Der Jazz kennt keine Grenzen

1961 löst der Saxofonist Stan Getz die Bossa-Nova-Welle im Jazz aus. An seiner Seite die Gitarristen Charlie Byrd, Laurindo Almeida oder João Gilberto. Paulo Morellos Gruppe „Sambop“ fügt sich nahtlos in diese Tradition.

Drei Brasilianer und ein Oberpfälzer auf der Bühne im "Bistrot Paris": Paulo Morello (E-Gitarre), Eduardo „Dudu“ Penz (Bassgitarre), Erivelton Silva (Schlagzeug) und Lula Galvão (akustische Gitarre) bescheren dem Jazz-Zirkel ein volles Haus.
von Louis ReitzProfil

Das "Bistrot Paris" ist voll besetzt. Paulo Morello ist in Weiden kein Unbekannter. Mit seinen vielfältigen Projekten gastierte er schon oft beim Jazz-Zirkel, und auch diesmal kommt das Publikum voll auf seine Kosten. Eigentlich heißt er Paul Schmidkunz und ist 1970 in Burglengenfeld geboren. Da sein Name für Brasilianer unaussprechlich war, wurde daraus schnell „Paulo“, und seither steht sein Name als Synonym für einen melodischen und swingenden Musikstil zwischen den Polen Bebop und Samba.

Morellos prägender Einfluss war der amerikanische Gitarrist Wes Montgomery, und Anleihen an dessen berühmte Oktav-Technik finden sich immer wieder in seinem Spiel. Hoch virtuos und mit atemberaubender Geschwindigkeit meistert er auch die schwierigsten Passagen, seine eigenen Kompositionen und Arrangements wirken authentisch und begeistern durch melodische und harmonische Vielfalt und Kreativität.

Brasilianische Legende

„Uno, dos, tres, cuatro“ – und schon geht’s los. Schlagzeug und Bass liefern den beschwingten Grundrhythmus, und zwei Gitarren lösen sich mit raffinierten Begleitakkorden und inspirierten Melodien ab. Den Anfang macht Morellos Komposition „One for LC“ und erinnert an den grandiosen Gitarristen Larry Coryell, mit dem er oft gemeinsam auf der Bühne stand und der vor zwei Jahren leider verstarb.

Mit Lula Galvão (geboren 1962 in Brasilia) sitzt ein renommierter Gast auf der Bühne, ein Musiker, der mit der Creme der brasilianischen Szene, aber auch mit berühmten Jazzmusikern wie Kenny Barron zusammengearbeitet hat. Schier unerschöpflich sind sein Vorrat an raffinierten Akkorden und sein melodischer Erfindungsreichtum. Er spielt eine akustische Gitarre mit Tonabnehmer, wodurch sich der Klang der E-Gitarre annähert. Mit unglaublicher Präzision werden Themen oft unisono oder auch mehrstimmig von den beiden Gitarristen gemeistert.

Eduardo „Dudu“ Penz und der Schlagzeuger Erivelton Silva bilden ein unschlagbares Rhythmusteam. Dezent und unaufdringlich sorgen sie für den swingenden Grundrhythmus, setzen Akzente und Stimmungen. Penz spielt eine 6-saitige Bassgitarre und unterlegt seine Solos oft mit unisono gesungenen Passagen, wie man das von Slam Stewart oder George Benson kennt. Silva überrascht durch musikalisch herausragende Breaks, Einleitungen und kurze Solopassagen, was ihn von vielen lautstark agierenden Schautrommlern unterscheidet.

Gelungen auch die Mischung von Eigenkompositionen und brasilianischen Originalen. Alles klingt wie aus einem Guss, man spürt die Begeisterung und den Spaß der Musiker, der Swing überträgt sich auf die Zuhörer und erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Dabei verzichtet man bewusst auf die populären Ohrwürmer von Antônio Carlos Jobim. Morellos Komposition „7x1“ erinnert mit ihrer schwungvollen Melodik an den bekannten Schlager „Tico Tico“ und ist eine Anspielung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, als Deutschland gegen Brasilien mit 7:1 gewann.

Freudiges Wiederhören

Eine willkommene Abwechslung im Klangbild bringt die Komposition „Migalhas de Amor“, ein ruhiges, besinnliches Stück für zwei Gitarren ganz ohne Begleitung. Am Ende steht mit „I'm just a lucky so-and-so“ ein eher selten gespieltes Werk von Duke Ellington auf dem Programm, ein Wiederhören, das Freude macht. Nach zwei Zugaben verabschiedet sich Paulo Morello von seinen Weidener Fans. Man darf gespannt sein, welches Projekt uns als nächstes erwartet.

Drei Brasilianer und ein Oberpfälzer auf der Bühne im "Bistrot Paris": Paulo Morello (E-Gitarre), Eduardo „Dudu“ Penz (Bassgitarre), Erivelton Silva (Schlagzeug) und Lula Galvão (akustische Gitarre) bescheren dem Jazz-Zirkel ein volles Haus.
Paulo Morello (E-Gitarre) ist ein Typ mit einer Gibson L5, der für sein Leben gern Jazz und brasilianische Musik spielt.
Lula Galvão (akustische Gitarre): "Wir haben uns sofort verstanden. Wir konnten auf Anhieb zusammen musizieren und lagen auf der gleichen Wellenlänge."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.