Das Joe-Krieg-Quartett mit Johannes Geiß gastiert beim Jazz-Zirkel-Weiden

Joe Krieg gehört zu den wichtigsten Stimmen der neuen Generation von Jazzgitarristen. Mit seinem Quartett präsentiert er Improvisationsmusik zwischen Mainstream und Modern Jazz – homogen und explosiv swingend.

Ein hochkarätiges Quartett (von links): Joachim Werner (Klavier), Simon Ort (Bass) Joe Krieg (Gitarre) Uli Kleideiter (Schlagzeug).
von Louis ReitzProfil

Joe Krieg, Spross deutsch-französischer Eltern, studierte in Würzburg und hatte in New York Unterricht bei Gitarren-Größen wie Peter Bernstein, Pat Martino oder Mike Stern. Am Samstag, 29. Februar (20 Uhr), gastiert das Joe-Krieg-Quartett im Bistrot Paris (Weiden, Sebastianstr. 2). Für das Konzert beim Jazz-Zirkel-Weiden kehrt Altsaxophonist Johannes Geiß („Moop Mama“ und spielte seit 2009 mehr als 500 Konzerte und Festivals im In- und Ausland sowie zahlreiche Radio- und TV Produktionen), geboren 1980 in Weiden, zurück zu seinen Wurzeln. Im Interview äußert sich Joe Krieg über seine Beziehung zu Geiß, seiner Musik und dem Konzert in Weiden.

ONETZ: Sie sind 1974 in Würzburg geboren und zählen immer noch zu den „Geheimtipps“ der deutschen Szene. Hat man es in der Provinz schwerer, sich zu behaupten?

Joe Krieg: Mit instrumentaler Jazzmusik bedienen wir ein Nischenprodukt. Ich glaube nicht, dass der Erfolg vom Wohnort abhängt. Man ist ja viel unterwegs und die Herkunft ist letztendlich egal.

ONETZ: Sie lebten für kurze Zeit auch in New York, Wien und Köln. Was hat Sie bewogen, wieder nach Würzburg zurückzukehren?

Nach dem Studium wollte ich herausfinden, wie das Gelernte in der Realität aussieht, ich wollte näher am Puls sein. Ich habe die Szene in New York genau beobachtet, war dann in Wien und Köln. Der Zufall brachte mich zurück nach Würzburg, weil ich dort meine Frau kennenlernte.

ONETZ:

ONETZ: Wie sind Sie zur Gitarre und zum Jazz gekommen?

Ein Schulfreund spielte in einer Rockband. Ich war sofort Feuer und Flamme für das Instrument und wollte nur noch Gitarre spielen. Dann wollte ich eine professionelle Ausbildung machen und als Musiklehrer arbeiten. Über die Fusion-Gitarre kam ich zu den Größen wie Miles Davis, John Coltrane oder Cannonball Adderley. Mich hat die Klangfarbe des Jazz so fasziniert und bis heute nicht losgelassen.

ONETZ: Von welchen Musikern wurden sie besonders beeinflusst oder inspiriert?

Es gibt Musiker, bei denen hört man sofort ihre Einflüsse heraus, weil sie Elemente aus der Musik ihrer Vorbilder übernommen haben. Pat Martino und George Benson haben mich in ihren Bann gezogen, aber ich habe nie versucht, wie sie zu klingen. Aber Pat Martino habe ich auch eine Komposition gewidmet.

ONETZ: Sie hatten auch Unterricht bei Michael Arlt, der schon mehrmals in Weiden auftrat?

Michael Arlt ist Professor an der Musikhochschule Würzburg und während meines Studiums hatte ich vier Jahre Unterricht bei ihm. Von ihm habe ich gelernt, wie man an diese Musik herangeht und daran arbeitet.

ONETZ: Ihr Quartett ist mit Joachim Werner (Piano), Simon Ort (Bass) und Uli Kleideiter (Schlagzeug) besetzt. Wie lange spielen sie schon zusammen und wie kam es dazu?

Uli Kleideiter kenne ich schon seit meiner Schulzeit. Wir hatten mehrere Bands zusammen und wir verstehen uns sehr gut. Das Quartett gibt es sein zwölf Jahren, unsere erste CD ist 2009 erschienen. Ich kam frisch aus Wien zurück und wollte meine eigene musikalische Identität vorantreiben. Ich konnte mich am meisten mit meinen eigenen Stücken identifizieren. Vor drei Jahren musste ich das Quartett etwas umbesetzen. Joachim Werner kannte ich von der Bigband Würzburg und Simon Ort war ein bekannter Bassist in der Gegend. Wir harmonisierten sehr gut zusammen uns spielen seitdem im Quartett.

ONETZ: War die Kombination von Klavier und Gitarre eher Zufall, oder geplant?

Mich fasziniert der Klang des Klaviers und ich schätze die klangliche und harmonische Komponente dieses Instruments in meinen Kompositionen.

ONETZ: Sie bezeichnen ihre Musik als „progressiven Mainstream“ und sehen sich als „Melodie Bebopper“. Was versteht man darunter?

Dem Begriff „Melodic Bebop“ begegnete ich erstmals im Zusammenhang mit Kurt Rosenwinkel, der eine sehr lyrische Weise hat, sein Spiel zu gestalten. Auch meine Art zu komponieren und zu improvisieren ist immer Melodie-gebunden. In meiner Musik gibt es keine völlig abgefahrenen Bebop-Geschichten, die Melodie steht über den Stücken. Natürlich baue ich auf die Tradition, und es gibt viele harmonische Wendungen, die darauf basieren.

ONETZ: Beim Konzert in Weiden kommt zum Quartett der Saxofonist Johannes Geiß, der ja aus Weiden stammt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

2004 gab es ein Projekt des Posaunisten Markus Geiselhart unter dem Motto„Hut ab“ als Tribut an Albert Mangelsdorff. Hier spielte ich zusammen mit Johannes. Ich lernte ihn als faszinierenden Musiker kennen und fühle mich dabei sehr wohl. Wir spielten über die Jahre immer wieder zusammen. Johannes ist vor allem mit der Gruppe „Moop Mama“ viel unterwegs und spielt ab und zu als Gast in meiner Gruppe. Auf meiner nächsten Platte werden auch andere Solisten dabei sein, z.B. Heinz Dieter Sauerborn, Joo Kraus oder Nils Wogram. Wir laden immer wieder Gäste ein, die uns klanglich unterstützen und auch als „Zugpferd“ dienen.

ONETZ: Ist das Konzert in Weiden ein Einzelfall, oder ein Termin innerhalb einer größeren Tour?

Wir hatten in Herbst eine kleine Tour mit Johannes Geiß, aber im Moment ist es das einzige Konzert mit ihm.

ONETZ: Ihr Repertoire besteht ja ausschließlich aus Eigenkompositionen. Ist es nicht schwierig, wenn dann ein Gastsolist hinzukommt? Was erwartet uns in Weiden?

Alle Solisten sind herausragende Musiker und haben die Gabe, sich schnell auf ein Programm einzulassen. Natürlich bekommen sie vorher die Noten und es gibt Proben. Johannes gefällt unsere Musik und er möchte auch seinen eigenen Beitrag zur Musik leisten. Die Kompositionen sind alle von mir, die aber Johannes mitgestaltet. Er ist kein Anhängsel, das mal ein Solo spielt, sondern komplett in der Band integriert. Im Idealfall sind wir alle eine komplette Einheit.

ONETZ: Für Jazzmusiker ist es oft schwierig, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen. Wie bestreiten Sie ihren Lebensunterhalt?

Die Organisation einer Gruppe ist ein enormer Aufwand und mit viel Anstrengung verbunden. Die Auftrittsmöglichkeiten sind rar. Finanziell braucht man auch andere Tätigkeiten. Ich bin Dozent an der Uni Würzburg und der Umgang mit jungen Studenten macht viel Spaß. Daneben gebe ich Privatunterricht und natürlich muss ich auch bei kommerziellen Projekten mitmachen. Mein Dank gilt auch den Veranstalten und Jazzclubs, die ja meist ehrenamtlich arbeiten und damit diese Art von Musik am Leben erhalten.

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