Weiden in der Oberpfalz
06.02.2020 - 09:38 Uhr

Inkasso in der Oberpfalz: Kampf gegen Klischees und Betrug

Die Inkasso-Branche hat kein gutes Image: Zum einen Klischees von Schläger und Russenmafia, zum anderen Betrüger, die mit Fake-Inkasso-Büros Menschen abzocken wollen. Dabei sind seriöse Inkasso-Firmen wichtig - auch in der Region.

Rechtsanwalt Matthias Beck kümmert sich um das Inkasso für viele Privatpersonen und kleine Unternehmen. Dabei arbeitet er mit Gesetzbüchern und nie mit Baseballschlägern. Bild: Würth, Wolfgang
Rechtsanwalt Matthias Beck kümmert sich um das Inkasso für viele Privatpersonen und kleine Unternehmen. Dabei arbeitet er mit Gesetzbüchern und nie mit Baseballschlägern.

Zurzeit landen wieder viele unangenehme Schreiben in den Briefkästen. Absender: die Proex Inkasso GmbH, die von den Empfängern mehrere Hundert Euro fordert. Das Inkasso-Unternehmen ist allerdings nicht echt - sondern Abzocke. Eine ähnliche Masche ist auch in der Region bekannt.

Erst kürzlich traf es eine Frau aus dem Kreis Schwandorf. Und im vergangenen Jahr erhielt eine Ambergerin einen Brief von einem angeblichen Inkasso-Büro aus Nordrhein-Westfalen, das 760 Euro von ihr forderte. "Das sah so echt aus", sagt die Frau. Auf den ersten Blick war alles da: Kontakt, Aktenzeichen, Geschäftsführerin, Nummer aus dem Handelsregister. Nur auf dem Überweisungsträger war ein ausländisches Konto angegeben - ein Anzeichen für einen möglichen Betrug. Die Ambergerin ignorierte das Schreiben.

Sechs Milliarden Euro wären weg

Wie oft so etwas in der Oberpfalz vorkommt, ist unklar. Die Polizei kann dazu keine Zahlen liefern, weil sie keine spezielle Auflistung von Inkasso-Betrügereien führt. 2018 gab es insgesamt 4462 Betrugsfälle im Bezirk, 3676 wurden aufgeklärt.

"Die Inkasso-Betrugsmaschen gehen immer wieder um, sie kommen in Wellen", sagt Marco Weber, Pressesprecher des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU). Dann sind mehrere Zehntausend solcher Schreiben im Umlauf. "Für uns ist das ein Riesenproblem." Das Image der Branche bekomme dadurch nur weitere Kratzer, es ist ja sowieso nicht das beste.

Inkasso - das klingt nach Schlägertypen und Russenmafia, grimmigen Gestalten, die in der Dunkelheit auf Schuldner warten. Klischees, an denen nichts dran ist, erklärt Weber. Seriöse Inkasso-Unternehmen ziehen offene Forderungen für Gläubiger ein, schreiben Schuldner an und erinnern sie an ausstehende Zahlungen - aber stets sachlich. Keine Gewalt, keine Drohungen. Niemals, betont Weber. "Sie halten sich selbstverständlich an Recht und Gesetz."

Seriöse Firmen seien im Rechtsdienstleistungsregister aufgeführt und meistens in einem großen Interessensverband wie etwa dem BDIU organisiert. Sie halten sich an verbindliche Regeln und unterliegen der Kontrolle einer Beschwerdestelle. Und: "Inkasso-Unternehmen liefern der Wirtschaft eine wichtige Rechtsdienstleistung", sagt Weber. Jedes Jahr erhielten die Inkasso-Unternehmen 20 Millionen neue Forderungen und führten ihren Auftraggebern rund 6 Milliarden Euro zurück.

Dieses Schreiben hat eine Ambergerin erhalten. Ein angebliches Inkasso-Büro forderte von ihr 760 Euro. Sie ignorierte das Schreiben. Bild: Wolfgang Steinbacher
Dieses Schreiben hat eine Ambergerin erhalten. Ein angebliches Inkasso-Büro forderte von ihr 760 Euro. Sie ignorierte das Schreiben.

Besonderer Fall in der Region

Matthias Beck ist Rechtsanwalt in der Weidener Kanzlei Lochmüller und dort fürs Inkasso zuständig. Er erzählt von einem Fall, der ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist. Es ging um rückständigen Kindesunterhalt, der geforderte Betrag war bereits fünfstellig. Der Schuldner war schwer zu greifen, seine Masche: Bei Eintreffen einer Lohnpfändung wechselte er sofort die Arbeitsstelle, so dass ständig neue Lohnpfändungen nötig waren und wegen der kurzen Beschäftigungszeit nur geringe Beträge vollstreckt werden konnten. Der Mann machte allerdings einen Fehler: Er hatte einen Verkaufsstand auf einem großen Christkindlmarkt in der Region. Der Gerichtsvollzieher fand dort einen "höheren Betrag", so Beck. "Die Freude bei unserer Mandantin war natürlich groß."

Jedes Jahr habe die Kanzlei zwischen 150 und 200 reine Inkasso-Mandate. Auftraggeber seien Privatpersonen und Firmen wie Autohäuser, Tankstellen, Fahrschulen, Handwerksbetriebe oder Ärzte. Schuldner seien meistens kleine Unternehmen oder Privatpersonen. 2019 ging es durchschnittlich um 940 Euro pro Mandat, erklärt Beck.

"In der Regel hat der Gläubiger schon alles Mögliche versucht, um an sein Geld zu kommen." Die Kanzlei werde meist sofort mit der gerichtlichen Geltendmachung beauftragt. Bedeutet: Sie reicht Anträge auf Erlass eines Mahnbescheids sowie eines Vollstreckungsbescheids ein. Danach werde der Gerichtsvollzieher beauftragt. Die meisten würden dann auch zahlen.

Problem für kleine Betriebe

Aber: Es gebe auch Schuldner, deren Einkommen ihr Leben lang unter dem pfändbaren Betrag liegt. "Wir müssen den Gläubigern in diesen Fällen zur Vermeidung weiterer Kosten leider zum Abschluss der Akte raten." Das komme bei etwa 15 Prozent der Fälle vor, so Beck.

Für kleinere und mittlere Unternehmen kann es problematisch werden, wenn Kunden größere Beträge nicht zahlen, sagt Winfried Riedl, Rechtsreferent der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim. Vor allem wenn Schuldner pleitegehen. "Das zieht den ein oder anderen Kleinen mit." Gerade Betriebe mit zwei, drei Mitarbeitern seien davon betroffen. "Die arbeiten halt vor allem" und vernachlässigen das Inkasso. "Das führt dann zu merklichen Ausständen."

Amberg18.08.2019
 
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