Innenminister besorgt: Nördliche Oberpfalz ist Bayerns Corona-Hotspot

Die nördliche Oberpfalz ist stark von Corona betroffen. Wie stark, machte am Freitag Innenminister Herrmann in Weiden klar: Es zeichne sich ab, dass die Krankenhäuser der Region die Herausforderung allein nicht mehr bewältigen können.

Innenminister Joachim Herrmann (Fünfter von rechts) tritt mit Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Kliniken-Vorstand Thomas Egginger, und dem Neustädter Landrat Andreas Meier vor die Presse.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Lage ist ernst. Das konnte man den Gesichtern von Innenminister Joachim Herrmann, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Neustadts Landrat Andreas Meier trotz Schutzmaske ansehen. Eine Stunde wollte sich der Minister im Klinikum Weiden informieren. Als er nach über 90 Minuten vor die Presse trat, stellte er nüchtern fest: "Wir haben hier in der nördlichen Oberpfalz eine der schwierigsten Corona-Situationen in ganz Bayern." Ausdrücklich schloss er den Landkreis Neustadt/WN und die Stadt Weiden dabei ein. Der Kreis Tirschenreuth gilt schon länger als besonders betroffen. Als Beleg verwies der Minister auf die hohe Infizierten-Zahl "und leider auch schon eine Reihe von Toten".

Tatsächlich vermeldeten die Gesundheitsämter der Region auch am Freitag besorgniserregende Zahlen. Am Vormittag waren 940 Fälle aus der Oberpfalz gemeldet. Der Landkreis Tirschenreuth gab am Freitagnachmittag zudem vier weitere Corona-Tote bekannt, alle über 85 Jahre alt. Auch aus dem Kreis Amberg-Sulzbach gab es einen neuen Todesfall. Der Landkreis Schwandorf meldete sein erstes Corona.Opfer. Die Oberpfalz weist damit mehr als zehn Corona-Tote auf.

"Wir sind der Entwicklung in anderen Regionen fünf bis sechs Tage voraus", bemerkte Seggewiß. Herrmann sprach von einer "Eskalation", die anderswo verhindert werden solle. "Wir lernen hier für andere Teile Bayerns." Ausdrücklich dankte er den Ärzten und Pflegekräften der Region für ihre Leistung trotz "außergewöhnlicher Belastung". "Wir versuchen alles, um die Einsatzkräfte - Ärzte, Pfleger - bestmöglich zu unterstützten."

In der Nacht zum Freitag waren dafür 21 neue Beatmungsgeräte in Weiden angekommen, dort stehen nun 70 Intensivbetten mit der Möglichkeit zur Beatmung bereit. "Wir müssen uns aber auch darauf einstellen, dass in den nächsten Tagen beatmungsbedürftige Patienten in andere Großkliniken in der Region gebracht werden." Noch sei die Versorgung gesichert, stellte das Klinikum am Freitagabend klar. Wie lange das gilt, sei aber offen.

Um das Virus in den Griff zu bekommen, setzt die Staatsregierung auf mehr Tests. Im Weidener Klinikum wurde am Donnerstag ein mobiles Labor installiert, das täglich bis zu 100 Tests zusätzlich auswerten kann. Bayernweit sind inzwischen bis zu 7000 Tests täglich möglich. Die Zahl soll weiter wachsen, wenn dies trotz weltweiten Bedarfs und Materialknappheit möglich ist. Vom erhöhten Testaufkommen versprechen sich Experten, Infizierte früh zu entdecken um die Infektionskette zu durchbrechen.

Trotz verstärkter medizinischer Maßnahmen bleiben auch die Ausgangsbeschränkungen weiter nötig. Es sei angesichts der Entwicklung gerade im Norden der Oberpfalz nicht angebracht, über eine Lockerung zu sprechen. Inwieweit die Ausgangsbeschränkungen bereits greife, lasse sich noch nicht sagen. "Die allermeisten derzeit neuen Fälle haben sich vor letztem Freitag angesteckt", stellte Herrmann klar. An diesem Tag trat die Beschränkung in Kraft. Erst nächste Woche lasse sich eine Effekt absehen. Dann könne auch über die Fortführung der Ausgangsbeschränkungen gesprochen werden.

Weshalb die nördliche Oberpfalz sich zum Corona-Schwerpunkt habe entwickeln können, dazu wollte sich Joachim Herrmann nicht äußern. Er sei kein Experte. Auf das Mitterteicher Starkbierfest angesprochen, das immer wieder als Grund für die Eskalation im Landkreis Tirschenreuth genannt wird, stellte Herrmann klar: Ein Starkbierfest alleine reicht sicher nicht aus, um die derzeitige Lage in der Region zu erklären.

Weiden in der Oberpfalz

Dank an Ärzte und Pfleger

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Keine Lockerung bei Ausgang

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Kommentare

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Klaus Brunner

Mindestabstand?!

Auf dem Bild sieht man wie strikt von unseren Politikern die Abstandsregel eingehalten wird; nämlich gar nicht.
Gerade von unseren Volksvertretern hätte ich erwartet, dass sie sich an die geltenden Regeln halten und hier eine Vorbildfunktion wahrnehmen.
Leute, ich bin schwer enttäuscht von euch!

28.03.2020
Joachim Schmidt

Kurzer NAchtrag:

Aus mind. 2 Seiten (direkt Kontakt zu Klinik-Personal) habe ich gehört, dass medizinsches Personal im Klinikum Weiden angehalten ist, Atemschutzmasken für 1 Woche (!!) wiederzuverwenden, da Material fehlt!

Warum wird dem nicht nachgegangen oder folgt hier noch ein Bericht?

28.03.2020
Joachim Schmidt

Ich muss Herrn Kellner in gewisser weise Recht geben.

WAs ich aber anmerken will sind offene Fragen, die im Artikel leider nicht beantwortet werden:
(Bitte folgende Fragen im Sinne des Wissenschaftlichen Kenntniss gewinns verstehen und nicht moralisch bewerten)
- Was ist das Durchschnittsalter von Menschen, die An Krippe in den Jahren zuvor starben (höher/ niedriger als 85 Jahre)
- Sind die genannten Personen an Corona oder mit Corona gestorben? (Hinweis: Über 98% aller in Italien Verstorbener Menschen hatten mind. 1 schwere Vorerkrankung)
- Wie verhält es sich mit der täglich aktualisierten Sterberate an Grippe 2019/ 2020 im Vergleich zu den letzten Jahren?
- Welche Daten liegen für unsere Region hinsichtlich der Verbreitung von Corona in den letzten Jahren vor? (Schätzungen gehen davon aus, das bis zu 15% aller Verstorbenen auch die letzten Jahre an Corona-Viren in der Influenza-Zeit verstarben).

Warum wird nicht kritisch thematisiert, dass (nicht von Onetz aber z.B. im TV auf Bayerischen Rundfunk) frühe Warner (Fasching absagen!!) zunächst als Verschwörungstheoretiker und "rechte Spinner, die von Corona profitiert wollen" diffamiert wurden?

Ich habe oben bewusst keine Links/ Quellen angegeben, da diese leider mit Verweis auf die Nutzungsregeln oft zur zensur/ Löschung des Kommentars führen.

28.03.2020