tausend bis mehrere zehntausend Freiwillige den Impfstoff. Im Alltag soll erprobt werden, ob er wirklich vor einer Infektion schützt und sicher ist. Seltene Nebenwirkungen werden erkennbar.

Verlaufen diese Prüfungen erfolgreich, kann ein Zulassungsverfahren beginnen. Ist dieses erfolgreich abgeschlossen, kann der Impfstoff eingesetzt werden. (Quelle: Bundesregierung)

 
Kommentare

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Franz Wölfl

Endlich hat mal jemand diese eigentlich einfache Rechnung aufgemacht!
Ich rechne schon länger für meine Gruppe (die dritte) mit mindestens August 2021.

17.12.2020
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