Die Kanaille heißt immer noch Franz

Für jede Menge Furore sorgte die Uraufführung von Schillers „Die Räuber“ vor knapp 240 Jahren. Das Landestheater Schwaben gastierte in der Max-Reger-Halle mit einer Inszenierung, die ebenfalls alles andere als gewöhnlich war.

Das Landestheater Schwaben gastierte mit einer unkonventionellen Inszenierung von Schillers "Die Räuber" in der Max-Reger-Halle.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Das Landestheater Schwaben gastierte mit einer unkonventionellen Inszenierung von Schillers "Die Räuber" in der Max-Reger-Halle.
Das Landestheater Schwaben gastierte mit einer unkonventionellen Inszenierung von Schillers "Die Räuber" in der Max-Reger-Halle.

Das Stück ist freilich ein Klassiker der deutschen Literaturgeschichte, erfreulicherweise finden deswegen auch zahlreiche Schüler den Weg in die Max-Reger-Halle. Gut 200 Besucher sind es insgesamt – eine Zahl, die zwar noch nicht jubeln lässt, aber zumindest deutlich mehr als zum „Kulturbühne“-Auftakt vor wenigen Wochen.

In seinem Schauspiel stellt Schiller zwei extrem unterschiedliche Brüder einander gegenüber. Franz Moor, der Menschenfeind, der hässliche, sich vom Vater ungeliebt fühlende Sohn, der zerstören, vernichten und besitzen will. Und auf der anderen Seite Karl, der um Ideale kämpft, dabei aber jedes Maß aus den Augen verliert und den Tod Unschuldiger zu verantworten hat. Während Franz zu Hause auf infame Weise gegen Bruder und Vater intrigiert, geht Karl in die Wälder, um eine Räuberbande zu gründen. Beide lehnen sich – jeder auf seine Weise – gegen die gesellschaftliche Ordnung auf. Die Folgen sind verheerend, die Geschichte von Liebe, Zwist und Rache endet bekanntermaßen im Blutbad.

Gut zweieinhalb Stunden lang erzählt Regisseurin Julia Prechsl, Jahrgang 1992, die Geschichte auf ihre Weise - und greift dabei zu ungewöhnlichen Kniffen. Das geht los mit der Besetzung: Franz und Karl, die beiden Brüder, werden von zwei Frauen dargestellt. Regina Vogel und Elisabeth Hütter liefern in ihren Rollen beeindruckende Darbietungen ab, drücken ihren Charakteren den eigenen Stempel auf. Und machen deutlich, dass eine geschlechterspezifische Besetzung egal ist. Folgerichtig ist auch die Rolle der Amalia mit einem Mann besetzt: David Lau brilliert mit ausdrucksstarkem Spiel, seine Figur bekommt erst am Ende des Stückes eine Stimme. Das Ensemble überzeugt auf ganzer Linie, hervorzuheben ist auf alle Fälle noch Klaus Philipp, der einen komplett irren Spiegelberg darstellt und in einer weiteren Rolle als Pater auftritt.

Zur Inszenierung gehört, dass die Akteure die Konfrontation beziehungsweise die Kommunikation mit dem Publikum suchen: Die Dialoge wie auch die Sprechchöre der Hauptdarsteller werden ins Auditorium gesprochen, was zwangsläufig zu einer gewissen Statik auf der Bühne führt. Das Wort rückt ins Zentrum der Inszenierung. Dies wird unterstrichen durch das Bühnenbild (verantwortlich: Birgit Leitzinger), das von einem stählernen Gerüst mit mehreren Ebenen geprägt wird. So multifunktional es eingesetzt wird, so nüchtern ist es letztlich auch. Etwas problematisch wird das Geschehen auf der Bühne zu Ende hin: Handlungsorte und -stränge überlappen sich, werden zum Teil gleichzeitig und radikal verkürzt dargestellt. Wer „Die Räuber“ nicht kennt, dürfte etwas ins Grübeln geraten.

Aber dennoch: Die Inszenierung – angereichert mit verschiedenen musikalischen und lichttechnischen Effekten - ist eine, die in Erinnerung bleiben wird und über die man diskutieren kann. Wenn einem dies mit einem Bühnen-Klassiker von Friedrich Schiller gelingt, dann hat man viel richtig gemacht.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.