Weiden in der Oberpfalz
08.03.2026 - 21:06 Uhr
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Benjamin Zeitler geht als klarer Favorit in die Stichwahl in Weiden

Heißt Weidens neuer Oberbürgermeister Benjamin Zeitler? Der CSU-Mann siegt im ersten Wahlgang mit überraschend großem Vorsprung. Amtsinhaber Jens Meyer (SPD) hat nun in der Stichwahl schlechte Karten und kaum mehr Argumente. Eine Analyse.

Die Wahllokale sind zu, und in Weiden jubelt die CSU. Zumindest für den Moment. Benjamin Zeitler kratzt mit dem Finger am Oberbürgermeister-Sessel. Das ist die große Nachricht des Tages. Ja, es gibt wieder eine Stichwahl. Ja, es sind wieder diese Zwei: Amtsinhaber Jens Meyer (SPD) gegen Benjamin Zeitler (CSU). Die beiden werden wie schon 2020 in einer zweiten Runde um das Amt des Oberbürgermeisters ringen. Und doch sind die Vorzeichen nun ganz andere.

Eine Stichwahl war in Weiden bei insgesamt sieben Bewerbern so gut wie gewiss. Dieser heiße Wahlkampf spitzt sich somit noch einmal um 14 Tage zu. Nur: Im Gegensatz zu 2020, als die beiden nach dem ersten Wahlgang nahezu gleichauf lagen, legte nun Zeitler gewaltig vor. Von einem knappen Ergebnis zu sprechen, wäre völlig verfehlt. Kurz nach 19 Uhr am Sonntag stand das vorläufige Endergebnis der OB-Wahl fest. 42,8 Prozent der Stimmen gingen auf das Konto von Zeitler. Danach: lange nichts. Jens Meyer wählten 24,4 Prozent der Weidener. Sein Ergebnis des ersten Wahlgangs von 2020 hat sich damit fast halbiert.

Dahinter folgt mit 11,5 Prozent der Kandidat der AfD, Ferdinand Adam. Zu Beginn der Auszählung schien es gar, als könne er statt Jens Meyer in die Stichwahl einziehen. Adam schob sich zwischenzeitlich über die 20-Prozent-Marke, ehe sein Ergebnis wieder einbrach. Jürgen Meyer kam für die Bürgerliste auf 10,4 Prozent, Laura Weber (Grüne) auf 6,6 Prozent, Florian Vogel (FDP) auf 2,6 Prozent und Robyn Arnold (Linke) auf 1,6 Prozent.

"Freude und Dankbarkeit"

Erst am Abend des 22. März wird sich offiziell entscheiden, wer Weiden in die Zukunft führt und wer eine Pleite schultern muss. Die Zahlen und die Szenen im Rathaus am Sonntagabend hätten aber kein deutlicheres Bild zeichnen können. Während Zeitler sich am CSU-Tisch herzen ließ, für Bilder mit seiner Familie posierte und ein Siegerlächeln im Gesicht trug, war Meyer nicht zum Lachen zumute. Seine Enttäuschung zu verbergen, gelang ihm kaum.

Zeitler dagegen strahlte im ersten Gespräch mit Oberpfalz-Medien. „Es hat sich gezeigt, dass die Weidener Veränderung wollen. Ich spüre jetzt einfach Freude und Dankbarkeit.“ Eine Stichwahl, räumt er ein, habe aber ihre eigenen Regeln. Zu früh will er sich das Stadtzepter also nicht in die Hand drücken lassen.

Schon vor sechs Jahren, als es um die Nachfolge von OB Kurt Seggewiß ging, haben sich Meyer und Zeitler jenes enge Duell geliefert. 117 Stimmen, nicht einmal einen Prozentpunkt, lag Meyer damals nach dem ersten Wahlgang vorne. Zwei Wochen später errang der SPD-Mann den Oberbürgermeister-Sessel. Es waren jene Anfangstage der Corona-Pandemie, als die Stadt im Covid-Krisenmodus versank.

„Wie erwartet“ komme es nun wieder zu derselben Stichwahl, kommentierte Jens Meyer das Ergebnis knapp. Es stehe nun eine Richtungsentscheidung an. Mehr Emotionen ließ er sich an diesem Wahlabend nicht entlocken.

Meyer abgestraft

Überraschend kommt die Wiederauflage des Duells tatsächlich nicht. Fragte man manchen SPD-Stadtrat am Sonntagabend, wurde aber klar: Mit einem Vorsprung für Zeitler hatte man gerechnet – mit so einem deutlichen Rückstand nicht. Woran lag’s? Einen klassischen Amtsbonus hatte Meyer bei dieser Wahl wohl kaum. Dafür fiel seine Bilanz als OB zu zerrissen aus. Dass er die Stadt sechs Jahre lang durch eine extrem schwierige Phase führte (Corona, Streit um West IV, Kliniken AG, Energiekrise, Stadtfinanzen), mögen ihm manche Wähler hoch anrechnen. Viele, so scheint es, straften ihn aber als „Schuldigen“ ab. Die nun erreichten 24,4 Prozent belegen eindeutig: Drei Viertel der Weidener Wähler wollen einen Wechsel auf dem OB-Sessel.

Und was hievte Benjamin Zeitler zu diesem extrem starken Ergebnis? Er schmiedete, das war stets unübersehbar, direkt nach seiner Wahlniederlage 2020 Pläne für seine nächste Chance. Er führte seither de facto einen Marathon-Wahlkampf. Stadtratssitzungen wirkten bisweilen wie vorgezogene Wahl-Duelle. Zeitler schien in manchen Reden, etwa zum Haushalt, seine Chefrolle auszutesten und sein Kandidatenprofil zu schärfen. In der Bundespolitik spräche man vom „Schattenkanzler“. Den Drang hin zum OB-Sessel, den Ehrgeiz, jenes unbedingte Wollen: Niemand dürfte das Zeitler absprechen. Er fährt nun die Früchte seines Wahlkampfs ein und ist klarer Favorit in der Stichwahl.

Favoritenrolle geklärt

Ob Meyer diesen Nackenschlag nun binnen zwei Wochen wird wegstecken und in einen Siegeszug verwandeln können: mindestens fraglich. Zeitler wird wohl auf die Stimmen der Wähler der Bürgerliste, der FDP und von Teilen der AfD bauen können. Linken- und Grünen-Wähler könnten zu Meyer schwenken.

Der SPD-Mann wird nun im direkten Duell mit seinem Kontrahenten noch einmal seine Bilanz verteidigen und erklären müssen, warum es in weiteren sechs Jahren "Mensch-Meyer" wieder aufwärts gehe. Gelingt ihm das nicht, dann geht das Oberbürgermeisteramt zum ersten Mal seit 19 Jahren nach der Schröpf-Ära wieder an die CSU – mit großem Vorsprung.

Über den Autor: Florian Bindl berichtet als Redakteur seit Jahren über die Weidener Stadtpolitik. Er war Teil des Moderationsteams der Podiumsdiskussion vor der OB-Wahl in Weiden.

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