18.08.2019 - 13:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Betrug mit der Inkasso-Masche

Mahnung - Klage - Zwangsvollstreckung. Niemand liest das gerne in seiner Post. Obwohl eine Ambergerin sich nichts hat zuschulden kommen lassen, erhielt sie zwei Mal solch einen Brief. Sie will nun andere vor der Betrugsmasche schützen.

Dieses Schreiben hat eine Betroffene aus Amberg erhalten. Nun will sie andere vor dem versuchten Betrug schützen.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

"Im ersten Moment erschrickst du schon", sagt die 58-Jährige Ambergerin, die ihren Namen lieber nicht nennen will. Vor kurzem hatte sie einen Brief von einem angeblichen Inkasso-Büro in Neuss erhalten. "IE Investment Inkasso" steht als Firmenname auf der Mahnung. Diese handelt angeblich im Auftrag verschiedener Gewinn- und Zeitschriftenverlage die zum Beispiel Lotto-Spiele anbieten. "Ich hatte wirklich einmal im Internet beim Lotto mitgemacht. Deswegen war ich auch so geschockt." Doch sie war sich sicher, den Lotto-Vertrag direkt gekündigt gehabt zu haben.

Die Ambergerin hat so einen Brief nicht zum ersten Mal erhalten. Bereits vor fünf Jahren wurde sie Opfer der Masche. Damals gab es zu der Mahnung auch einen "frechen und forschen" Anruf. Die Betrüger drohten mit einem Anwalt. Statt dem Druck nachzugeben, holte sich die 58-Jährige Hilfe. Außerdem suchte sie bei Google nach dem Inkasso-Büro. Prompt erschien dort die Warnung, auf keinen Fall Geld an diese Firma zu überweisen.

"Das sah so echt aus"

Auf den ersten Blick ist alles da: Kontakt, Aktenzeichen, Name der Geschäftsführerin. Sogar die Nummer aus dem Handelsregister ist angegeben. Unten hängt ein bereits vorgedruckter Überweisungsträger. "Das sah so echt aus", zeigt sich die 58-Jährige immer noch erstaunt. Ein geschultes Auge bemerkt beim Überweisungsträger einen Anhaltspunkt für den möglichen Betrug: Die IBAN beginnt mit "LT" und nicht mit "DE" wie sonst bei Inlandskonten. Eine deutsche Firma mit ausländischem Konto kann ein Anzeichen für dubiose Machenschaften sein - muss aber nicht. "Und wenn man das Geld dann überwiesen hat, ist es für immer weg", ist sich die Empfängerin des Briefes sicher. In dem Schreiben wird der Ambergerin mitgeteilt: "Sie haben der kostenpflichtigen Dienstleistung mit ihren persönlichen Daten zugestimmt und den Betrag unseres Mandanten bis heute nicht beglichen. Wir fordern Sie letztmalig auf, den Betrag binnen drei Tagen unter Angabe des Aktenzeichens zu überweisen." Insgesamt 760 Euro fordert das falsche Inkasso-Unternehmen, inklusive Mahn- und vorgerichtlicher Inkassokosten. Investment Inkasso bietet in dem Schreiben einen Vergleich an: Bei Zahlung innerhalb von drei Tagen würden lediglich 290 Euro fällig werden. Dann wird wieder mit Gerichtsvollzieher, Zwangsvollstreckung, Pfändung von Rentenansprüchen gedroht.

"Ich denke, viele überweisen aus Angst das Geld. Das würde mir einfach leid tun, wenn nur einer etwas überweisen würde", so die Ambergerin. Warum gerade sie bereits zwei Mal kontaktiert wurde, weiß sie auch nicht. Im aktuellen Fall lautet ihre Devise "einfach ignorieren".

Das rät die Vebraucherzentrale:

Nicht alle Schreiben pauschalisieren

Einfach ignorieren ist nicht immer die Lösung Nummer Eins. Marion Gaksch, Leiterin der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Bayern in Amberg, warnt davor, Inkasso-Schreiben zu ignorieren, auch wenn man sich nichts hat zuschulden kommen lassen. "Es kann auch mal passieren, dass die Mahnung an die falsche Person geschickt wurde." Auch ehemalige Wohnsitze oder Namensvetter in einem Mehrparteienhaus können Grund für die Verwechslung sein. Ignoriert man das Schreiben, droht ein Schufa-Eintrag. "Da raus zu kommen, ist sehr schwierig, auch wenn man sich nicht verschuldet hat", erzählt Gaksch aus Erfahrung mit ihren Mandanten. Sie rät, ein Inkasso-Schreiben oder ähnliches, das verdächtig ist, prüfen zu lassen. (anv)

Das rät die Polizei

Amberg

Bei Betrugsfällen berät zum Beispiel die Verbraucherzentrale Bayern

Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.