"Karolina e.V.": Viele Worte, keine Klarheit

Inzwischen bestätigten alle Jugendämter der nördlichen Oberpfalz, keine Zusammenarbeit zum Verein "Karolina e.V" zu unterhalten. Unbeirrt beharrt indessen die Vorstandschaft darauf, mit Jugendämtern zu kooperieren.

Ein Verein zur Unterstützung misshandelter Kinder - die Idee ist gut. Ungereimtheiten gibt es, was die Umsetzung angeht.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Dazu hat sich die Vorstandschaft - bestehend aus einem Ehepaar aus dem Landkreis Neustadt/WN - anwaltlichen Beistand geholt. Eine Berliner Kanzlei schreibt: "Eine Zusammenarbeit mit den Jugendämtern Weiden und Neustadt und meiner Mandantschaft besteht." Per Unterlassungserklärung wird die Rücknahme des Artikels "Verein Karolina im Verdacht" vom 26. März gefordert. Darin war berichtet worden, dass die Staatsanwaltschaft Weiden Ermittlungen aufgenommen hat. Nach Auskunft des Leitenden Oberstaatsanwalts Gerd Schäfer besteht ein Anfangsverdacht von Veruntreuung von Vereinsgeldern.

Weiden in der Oberpfalz

Oberpfalz-Medien wird diese Unterlassungserklärung nicht unterzeichnen. Denn: Die Situation hat sich nicht geändert. Das Jugendamt Weiden bleibt dabei: Es habe keine nennenswerten Kontakte gegeben. Nach der Vereinsgründung 2016 habe sich die Vorstandschaft bei der damaligen Jugendamtsleiterin vorgestellt. In der Folge seien maximal drei Einzelspenden abgerufen worden, unter anderem für einen Laptop für einen Jugendlichen. Daraus rühre wohl die Dankes-Mail, welche die Vorsitzende derzeit als "Beweis" einer Zusammenarbeit vorzeigt.

Fachlich undenkbar

Seit August 2018 ist der aktuelle Jugendamtsleiter im Amt. Er sagt, er kenne den Verein überhaupt nicht. Von einer Zusammenarbeit, gerade im Hinblick auf misshandelte Kinder und Pflegefamilien, könne keine Rede sein. Schon aus fachlicher Sicht sei es undenkbar, im sensiblen Bereich der Herausnahmen von Kindern aus Familie mit Laien ohne Qualifikation zusammenzuarbeiten.

Auch das Neustädter Jugendamt hat dem Artikel nichts hinzuzufügen. Man kenne sich nicht. Für diese Woche hatte der Neustädter Jugendamtsleiter die Vorstände aus genau diesem Grund ins Amt einbestellt: weil er wissen wollte, was der Verein tut. Das Ehepaar sei zum Termin erschienen. "Gesprächsergebnis war, dass Karolina e. V. direkt keine Kinder und Jugendlichen betreut", teilte Landkreissprecherin Claudia Prößl am Freitag mit. Eine Zusammenarbeit sei aus Sicht des Jugendamtes auch künftig nicht geplant.

Inzwischen wollen einige Spender ihr Geld zurück. Sie sehen sich übel getäuscht, ganz egal wie die Ermittlungen in strafrechtlicher Hinsicht ausgehen. Die Vorstandschaft habe gezielt mit dem Fallbeispiel eines Chamer Buben um Gelder geworben, der von seinem Vater in die Kehle gebissen und an den Folgen der Misshandlungen im Krankenhaus verstorben sei. Das Beispiel rührte Geldgeber zu Tränen. Das Jugendamt Cham schließt gegenüber Oberpfalz-Medien einen solchen Fall aus, ebenso das Krankenhaus, in dem ein Spender recherchiert hat.

Öffentliches Interesse

Die Ermittlungen durch die Kriminalpolizei Weiden werden erfahrungsgemäß mehrere Monate in Anspruch nehmen. Bis zum Abschluss gilt - wie mehrfach betont - für jedermann die Unschuldsvermutung. Auf die Unterlassungserklärung ließ der Verein im Laufe der Woche noch eine öffentliche Stellungnahme auf der Vereinshomepage sowie eine Gegendarstellung folgen. Darin wird Oberpfalz-Medien vorgeworfen, die Kontaktpersonen des Vereins "anklagend, aggressiv und unsachlich" befragt zu haben. Oberpfalz-Medien weist dies zurück.

Im Übrigen gelten für Verdachtsberichterstattung während laufender Ermittlungen strenge Hürden. Diese werden im Fall des Artikels vom 26. März alle erfüllt. Unter anderem muss ein öffentliches Interesse bestehen. Dies war in diesem Fall schon dadurch gegeben, dass allein in den letzten vier Monaten öffentlich 15 500 Euro an Spenden überreicht wurden. Die nächsten Geldübergaben standen unmittelbar bevor.

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien am 19. März hatte die Vorsitzende die kompletten Einnahmen für 2017 auf "etwa 11 000 Euro", 2018 auf "etwa die gleiche Größenordnung" geschätzt. Das steht im Widerspruch zu 30 Medienberichten über Spendenübergaben, in denen sich die Summe insgesamt auf mindestens 45 500 Euro summiert. Interessant wäre aus Sicht von Oberpfalz-Medien, welche Spendenbeträge darüber hinaus - ohne mediale Begleitung - gegeben worden sind. Mail an die Redaktion: themen[at]oberpfalzmedien[dot]de

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Kommentare

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Viktor Wernerus

Habe Frau Kiener auch bei Wohnsachwerte im Vorstand entdeckt und auch noch bei der Verbraucherzentrale.
https://www.verbraucherzentrale-hessen.de/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/wohnsachwerte-abmahnung-pruefverband-39431

26.09.2019