Kommentar: Söders Corona-Politik ist nur gut für ihn selbst

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Markus Söder schließt die Grenzen. Wieder einmal steht der Ministerpräsident als entschlossener Entscheider im Kampf gegen Corona da. Allerings nur auf den ersten Blick, kommentiert Wolfgang Würth

Der bayerisch-tschechische Grenzübergang bei Schirnding. Wegen massiver Corona-Infektionszahlen in Tschechien und auch in der Grenzregion haben bayerische Landkreise entlang der Grenze strenge Regeln erlassen. +++ dpa-Bildfunk +++
von Wolfgang Würth Kontakt Profil
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Die Grenze nach Tschechien auf oder zu? Oder doch nur für manche ein bisschen zu? Das Gezerre um die verschärften Kontrollen oder gar die komplette Schließung zeigt: Auch nach einem Jahr Corona-Pandemie ist der Kampf gegen das Virus in Bayern alles andere als koordiniert oder planvoll.

Dabei schien es vor drei Tagen noch einen klaren Beleg für ein abgestimmtes Vorgehen zu geben: Die bayerischen Landkreise an der Grenze zu Tschechien hatten sich auf eine gemeinsame Verfügung geeinigt. Mit drei klar formulierten Vorgaben wollten sie sicherstellen, dass die Verbreitung des Virus durch pendelnde Arbeitnehmer gestoppt wird.

Doch schon am nächsten Tag sind die Verhandlungen und das erzielte Ergebnis beinahe nichts mehr wert. Ministerpräsident Markus Söder wirft alles über den Haufen und lässt Tschechien über Nacht zum Mutationsgebiet erklären. Wieder ist alles neu, wieder werden die direkt Betroffenen kalt erwischt, müssen über Nacht umplanen. Es stellt sich die Frage: Reden die eigentlich nicht miteinander?

Eine Antwort sollte vor allem der Ministerpräsident geben. Der produziert sich seit Monaten als eiserner Kämpfer gegen die Pandemie. Immer mehr drängt sich dabei aber der Verdacht auf, dass es Söder weniger um die Gesundheit der Menschen im Freistaat und mehr um die eigenen Kanzlerambitionen geht.

Überzeugen kann Söder tatsächlich nur als Verkäufer in eigener Sache. Gegen die Pandemie produziert er dagegen vor allem Luftnummern. Wer erinnert sich noch an seine Corona-Ampel mit zwei verschiedenen Rottönen. Zwei Wochen nach der medienwirksamen Vorstellung war das Instrument längst überholt und vergessen.

Jetzt kommt mit der überraschenden Grenzschließung der nächste Schnellschuss, der ganz offensichtlich auch mit den Parteikollegen in den Landratsämtern entlang der Grenze nicht abgestimmt war. Am Donnerstag hatte Söder so mal wieder seinen großen Auftritt, am Freitag kümmern sich andere darum, dass die Wirtschaft entlang der Grenze weiter funktioniert. Söder steht wieder als der Macher da. Dabei macht er vor allem eins: anderen die Arbeit schwer.

Wie geht die Wirtschaft mit der Grenzschließung um

Tirschenreuth

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