18.08.2019 - 13:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Polizeihauptkommissar klärt über Inkasso-Masche auf

Landet ein Brief des Inkasso-Büros im Postkasten, würden es viele Menschen am liebsten in die Papiertonne schmeißen. Doch jedes Schreiben sollte sorgfältig hinterfragt werden, auch wenn man sich nichts hat zuschulden kommen lassen.

Hans-Peter Klinger, Erster Polizeihauptkommissar, Leiter Sachbereich Einsatz
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Bei der Polizeiinspektion Amberg gehen "gar nicht mal so häufig" Meldungen falscher Inkasso-Unternehmen ein, sagt Polizeihauptkommissar Hans-Peter Klinger. Das hieße aber nicht, dass es nicht viele Opfer gibt. Nur wenige erstatten Anzeige. Dabei wäre das sehr wichtig. "Nur wenn wir viele Hinweise haben, können wir etwas unternehmen."

Erhält man einen Brief vom Inkasso-Büro sollte man grundsätzlich erstmal eine intensive Gewissensprüfung machen, rät Klinger. "Hat das Geschäft so stattgefunden? Das ist das Allerwichtigste, sich das zu fragen. Nicht gleich wegschmeißen, oft ist ja doch was dran." Kommt man zu dem Schluss, dass man nicht schuldig ist, hilft es, Widerspruch einzulegen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man sich bei der Polizei melden. Grundsätzlich gilt: Keine Panik. Das Inkasso-Institut, egal ob echt oder nicht, kann keinen Gerichtsvollzieher schicken, keine Pfändung veranlassen und auch niemanden verhaften lassen. In Alarmbereitschaft sollte man sein, wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid vorliegt. Daran hängt meist eine Frist, innerhalb der man Widerspruch einlegen muss. Hier sollte schnell gehandelt werden, sonst ist die Rechnung rechtskräftig. Wenn die Forderung zu Recht besteht, muss natürlich gezahlt werden. Die Beamten helfen, eine mögliche Ratenzahlung zu prüfen, wenn man die Rechnung nicht auf einmal begleichen kann.

Anlass war ein aktueller Fall

Amberg

Auch echte Schreiben prüfen lassen

Selbst echte Schreiben von Inkasso-Unternehmen sollte man prüfen. Oft werden viel zu hohe Beträge berechnet, die Kosten sind nicht nachvollziehbar. Ein einfaches, standardisiertes Forderungsschreiben kann schon mal 58,50 Euro kosten. Die Polizei findet, maximal 27 Euro wären in diesem Fall angemessen. Wie kommt es aber dazu, dass gefälschte Inkasso-Schreiben bei den Leuten ankommen? "Menschen sind mit der Weitergabe ihrer Daten nicht immer vorsichtig. Sie nehmen an Glücksspielen oder Ausschreibungen teil. Da gibt es überall den Passus, dass man mit der Weitergabe der Daten einverstanden ist oder auch, dass man Werbung erhalten möchte. Es gibt Börsen, bei denen diese Adressen gehandelt werden", erklärt der Polizeihauptkommissar.

Ein echtes Inkasso-Schreiben muss folgende Merkmale aufweisen: die Anschrift des Auftraggebers, der Grund der Forderung und bei Verträgen der Gegenstand des Vertrags und das Datum des Vertragsschlusses. Außerdem gibt es viele Indizien, die auf eine Fälschung hinweisen. Eine Formel, wann eine Forderung gefälscht ist, gibt es aber nicht. "Ein ausländisches Konto auf dem Überweisungsträger heißt nicht gleich, dass es sich um ein gefälschtes Schreiben handelt. Heutzutage sind Firmen international aufgestellt. Die haben viel ins Ausland verlagert. Es ist ein Indiz, aber kein Beweis."

Das rät die Polizei

Fühlt man sich von Inkasso-Unternehmen bedrängt oder bedroht, rät die Polizei auf ihrer Beratungsseite: "Lassen Sie sich nicht verunsichern! Inkassoinstitute haben keine besonderen Rechte und versuchen, Betroffene in den meisten Fällen mit wüsten Drohbriefen einzuschüchtern. Bleiben Sie stur und zahlen Sie nicht, wenn Sie meinen, dass eine Forderung aus der Luft gegriffen ist. Handeln Sie zügig, wenn Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid erhalten. Die Polizei hilft weiter, wenn Sie Unterstützung brauchen."Aufklärungsseite der Polizei www.polizei-beratung.de

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